Übler Sturz auf Kandahar: WM-Aus für Ferstl

SID
·Lesedauer: 3 Min.

Als Josef Ferstl quer in der Luft liegend über den Seilbahnstadl-Sprung flog, stockte Thomas Dreßen und seinen Teamkollegen der Atem.

Der einstige Kitzbühel-Sieger hatte nach einem Innenski-Fehler die Kontrolle verloren und krachte mit voller Wucht zunächst auf die Kandahar, dann ins Fangnetz. (Ski alpin: Alle Rennen im LIVETICKER)

Was viele da schon befürchteten, wurde einige Stunden nach der Abfahrt Gewissheit: Die WM in Cortina d'Ampezzo (8. bis 21. Februar) ist für Ferstl gelaufen.

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Bei einer MRT-Untersuchung im Krankenhaus in Garmisch-Partenkirchen wurden ein Muskelbündelriss im linken Hüftbeuger und ein angebrochenes linkes Sprunggelenk festgestellt.

Ski alpin: Ferstl stürzt in Garmisch schwer

"Diese Verletzung wenige Tage vor den Weltmeisterschaften ist natürlich bitter. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass nicht mehr passiert ist. Ich werde die Verletzungen ausheilen und dann in die Vorbereitung für die Olympiasaison einsteigen", sagte Ferstl, der acht bis zehn Wochen pausieren muss.

Nach dem Sturz von Ferstl wurde das Rennen unterbrochen, um die Netze zu richten.

In der laufenden Saison hatte es bereits mehrere Horrorstürze gegeben. Insbesondere die Abflüge von Urs Kryenbühl und Ryan Cochran-Siegle in Kitzbühel und Lucas Braathen in Adelboden hatten die Sicherheitsdebatte neu entfacht, in die sich zuletzt auch Felix Neureuther eingeschaltet hatte.

Dass nicht noch Schlimmeres passiert ist, war aus deutscher Sicht die beste Nachricht beim Wechselbad der Gefühle in Garmisch-Partenkirchen. (ERGEBNISSE: So steht's im Weltcup)

Rückkehrer Dreßen machte bei der letzten Weltcup-Abfahrt vor der WM auf dem Weg zum Renn-Comeback als Vorläufer einen weiteren Schritt. Im Ziel ließ er den rechten Skistock über dem Kopf kreisen und lächelte, als hätte er das Rennen wie im Vorjahr gewonnen.

Doch es blieb der einzige wirklich positive Gefühlsausbruch eines DSV-Starters beim Sieg des Südtirolers Dominik Paris. (Ski alpin: Rennkalender der Saison 2020/21)

Voll ins Fangnetz: Josef Ferstl muss WM abhaken

Dominik Schwaiger belegte als bester Deutscher Rang zwölf und erfüllte damit auch Teil zwei der WM-Norm.

Doch die Arrivierten enttäuschten: Romed Baumann kam nur auf Platz 14, Andreas Sander wurde direkt vor Simon Jocher nur 24. Super-G-Weltmeister Paris feierte seinen ersten Sieg nach einem Kreuzbandriss im Januar 2020 vor dem Schweizer Beat Feuz und Mattias Mayer aus Österreich.

Auch Ferstl hatte sich viel vorgenommen. "Ich habe angegriffen", berichtete er, und tatsächlich lag der 32-Jährige auf Kurs Top 6, als er sich zu einer Korrektur genötigt sah. "Aber das hat nicht mehr funktioniert."

Und so versuchte er nur noch, "mich ins Netz zu retten". Dieses wurde durch seinen harten Aufprall aus der Verankerung gerissen, doch Ferstl rappelte sich nach kurzer Benommenheit auf und konnte unter dem Applaus von DSV-Präsident Franz Steinle selbst zu Tal fahren.

Dreßen kommt immer besser in Schwung

"Es geht mir den Umständen entsprechend gut", sagte er im ZDF noch voller Adrenalin.

Dreßen, der nach seiner Hüft-OP Ende November wieder einsteigt und fest mit der WM plant, fühlte sich im Vergleich zum Training am Donnerstag "schon besser". Bei seiner Fahrt habe er sich an seinen Vorjahressieg erinnert, "da kommen die Emotionen wieder. Es macht einfach Spaß."

In Cortina werde er in den Trainings sehen, "wie ich mich auf der Strecke fühle", ergänzte der 27-Jährige.

Zuvor will er sich beim Super-G in "GAP" am Samstag (11.30 Uhr), dem letzten Rennen vor der WM, weiteres Selbstvertrauen holen - wohl erneut als Testpilot: "Ich muss es mir einfach zutrauen, dass ich den Ski auf die Kante lege und kompromisslos durchziehe."

Fokus auf die WM in Cortina d'Ampezzo

Das klappt bei Schwaiger aktuell ganz gut. "Das ist ein cooles Ergebnis und eine gute Motivation für die WM", sagte der Mann vom Königssee: "Die Form passt."

Baumann verspielte eine bessere Platzierung mit einem Patzer an der Einfahrt zur "Hölle". "Wenn der Fehler nicht ist, ist das ein Resultat, das passt", sagte er: "Abhaken, weiter geht's."