Suzuki im Qualifying geschlagen: "Nicht das Ende der Welt" für Mir und Rins

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 5 Min.

Das hatte sich der WM-Leader eigentlich anders vorgestellt. Doch am Qualifying-Samstag der MotoGP in Valencia 2 war für Joan Mir am Ende nicht mehr als Startplatz zwölf drin. Dabei hatte er sich am Vormittag noch erfolgreich in die Top 10 vorgekämpft, um direkt in Q2 einzuziehen. Was lief also dann schief?

"Es war kein schlechter Tag, denn ich habe meine Pace und mein Potenzial verbessert. Damit bin ich zufrieden, aber was im Qualifying passiert ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht", kommentiert der Spanier seinen zwölften Platz. "Ich habe mich ein bisschen gefühlt wie gestern im zweiten Freien Training. Ich fand nicht das richtige Gefühl, um zu pushen, weshalb mir keine gute Rundenzeit gelungen ist."

Mir beendete das Qualifying mit einer Zeit von 1:30.988 Minuten als Letzter der Q2-Session. Sein Rückstand auf die Pole-Zeit, aufgestellt von Franco Morbidelli (Petronas-Yamaha), betrug knapp acht Zehntel. Der Suzuki-Pilot sucht nach Erklärungen.

Rins: Qualifying "eine kleine Katastrophe"

"Es ist seltsam. Mein Gefühl auf dem Motorrad war super gut, aber dann im Qualifying hat sich etwas geändert. Ich hatte nicht denselben Grip und viel mehr Spinning. Wir wissen, dass die Bedingungen anders waren, aber die anderen konnten trotzdem gute Rundenzeiten fahren. Das heißt, die Strecke war in gutem Zustand - aber nicht für uns."

Mit anderen Bedingungen spricht Mir den immer wieder einsetzenden leichten Regen an, der natürlich einen Einfluss auf die Gripverhältnisse hatte. Auch seinen Teamkollege Alex Rins warf das zurück. Er musste bereits in Q1 antreten.

"Das Qualifying war heute eine kleine Katastrophe", gibt Rins zu. "Uns hat auch ein wenig das Glück gefehlt. Im ersten Run habe ich das komplette Feld angeführt bei dem Versuch, eine schnelle Runde zu fahren. Aber das ist mir nicht gelungen. Mit dem zweiten Reifen habe ich dann alles gegeben, aber sah in Sektor drei und vier etwas stärkeren Regen. Die Regenflaggen wurden geschwenkt."

Suzuki wieder für eine Aufholjagd gut?

Deshalb habe er sich entschieden, nicht zu viel zu riskieren, und es folglich nicht in Q2 geschafft. Ihm fehlten am Ende mehr als sieben Zehntel auf die Bestzeit in Q1, aus dem Brad Binder (KTM) und Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha) als die beiden Zeitschnellsten hervorgingen und eine Runde weiterkamen.

Trotzdem bleiben Rins und auch Mir mit Blick auf das Rennen zuversichtlich. In Vergangenheit haben beide schließlich schon oft gezeigt, dass sie immer für eine Aufholjagd gut sind und vor allem in der zweiten Rennhälfte auftrumpfen.

"Das Wichtigste ist, dass wir eine gute Pace haben", sagt der WM-Leader. "Wir sind schon einige Male von dieser Position gestartet. Ich finde das nicht toll, aber es ist nicht das Ende der Welt." Zumal seine direkten Konkurrenten um den Titel - Rins und Quartararo - in der Startaufstellung ähnlich weit hinten stehen.

Mir schätzt besonders Morbidelli stark ein

Morbidelli hingegen, in der Gesamtwertung Fünfter mit 45 Punkten Rückstand, startet von der Pole. Um seine Titelchance zu wahren, müsste er 20 Zähler mehr holen als Mir, was eher unwahrscheinlich ist. Allerdings haben wir in dieser Saison schon verrücktere Dinge erlebt. Mir sieht in Morbidelli jedenfalls einen Favoriten auf den Sieg.

"Franco ist wirklich stark, auch bei der Rennpace. Er hat im FT3 und FT4 großes Potenzial gezeigt. Im Qualifying war er in der Lage, eine sehr gute Runde zu fahren. Ich bin vielleicht einer der wenigen Fahrer, die mit Franco kämpfen können. Aber ich starte von viel weiter hinten, was ein Problem ist. Es wird also schwer, um den Sieg zu kämpfen, aber ich werde es versuchen und meine 100 Prozent geben."

Sein Augenmerk liegt auf den ersten Runden: "Ich will so viele Plätze wie möglich aufholen. Und wenn ich dann in einer guten und komfortablen Position bin, werde ich anfangen, über die WM nachzudenken", erklärt Mir seine Strategie. "Mein Gefühl wird den Ausschlag darüber geben, ob ich in den Top 10 bleibe oder um das Podium kämpfe."

Druck des ersten Matchballs im Hinterkopf

Ganz ähnlich hört es sich bei Teamkollege Rins an: "Das Ziel wird sein, gut zu starten und in den ersten Runden Plätze gutzumachen. Wir wissen, dass wir das Potenzial haben. Diese Strecke ist nicht wie Aragon, sie ist enger, aber wir werden alles versuchen."

Alex Rins wird von Startplatz 14 einige Aufholarbeit leisten müssen

Alex Rins wird von Startplatz 14 einige Aufholarbeit leisten müssen<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Alex Rins wird von Startplatz 14 einige Aufholarbeit leisten müssenMotorsport Images

Motorsport Images

Tatsächlich gilt das Überholen in Valencia als eher schwierig. Trotzdem traut sich Rins einiges zu. "Warum nicht? Wir müssen die Starts der vergangenen Jahre analysieren und sehen, ob wir Erkenntnisse daraus ziehen können. Der Schlüssel wird sein, den idealen Reifen zu wählen. Wir schwanken zwischen der Medium- und der harten Mischung am Vorderrad. Also mal sehen, wofür wir uns entscheiden."

Neben der Reifenwahl dürfte Mir vor allem eine Sache durch den Kopf gehen: der mögliche Titelgewinn an diesem Sonntag. Die Gedanken da im Zaum zu halten sei "natürlich schwierig", gesteht der WM-Leader. "Es ist ein anderes Wochenende, das kann man spüren. Es gibt jede Menge medialen Druck."

"Aber ich versuche, ruhig zu bleiben", betont er weiter. "Wir alle, also alle, die um den Titel kämpfen, spüren den Druck. Wir wissen, dass es sich morgen oder am nächsten Wochenende entscheiden wird. Das bedeutet naturgemäß Druck. Aber das ist nicht schlecht. Ich will es nur so schnell wie möglich hinter mich bringen."

Weitere Co-Autoren: Germán Garcia Casanova. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.