Das ist der wahre Held der NFL

Franziska Wendler
Sport1

Sein Erfolg beim Super Bowl scheint für Laurent Duvernay-Tardif inzwischen weit weg. Der 29-Jährige steht nämlich nicht nur als Guard für das Team von Head Coach Andy Reid auf dem Feld, sondern ist auch ausgebildeter Mediziner - und kämpft jetzt an vorderster Front gegen die Corona-Pandemie.

Rund elf Wochen ist es her, da erlebte Laurent Duvernay-Tardif den größten Moment seiner NFL-Karriere.

Im Super Bowl LIV besiegte er mit den Kansas City Chiefs die San Francisco 49ers und durfte im Anschluss die Vince-Lombardi-Trophy in die Höhe strecken.

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Der absolute Gipfel im Leben eines Football-Profis scheint für den Sportler inzwischen weit weg. Der 29-Jährige steht nämlich nicht nur als Guard für das Team von Head Coach Andy Reid auf dem Feld, sondern ist auch ausgebildeter Mediziner - als erster aktiver Profi in der NFL.

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NFL-Profi und Arzt gleichzeitig

Vier Jahre lang absolvierte er parallel zu seiner sportlichen Karriere ein Medizinstudium. Seine Draft-Party 2014, als ihn die Chiefs in der sechsten Runde auswählten, verpasste er, weil er Dienst auf einer Intensivstation hatte. Nun wird er in der Coronakrise freiwillig zum Helfer.

In einem Artikel für “Sports Illustrated” hat Duvernay-Tardif verraten, dass er seit dem 24. April in einer Langzeitpflegeeinrichtung in der Nähe der kanadischen Stadt Montreal arbeitet.

Im Urlaub mit seiner Freundin hatten ihn die immer ernster werdenden Nachrichten zu Covid-19 dazu veranlasst, in seiner kanadischen Heimat helfen zu wollen. Nicht jedoch, ohne Zweifel an seinem Vorhaben gehabt zu haben.

"Ich habe mich in einer Grauzone befunden. Die Verantwortlichen in der Klinik wussten nicht, wie genau ich helfen sollte, weil ich ja noch keine Approbation als Arzt habe – noch nicht", schildert der Sportler die Probleme.

Doch die Mediziner fanden einen Weg.

Duvernay-Tardif arbeitet in Klinik

Nach Rücksprache mit den Chiefs wurde es dem 29-Jährigen erlaubt, in der Klinik zu arbeiten und das etablierte Personal so gut es geht zu unterstützen und zu entlasten. "In der Nacht vor meinem ersten Arbeitstag war ich nervös, aber auf eine gute Art und Weise. So wie vor einem Spiel."

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In einem Crash-Kurs hatte der Guard zuvor alle Fakten zu Desinfektion und richtiger Verhaltensweise im Umgang mit Corona-Patienten gelernt beziehungsweise aufgefrischt. Im Dienst half der Beschützer von Quarterback Patrick Mahomes den Patienten in den ersten Tagen vor allem bei der korrekten Einnahme von Medikamenten.

"Ehrlich gesagt, war ich nach der Arbeit ausgelaugt, habe mich aber trotzdem darauf gefreut, wieder zu den Patienten zurückzukehren", gibt der Sportler zu.

Super-Bowl-Sieg aktuell unwichtig

Sein Engagement im Kampf gegen das Virus zeigt sich aber nicht nur in der Klinikarbeit. Auch in der NFL bringt sich der Super-Bowl-Sieger ein – und das in der Task Force der Spielergewerkschaft.

Diese wird sich in den kommenden Monaten damit befassen, "wie die Teams trainieren, wie sie reisen und wie die Spiele stattfinden werden", so der 29-Jährige. "Es ist aber noch zu früh, um zu sagen, wann der Sport zurückkehren kann, oder wie das aussehen könnte."

Aktuell konzentriert sich der Guard und Mediziner vor allem auf seine Arbeit im Krankenhaus, bei der er bereits von vielen Kollegen und Patienten als NFL-Star erkannt wurde. Einer der Klinik-Mitarbeiter erinnerte den Chiefs-Profi daran, dass er erst vor wenigen Wochen den Super Bowl gewonnen hat. "Das stimmt", antwortete Duvernay-Tardif. "Aber jetzt will ich einfach nur helfen."

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