Die Superstars der Ligue 1: Patrice Evra

Patrice Evra wollte nie Abwehrspieler werden. Das ist eine überraschende Erkenntnis, wenn es um einen Mann geht, der von keinem Geringeren als Sir Alex Ferguson als bester Linksverteidiger der Welt bezeichnet wurde. Evra begann seine Karriere mit dem Ziel, Tore zu schießen, nicht sie zu verhindern.

Evra wurde in Dakar im Senegal als Sohn eines Diplomaten geboren. Mit seiner riesigen Familie, Evra senior hat 25 Kinder, zog der Vater nach Belgien, als Patrice ein Jahr alt war.

Zwei Jahre später ging es für die Großfamilie weiter in den Pariser Vorort Les Ulis, wo auch Thierry Henry geboren wurde. Im örtlichen Sportklub CO Les Ulis spielte Evra - genau wie Henry - in der Offensive, doch der nächste Schritt wollte ihm nicht so schnell gelingen: Probeeinheiten bei Rennes und Lens brachten ihm kein positives Ergebnis.

Später versuchte es Evra auch bei Toulouse und PSG, das ihn schließlich als Flügelspieler verpflichtete, aber den Vertrag schnell wieder auflöste. Erst mit 17 Jahren klappte es für ihn: Bei einem kleinen Jugendturnier entdeckte ihn ein italienischer Scout und vermittelte ihn an das Nachwuchsteam von Torino.

Patrice Evra Monaco Michel Salgado Real Madrid Champions League

Kurz danach war es der italienische Drittligist Marsala, der Evras Traum vom Profifußball wahr werden ließ. Als er zum ersten Mal im Trainingsanzug seines neuen Klubs vor dem Spiegel stand und sich für die Einheit fertig machte, wusste er, dass er es geschafft hatte.

"Das war wie im Paradies", sagte er später. "Bis heute ist das das schönste Gefühl, das ich je im Fußball hatte: Ich war endlich Profi geworden."

Das gute Gefühl dauerte aber nicht lange an: Nach 27 Spielen in der dritten Liga ging er zu Monza in die Serie B, doch dort ging es für ihn nicht weiter: Er kam ganz selten zum Einsatz und verließ Italien nach zwei Jahren wieder.

Die Rettung hieß damals für ihn Nizza, zu der Zeit noch Zweitligist. Bei seinen ersten Auftritten für den Klub von der Cote d'Azur lief er als Mischung aus Mittelstürmer und linker Flügelspieler auf. Seine Leistungen waren ordentlich, sodass er in der Saison 2001/02 fest in die erste Mannschaft aufgenommen wurde. Doch erst große Verletzungssorgen seines Vereins brachten ihn auf die Linksverteidiger-Position - und dort in die Weltklasse.

Jean-Charles Cirilli, der Vertreter des etatmäßigen Linksverteidigers Jose Cobo, zog sich im allerersten Spiel der Saison gegen Laval eine Verletzung zu. Evra war ab sofort der Notnagel auf der linken Seite - und Nizza gewann die ersten Partien.

Patrice Evra Didier Deschamps Monaco Porto 26052004

Evra nahm an, dass er in der kommenden Partie wieder auf seine angestammte Position zurückkehren würde, doch Trainer Sandro Salvioni hatte andere Pläne - und konsternierte damit den Youngster. Evra diskutierte mit dem Trainer, doch der machte klar: entweder Linksverteidiger oder gar nicht spielen.

Der Verein stieg nach 14 Jahren wieder in die Ligue 1 auf und Evra wurde als bester Spieler der Ligue 2 ausgezeichnet.

Weiterhin sah er sich jedoch nicht als Außenverteidiger. Auch, als AS Monaco mit Trainer Didier Deschamps den Youngster verpflichtete, erwartete Evra, dass er in Zukunft wieder offensiv eingesetzt werden würde.

Aber das redete ihm Deschamps schnell aus und setzt ihn in einer Viererkette mit Mexikos Kapitän Rafael Marquez, Sebastien Squillaci und Franck Jurietti ein. Das Quartett war für 16 Zu-Null-Spiele verantwortlich, Monaco landete in der Endabrechnung in der Ligue 1 nur einen Punkt hinter Meister Lyon auf dem zweiten Platz. Im Ligapokal holten die Südfranzosen mit Evra allerdings den Titel.

Patrice Evra Monaco Porto 26052004

Die offensiven Ausflüge behielt Evra jedoch auch in seiner neuen Rolle bei. Ein 22-Jähriger, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Linie rauf- und runtermarschiert, fiel natürlich auch den europäischen Top-Klubs positiv auf.

Bei seiner Entwicklung zum Defensivspieler nennt Evra heute noch Deschamps als wichtigsten Förderer. Als Linksverteidiger war er mit dabei, als Monaco von September bis März die Tabellenführung innehatte, dann aber doch im Meisterschaftsrennen erneut Lyon den Vortritt lassen musste und schließlich auch hinter PSG auf dem dritten Platz landete.

Evra wurde zum Vize-Kapitän gewählt - und durfte mit seiner Mannschaft in der Champions League antreten. Und das wurde ein großer Spaß für alle Beteiligten.

Nach Siegen gegen PSV Eindhoven und AEK Athen kassierte Monaco eine 0:1-Niederlage gegen Deportivo La Coruna. Die Wiedergutmachung folgte jedoch im Rückspiel, als sich die Franzosen beim 8:3 in einen Rausch spielten. Dank der mehr erzielten Auswärtstore schaltete das Team im Viertelfinale Real Madrid aus und im Halbfinale mit einem Gesamtergebnis von 5:3 auch den FC Chelsea.

Patrice Evra Man Utd 2003

Im Endspiel in der Arena auf Schalke in Gelsenkirchen folgte jedoch die große Enttäuschung: Monaco kassierte gegen den von Jose Mourinho trainierten FC Porto eine Niederlage.

Gerüchteweise wurde der französische U21-Nationalspieler mit Juventus, Inter und Manchester United in Verbindung gebracht, doch er wollte gerne bei Monaco weitermachen, denn das Team hatte nicht nur die K.o.-Phase der Champions League erreicht, sondern auch die Halbfinals in beiden nationalen Pokalwettbewerben.

Als Monaco jedoch in der Liga schwach startete und nur auf dem 15. Tabellenplatz stand, konnte Evra den Verlockungen aus dem Ausland nicht mehr widerstehen: Er nahm im Januar das Angebot von Manchester United an.

Der Transfer wurde perfekt gemacht - und in Manchester spielte er sich endgültig in die Weltklasse hinein. Und dazu musste er nicht einmal 20 Tore pro Saison erzielen.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen