Warum das "System Lewandowski" in Polen gescheitert ist

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Warum das "System Lewandowski" in Polen gescheitert ist
Warum das "System Lewandowski" in Polen gescheitert ist

Robert Lewandowski dirigierte seine Mitspieler, er ging voran, er kämpfte, er schrie seinen Frust in die Abendstunden von St. Petersburg - es half alles nichts.

Mit 1:2 unterlag der Weltfußballer mit Polen beim EM-Auftakt überraschend gegen die Slowakei. Ein herber Rückschlag, der in der schweren Gruppe mit Spanien und Schweden schon fast dramatisch ist. Und Lewandowski war das anzumerken. "Ich glaube, er war 90 Minuten mehr oder weniger frustriert", analysierte Michael Ballack bei MagentaTV.

"Die Enttäuschung ist sehr groß, da wir das Spiel eigentlich unter Kontrolle hatten", sagte Lewandowski nach der Partie in der ARD: "Wir haben in der zweiten Halbzeit das 1:1 geschossen und dachten alle, dass das so weitergeht. Es war dann ein komisches Spiel, wir haben es nicht geschafft. Es war zu wenig, wir haben nicht die besten Entscheidungen getroffen. Wir haben gekämpft, waren dann aber nicht gut genug um einen Punkt zu holen."

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Lewandowski und Polen enttäuschen bei großen Turnieren

In seinem Ton klang eine ganze Menge Frust, Enttäuschung und auch Verzweiflung mit. Alles Emotionen, die sich im letzten Jahrzehnt mit der Nationalmannschaft angesammelt haben. Das System Lewandowski - das beim FC Bayern so sagenhaft gut funktioniert - könnte bei einem schwachen Abschneiden bei der EM endgültig gescheitert sein.

Lewandowski ist das alleinige Zentrum der polnischen Nationalmannschaft, die tragende Säule, der unumstrittene Superstar. Er ist der beste Fußballer, den das Land je hervorgebracht hat - und das wird womöglich auch so bleiben. Fasst alleine wegen seiner Anwesenheit wurde in Polen in den letzten Jahren immer wieder von einer Goldenen Generation gesprochen.

Doch der Stürmer erlebte mit seinem Heimatland rund um große Turniere eine Enttäuschung nach der anderen. Bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 waren die Polen gar nicht erst dabei. Bei der WM 2018 war in der Gruppenhase ohne ein Lewandowski-Tor Schluss.

Bei den Europameisterschaften 2012 und 2016 erzielte Lewandowski jeweils einen Treffer. 2016 ging es in Frankreich immerhin bis ins Viertelfinale, in dem im Elfmeterschießen gegen den späteren Titelträger Portugal Endstation war. Nach einem überragenden Jahr inklusive Müller-Rekord und der Auszeichnung zum Weltfußballer hatte der 32-Jährige fünf Jahre später mit Sicherheit auf einen großen Wurf gehofft. Dieser erscheint schon nach dem Auftaktspiel kaum mehr möglich.

Der Einzelkämpfer Lewandowski

Klar, ausgeschieden sind die Polen noch lange nicht. Das große Problem liegt aber in dem Auftritt der Weiß-Roten.

Lewandowski soll als Fixpunkt in der Sturmspitze eigentlich den Unterschied machen. Mit seiner Torgefahr ist er eine Waffe, auf die in dieser Form keine andere Nation bei der EM zurückgreifen kann. Doch das Problem ist, dass es gar nicht dazu kommt, seine Stärken ausspielen zu können.

Er bekommt schlichtweg nicht die Zuspiele, die er bei den Bayern in den Fuß oder auf den Kopf serviert bekommt. Er kommt nicht in die gefährlichen Situationen, in die er mit einem der besten Teams der Welt regelmäßig kommt.

Kaum ein Mitspieler von Lewandowski hat bei den Polen internationales Format. Das macht Lewy zu einer Art Einzelkämpfer in einem Sport, bei dem das Team über Erfolg und Misserfolg entscheidet.

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Ballack: Polen als Mannschaft "einfach zu schwach"

Im ersten Durchgang kam Lewandowski gerade mal auf 21 Ballkontakte. Im kompletten Spiel brachte er fünf Torschüsse zu Stande, allerdings keinen mit echter Torgefahr. Als seinen Mitspielern in der Schlussphase in Unterzahl gar nichts mehr einfiel, ließ er sich im eigenen Spielaufbau bis ins Mittelfeld fallen, um sich Bälle zu holen. Dort hat ein Stürmer mit seinen Qualitäten eigentlich herzlich wenig verloren. Es zeigte seine Verzweiflung.

"Es war fast zu erwarten, dass er sich schwertun wird", sagte Ballack: "Weil die Mannschaft, und das bestätigen sie heute, insgesamt zu schwach ist. Da kommt zu wenig Unterstützung… Da muss einfach von der Mannschaft her mehr Mut und mehr Pressing Situationen kommen, um den Gegner auch mal vorne zu halten und das sehen wir überhaupt nicht."

Das Problem der Polen: Es gibt keinen Plan B. "Sie wissen, dass er ihr überragender Spieler ist. Sie können eigentlich nur mit ihm", glaubt auch Ballack.

Im zweiten Gruppenspiel bei Spanien in Sevilla brauchen die Polen nun bereits eine große Überraschung. Die Hoffnung dürfte sich bei den polnischen fans in Grenzen halten - und womöglich auch bei Lewandowski selbst.

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