Türkei-Legende kritisiert Özil und Gündogan

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Hakan Sükür war einer der erfolgreichsten und populärsten Fußballer in der Türkei, nun gilt er dort als Staatsfeind und verdient sein Geld als Uber-Fahrer in den USA.

Dabei war der 48-Jährige noch vor nicht allzu langer Zeit Parlamentsabgeordneter für die AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Nachdem er sich jedoch zwei Jahre später vom Anhänger zum Kritiker Erdogans entwickelt hatte und aus der Partei austrat, ist er bei Erdogan unerwünschte Person.

Nach dem gescheiterten Putschversuch gegen Erdogan 2016 wurde sogar ein Haftbefehl gegen den schon vorher ausgewanderten Sükür erlassen. Ihm wird vorgeworfen, mit der verfemten religiösen und sozialen Bewegung von Fethullah Gülen zu sympathisieren und damit Mitglied einer Terrororganisation zu sein. Auch sein langjähriger Klub Galatasaray Istanbul schloss ihn aus.

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In einem von Welt am Sonntag und Bild veröffentlichten Interview hat der nun in Washington lebende Sükür über sein unfreiwilliges neues Leben gesprochen - und dabei auch Kritik an Mesut Özil und Ilkay Gündogan geübt, deren Foto mit Erdogan vor der WM 2018 für Wirbel gesorgt hatte.

Ungewöhnlicher Rat an Özil und Gündogan

"Das Foto finde ich nicht toll, die sollten das Land ehren, für das sie spielen", sagte Sükür, der unter auch für Inter Mailand aktiv war: "Ich würde Mesut und Ilkay empfehlen, auch in die AKP einzutreten. Dann werden sie erkennen, was diese Partei wirklich ist. Einfach nur hingehen und ein Foto schießen - dadurch erkennen sie nichts. Sie müssen versuchen, die Menschen in der Türkei zu sehen und zu verstehen, wie sie im Moment dort leben."

Er selbst habe durch seine Haltung alles verloren: "Erdogan nahm mir alles. Mein Recht auf Freiheit, das Recht, mich zu erklären, mich zu äußern, das Recht auf Arbeit. Ich habe in der Türkei Besitz im Wert von Dutzenden Millionen Dollar. Aber es wurde alles konfisziert. Sie haben sogar meinen Vater eingesperrt."

Sükür war 2011 für die AKP ins Parlament eingezogen, als Erdogan und seine Partei trotz ihrer islamisch-konservativen Ausrichtung noch als aufgeschlossener für eine Annäherung der Türkei an die EU galten. Ende 2013, dem Jahr der Gezi-Proteste gegen den zunehmend autoritär regierenden Erdogan, erklärte er seinen Austritt und begründete das mit den Repressalien gegen die Gülen-Bewegung, die Erdogans Aufstieg einst mitbefördert, dann aber mit ihm gebrochen hatte.


"Seit mehr als 20 Jahren kenne und liebe ich die Gülen-Bewegung", sagte Sükür damals: "Diese Menschen, die unsere Regierung bei jedem Thema standhaft unterstützt haben, nun als Feinde zu betrachten, ist im besten Falle einfach nur undankbar."

Sükür: Erdogan hat Exempel statuiert

Sükür äußert sich nun anders. "Ich bin kein Gülenist", erklärt er in dem Interview wiederholt: "Wenn man mir eine Straftat vorwirft, sollen sie das prüfen und herausfinden, was ich gemacht haben soll."

Erdogan wirft der (ebenfalls als stark konservativ geltenden) Gülen-Bewegung vor, für den missglückten Militär-Putsch von 2016 verantwortlich zu sein. Wie viel an diesem Vorwurf dran ist, ist auch international umstritten.


Sükür bezeichnet alle Vorwürfe gegen ihn als haltlos, an ihm sei ein öffentliches Exempel statuiert worden: "Viele haben angefangen, sich zu fürchten, weil sie gesehen haben, was sie mit mir gemacht haben."

Weil sein ganzes Vermögen in der Türkei konfisziert worden sei, lebe er nun in den USA von seiner Arbeit für den Personenbeförderungsdienst Uber und vom Verkauf von Büchern. Ein Café, dass er zwischenzeitlich betrieben hätte, sei mittlerweile geschlossen.

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