Struff: Zverev hat Kritiker Lügen gestraft

Kai Hartwig
Sport1

Jan-Lennard Struff ist als Weltranglisten-34. aktuell der zweitbeste deutsche Tennisprofi hinter DTB-Topspieler Alexander Zverev (Nr. 7).

Bei den Australian Open musste der 29-Jährige zwar schon in Runde eins die Segel streichen, lieferte aber dem späteren Turniersieger Novak Djokovic einen tollen Fight.

Am Rande des ATP-500-Turniers im niederländischen Rotterdam sprach Struff im SPORT1-Interview über seine persönlichen Ziele, das neue Davis-Cup-Format, Teamkollege Zverev und seinen Lieblingsverein Borussia Dortmund.

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Struff: Geburt des Sohnes "unfassbarer Antrieb"

SPORT1: Herr Struff, 2019 war mit zwei Titeln und Rang 33 in der Weltrangliste Ihr bislang bestes Jahr der Karriere. Wo sehen Sie die Gründe für den Erfolg?

Jan-Lennard Struff: Wir haben als Team sehr gut gearbeitet, konstant gute Leistungen gezeigt. Mein Trainer Carsten Arriens, mein Physio Uwe Liedtke und ich haben jetzt schon über mehrere Jahre viel Arbeit investiert, das wurde jetzt endlich belohnt.

SPORT1: Welche Rolle spielte die Geburt Ihres Sohnes? Sie wurden vergangenes Jahr erstmals Vater.

Struff: Das war ein unfassbarer zusätzlicher Antrieb. So etwas ist größer als Tennis. Es ist schön, auch wenn man ein Match verloren hat, dass man nach Hause kommen kann und alles gut ist, wenn man den Kleinen anschaut.

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SPORT1: Welche Ziele haben Sie für die Saison 2020? Spüren Sie mehr Druck, die erzielten Punkte und die Weltranglistenposition zu verteidigen?

Struff: Ich möchte nach vorne kommen, das letzte Jahr hat hungrig gemacht auf mehr. Natürlich möchte ich noch mehr erreichen, auch wenn ich weiß, das die letzte Saison sehr gut war und ich viel Arbeit da rein gesteckt habe. Das zu toppen, wird nicht leicht.

SPORT1: Bei den Australian Open hatten Sie Lospech. Hat das Erstrundenmatch gegen Novak Djokovic trotzdem gezeigt, dass es in Richtung Top 20 gehen kann?

Struff: Es war nicht die Auslosung, die ich mir erhofft hatte. Bei den Australian Open hatte ich bislang noch nicht so gut gespielt. Deshalb wollte ich in die dritte oder vierte Runde kommen. Ich bin auf den Court gegangen, wollte alles geben und ein gutes Match spielen und Djokovic auch schlagen. Wenn ich auf den Platz gehe und meinen Gegner nicht besiegen will, läuft irgendetwas falsch. Letztlich war es auf vielen Ebenen ein gutes Match und ich hoffe, dass ich weiter darauf aufbauen kann. Das macht mir Mut.


Struff: "Super Antwort von Zverev"

SPORT1: Alexander Zverev stand in Melbourne erstmals in einem Grand-Slam-Halbfinale. Glauben Sie, dass dies für Ihn der Durchbruch zum Major-Sieg sein kann?

Struff: Nach dem ATP Cup hat keiner erwartet, dass Alexander Zverev in Melbourne gut spielt. Er musste sehr viel Kritik einstecken, es wurde gesagt, dass er sein Spiel nicht weiterentwickelt, dass er bei Grand Slams nicht gut genug spielt. Das war jetzt eine super Antwort von ihm. Für ihn war es sehr wichtig, das kann ihn jetzt nochmal richtig pushen.

SPORT1: Djokovic konnte im Finale den Angriff von Dominic Thiem noch abwehren. Sind die jüngeren Spieler um Thiem, Zverev, Medvedev, Tsitsipas näher denn je an der Wachablösung der großen Drei Nadal, Federer, Djokovic?

Struff: Es ist unfassbar, was die großen Drei für ein Niveau spielen. Wahnsinn, was Roger (Federer; Anm. d. Red.) in seinem Alter für ein Level spielt. So lange die Drei noch spielen, ist es schwer. Medvedev hat letztes Jahr eine bärenstarke Saison gespielt, Thiem war in Paris zwei Mal und jetzt in Melbourne im Finale. Wenn ich auf einen Spieler tippen müsste, wäre es Thiem. Er wird auf jeden Fall einen Grand Slam gewinnen.

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SPORT1: Mit Zverev, Ihnen und dem Weltklasse-Doppel Andreas Mies/Kevin Krawietz ist die DTB-Truppe schlagkräftig wie lange nicht. Was ist drin für Team Deutschland bei Davis Cup und ATP Cup?

Struff: Beim ATP Cup hatten wir eine schwere Gruppe mit Australien, Griechenland und Kanada. Wir haben alles versucht, es lief einfach nicht so gut. Im Davis Cup hat Alexander Zverev letztes Jahr beim Finalturnier nicht gespielt. Ich hoffe, dass wir in Zukunft mit ihm spielen können, weil er so ein herausragender Spieler ist. Ich habe ihn gerne in unserem Team, es ist deutlich einfacher, wenn er dabei ist. 


SPORT1: Sie haben jetzt beide neuen Turnier-Formate (Davis Cup, ATP-Cup) bestritten. Wie ist Ihr Eindruck? Würden Sie etwas verändern wollen?

Struff: Über den Davis Cup wurde viel diskutiert. Es gibt fast keine Heim- und Auswärtsspiele mehr, was ich sehr schade finde. Jetzt in der Vorrunde haben wir wieder ein Heimspiel in Düsseldorf gegen Weißrussland, was ziemlich cool ist. Allerdings war das Finalturnier interessant, alles an einem Ort zu haben. Schwierig waren die Spielansetzungen, teilweise waren die Matches erst in der Nacht. Da muss vielleicht das Teilnehmerfeld verkleinert werden. Der ATP Cup war ein toller Start in das Jahr mit einem Teamevent, trotzdem habe ich beim Davis Cup wegen der großen Tradition des Wettbewerbs etwas mehr das Gefühl, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen.


Struff: "Haaland hat mich beeindruckt"

SPORT1: Ähnlichkeiten der beiden Teamwettbewerbe sind klar erkennbar. Braucht es trotzdem beide Turniere?

Struff: Die ATP hat natürlich ein wenig die Macht darüber, ob sie der ITF die Weltranglistenpunkte für das Davis-Cup-Turnier zuschreibt oder nicht. Solange ein Interessenkonflikt beider Parteien besteht, wird es auch beide Wettbewerbe geben. Für mich können beide Events bleiben, nur der Davis-Cup-Termin müsste ein anderer werden. Er sollte nach so einer langen Saison nicht erst so spät im Jahr Ende November stattfinden. Wir brauchen auch mal eine Ruhephase. 2019 war es schon schwierig zu gestalten – und dieses Jahr ist es noch einmal eine Woche später.

SPORT1: Sie sind großer BVB-Fan. Was ist für Dortmund mit Wunderstürmer Erling Haaland noch drin?

Struff: Dass Haaland so viele Tore in so wenigen Spielen macht, ist schon Wahnsinn. Ich hatte die Chance, das Pokal-Spiel gegen Bremen zu sehen, wo er rein kam und traf. Man merkt ihm auf dem Platz diesen unbedingten Willen an, die Tore zu erzielen, den Siegeswillen. Wie er das lebt, auch Emotionen zeigt, wenn er eine Chance vergibt – das fand ich beeindruckend. Ich weiß nicht, wofür es für den BVB diese Saison noch reicht, aber es wäre schön, wenn es für ganz oben reicht.

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