Szafnauer fürchtet: F1 bei Herstellern wegen Corona keine Priorität mehr

Juliane Ziegengeist
motorsport.com

Die finanziellen Folgen der Corona-Krise für die Formel 1 machten sich bereits im ersten Quartal mit einem Rückgang der Einnahmen um 84 Prozent bemerkbar. Da die Teams über die Preisgelder unmittelbar an den Einnahmen beteiligt sind, trifft der Verlust auch sie hart. Die Sorge um die Zukunft einiger Teams ist groß.

Denn auch andere Geldquellen sprudeln angesichts der Corona-Krise längst nicht mehr so stark wie zuvor. Otmar Szafnauer, Teamchef von Racing Point, befürchtet daher, dass sich die Hersteller künftig auf das Geschäft mit Straßenfahrzeugen konzentrieren wollen, anstatt ihre Formel-1-Programme am Laufen zu halten.

"Die Sache mit den Herstellern, nicht so sehr in der Formel 1, sondern in ihrem regulären Geschäft der Entwicklung, Konstruktion und des Verkaufs von Straßenfahrzeugen ist die: Es ist ein sehr, sehr kostenintensives Geschäft", sagt Szafnauer in einem Interview mit 'Sky Sports F1'. Ihre Fixkosten seien enorm.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Verkauf von Autos wichtiger als der Rennsport

Umso härter treffe sie die Krise: "Wenn sie dich einem Punkt im Lebenszyklus deiner Autos erwischt, an dem du gerade Milliarden und Abermilliarden von Dollar investiert hast und nun hoffst, einen Teil durch Autoverkäufe zurückzuerhalten, was aber nicht geschieht, dann könnte dies meiner Meinung nach große Auswirkungen haben."

Jeder große Autohersteller müsse sich jetzt die Frage stellen, ob der Rennsport wirklich sein täglich Brot ist. "Nein, das ist er nicht, der Verkauf von Autos schon", so Szafnauer. "Also treffen entsprechende Entscheidungen." Der Racing-Point-Teamchef weiß, wovon er spricht, denn er hat genau das mit Honda schon mal durchlebt.

Er war deren Direktor für Strategie und Geschäftsplanung in der Formel 1, als sich die Marke am Ende der Saison 2008 - ausgelöst durch die Wirtschaftskrise - aus dem Sport zurückzog. Szafnauer erinnert sich, "dass Honda so lange gewartet hat, wie sie konnten, weil sie sich damals nicht aus dem Rennsport zurückziehen wollten".

Erinnerungen an Hondas Formel-1-Rückzug

"Aber leider sah es 2008 einfach so aus, als ob die Finanzkrise kein Ende nehmen würde, und es sah so aus, als würden sich ihre Autoverkäufe nie wieder erholen. Da beschlossen sie, sich zurückzuziehen." Als sich die Verkäufe schließlich doch wieder stabilisiert hatten, konnte der Hersteller wieder zurückkommen.

Szafnauer erwartet unter den aktuellen Umständen ein ähnliches Szenario: "Wir werden darüber hinwegkommen. Die Autoverkäufe werden sich erholen, es könnte einen Nachholbedarf geben, aber wir werden das überstehen." In der Zwischenzeit sei es vor allem wichtig, "dass wir so bald wie möglich mit den Rennen beginnen".

Mit Bildmaterial von LAT.

Lesen Sie auch