Suzuki legt Quali-Schwäche in Valencia ab: Rennen wird zur "Lotterie"

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 5 Min.

Eigentlich gilt das Qualifying als große Schwäche von Suzuki. Doch in Valencia machten sich Alex Rins und Joan Mir die schwierigen Mischbedingungen zunutze, um ihr bestes Teamergebnis in einem MotoGP-Qualifying 2020 einzufahren.

Rins schaffte nach Aragon 2 erneut den Sprung in Reihe eins. Diesmal verpasste er die Pole-Position sogar nur hauchdünn: Pol Espargaro (KTM) verwies ihn mit einem Vorsprung von 0,041 Sekunden auf Rang zwei. Mir rundete das starke Samstagsergebnis für Suzuki mit Startplatz fünf ab. Nur in Spielberg 2 stand er weiter vorn.

Besonders positiv für den WM-Leader: Seine Ausgangsposition im Rennen ist damit weitaus besser als die der unmittelbaren Verfolger. Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha) startet nur von Rang elf. Maverick Vinales (Yamaha) muss das Rennen wegen einer Motorenstrafe gar von der Boxengasse aus in Angriff nehmen.

Auf Sicherheit fahren? Nicht mit Joan Mir

"Die Gegner stehen etwas weiter hinten. Das ist für uns sicher positiv", bestätigt Mir. Deshalb auf Sicherheit zu fahren, hält er jedoch für die falsche Strategie.

"Wenn es der letzte Grand Prix wäre und nur noch diese beiden im Titelkampf übrig wären, ist da was dran. Aber wir haben noch drei Rennen vor uns und sechs Gegner im Titelkampf. Insofern ist das nichts, worüber man nachdenken sollte. Ich denke, es ist besser, sich auf sich selbst und die eigene Saison zu konzentrieren", so der Spanier.

Er betont: "Es kommt jetzt auf jedes Rennen an. Wir müssen unsere gute Form beibehalten, weiterhin aufs Podium fahren und versuchen zu gewinnen. Es kann sein, dass einige Herausforderer mit mir auf dem Podium stehen, aber nicht alle von ihnen."

WM-Leader erwartet schwierigen Rennsonntag

Auf seine größten Gegner in Valencia angesprochen, tut er sich schwer. "Ich weiß nicht, wer im Trockenen mein ärgster Konkurrent sein wird", gibt Mir zu. Keine Session war bisher komplett trocken, für morgen ist jedoch kein Regen vorhergesagt. Dann könnten die Karten also noch einmal völlig neu gemischt werden.

Mit seinem bisherigen Rennwochenende ist der Suzuki-Pilot trotz der widrigen Bedingungen zufrieden: "Der Tag verlief insgesamt recht gut. Ich konnte meine Rundenzeiten mit jeder Session im Nassen verbessern. Es war eine gute Lektion, denn Bedingungen waren durchaus unterschiedlich, von sehr nass über feucht bis hin zu halbtrocken."

"Auch das Qualifying war gut, wir starten aus der zweiten Reihe", resümiert er weiter. "Morgen wird allerdings ein schwieriger Tag werden. Im Warm-up wird es wichtig sein zu verstehen, welche Reifen die richtigen sind, welches Setting wir brauchen."

KTM mit Testdaten aus Valencia im Vorteil?

Hier könnte KTM aus seiner Sicht einen Vorteil haben, weil sie mit Dani Pedrosa jüngst einen privaten Test in Valencia absolvierten und so Daten sammeln konnten.

"Sie haben mehr Informationen und das wird ihnen, vor allem angesichts dieser Umstände, helfen. Denn niemand ist hier im komplett Trockenen gefahren. Insofern haben sie einen großen Vorteil", urteilt Mir. Und mit Pol Espargaro steht zudem ein KTM-Fahrer auf der Pole. An ihm müssen die Suzukis also erst einmal vorbei.

Trotzdem glaubt Mir, dass er auch morgen gut mithalten können wird: "Solche wechselnden Bedingungen sind eigentlich gut für mich, denn ich kann mich für gewöhnlich schnell anpassen. Freilich kommt es auch auf das Setting an. Manchmal funktioniert es sofort, auf anderen Strecken ist es schwieriger. Es wird auch eine Lotterie sein."

Auch Alex Rins wagt keine Sonntagsprognose

Dem stimmt Teamkollege Rins zu. Auch er betont mit Blick auf das Rennen: "Wir müssen das Warm-up abwarten und schauen, welche Reifen wir nutzen werden. Denn wir sind seit dem vergangenen Jahr hier nicht mehr im Trockenen gefahren."

Alex Rins wittert nach dem Erfolg in Aragon auch in Valencia die Podestchance

Alex Rins wittert nach dem Erfolg in Aragon auch in Valencia die Podestchance<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Alex Rins wittert nach dem Erfolg in Aragon auch in Valencia die PodestchanceMotorsport Images

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Seine Strategie ist klar: "Wir werden aus der ersten Reihe von Anfang an pushen und dann sehen, was möglich ist. Die Titelherausforderer starten alle von etwas weiter hinten, außer Mir, der in der zweiten Reihe steht. Wir müssen uns auf uns konzentrieren und alles geben. Mal sehen, wie sich der Reifenverschleiß darstellen wird."

Der Verschleiß war gerade bei Rins zuletzt aber kein Problem. Überhaupt ist die Suzuki für ihren schonenden Umgang mit den Reifen bekannt - selbst wenn sich die Fahrer im Falle eines schlechten Qualifyings erst durchs halbe Feld kämpfen mussten.

Keine Schulterprobleme mehr - volle Attacke

Das ist diesmal nicht der Fall. Rins verbuchte gar seine beste Startposition in dieser Saison. Entsprechend groß ist die Erleichterung: "Ich bin glücklich, hier aus der ersten Reihe zu starten, denn normalerweise leiden wir im Qualifying. Die Strecke war sehr rutschig, es gab nur eine schmale trockene Linie. Wir hatten Glück, nicht zu stürzen."

Angesprochen auf seine zu Saisonbeginn verletzte Schulter, verrät Rins, dass sie ein Grund für die jüngste Formsteigerung sei. "Ich fühle mich viel besser mit der Schulter. Ich habe keine Schmerzen und jetzt wieder die volle Kontrolle über das Bike", so der Spanier, der sich in der WM weiterhin Chancen auf den Titel ausrechnet.

Bei noch drei ausstehenden Rennen liegt er auf Rang sechs und hat 32 Punkte Rückstand auf Teamkollege Mir. Bei den letzten beiden Grands Prix kam er jeweils vor ihm ins Ziel.

Mentale Stärke der Schlüssel zum Titelgewinn?

"Ich habe natürlich am meisten zu verlieren, weil ich vorne liege. Das ist normal", sagt der WM-Leader. "Aber ich weiß, damit umzugehen. Es ist wichtig, nicht zu viel darüber nachzudenken. Ja, ich bin der Leader, aber in zwei Rennen kann das schon wieder ganz anders aussehen. Vielleicht bin ich dann gar nicht mehr unter den Top 5."

"Ich muss mich auf mich konzentrieren und die anderen ausblenden", nimmt sich Mir vor. "Im letzten Rennen werden wir dann sehen, wo wir stehen." An seiner mentalen Stärke, um mit dem Druck umzugehen, zweifelt der Suzuki-Pilot nicht.

"Ich denke, dass ich mental sehr stark bin. Es gibt viele Fahrer, die sehr schnell sind, aber nicht viele sind auch mental wirklich stark. (...) Immer wenn ich diese Stärke zeigen musste, ist mir das gelungen. Klar passieren auch mir Fehler. Aber normalerweise komme mich damit sehr gut klar", gibt sich der Spanier selbstbewusst.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.