Taktik fehlgeschlagen? Darum wurden Dembele und Pulisic nicht von Beginn an gebracht

Michael Long
90Min

Borussia Dortmund ist gestern Abend nach dem 1:3 in Monaco aus der Königsklasse ausgeschieden. Spielerisch hatte man den Monegassen bei der Niederlage wenig entgegenzusetzen, zudem gab auch die Startaufstellung Rätsel auf, denn Thomas Tuchel hatte sich offensichtlich vercoacht.



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Es war schon ein wenig überraschend, den Namen Erik Durm auf dem Aufstellungsbogen zu sehen. Durm, der zuletzt mehrere Wochen wegen muskulärer Probleme gefehlt hatte, stand in der Startaufstellung und sollte die rechte Seite beackern. Zudem ließ Tuchel die Mannschaft mit einer Dreierkette verteidigen, um so bereits mehr Optionen in der Offensive zu haben.

Am Ende aber stand bereits nach 17 Minuten ein bitteres 0:2 aus Sicht der Gäste und die Messe schien gelesen. Tuchel korrigierte auch wenige Minuten später seinen Fehler und brachte Ousmane Dembele für Durm, der entgegen der Vermutung seines Trainers wohl doch noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Zwar hatte der Trainer damit bereits nach 30 Minuten seinen taktischen Fehler korrigiert, die Niederlage war damit aber nicht mehr abzuwenden.

Überspielt und müde



Warum er Dembele nicht von Beginn an brachte, erklärte er im anschließenden Interview im ZDF. „Dass Erik Durm der Leidtragende war, nehme ich auf mich. Ich habe ihm das zugetraut. Er hat nach der Verletzung gut trainiert und einen guten Eindruck gemacht.“ Zudem sei der junge Franzose inzwischen sowieso schon überspielt. Er leiste sich Abspielfehler und Unkonzentriertheiten, die man so von ihm nicht kenne, führte Tuchel weiter aus. 


Müdigkeitserscheinungen seien dies, weshalb Dembele eine Pause gegönnt werden sollte.

Bei genauerer Betrachtung kann man die Entscheidung auch nachvollziehen, denn mit seinen gerade mal 19 Jahren hat Dembele in seiner Premierensaison für den BVB bereits 42 Pflichtspiele absolviert, und die Saison ist noch nicht vorbei. Es braucht keine besonderen Anstrengungen, um einzusehen, dass die Maßnahme generell nicht verkehrt war.

Keine Kritik am System



Christian Pulisic wurde ebenfalls nicht in der Startelf aufgeboten, für ihn stand im 3-4-2-1 zunächst Raphael Guerreiro auf dem Feld. Weil er den Tick mehr Torgefährlichkeit habe, erklärte Tuchel später. Das beide schließlich doch noch eingewechselt wurden, muss man nicht zwingend als Eingeständnis des Coaching-Fehlers werten.

Das Problem ist, das man hinterher immer schlauer ist. Deshalb wollte der BVB-Coach danach auch nichts von Kritik am System wissen. “Es war keine Frage des Systems. Wir haben mit diesem System sehr gute Spiele auswärts und in der Champions League gemacht“, so Tuchel. Wenn es jedoch ein Problem gibt, dann ist das die Defensivschwäche der Schwarzgelben. Denn der Treffer zum 3:1 war bereits das 50. Pflichtspielgegentor in dieser Saison. Eine Bilanz, mit der man am Ende keine Titel gewinnen kann.

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