Tappt Hamilton in die Schumacher-Falle?

Tobias Wiltschek
Sport1

Es ist der 23. Dezember 2009, als sich der weltbeste Formel-1-Pilot dazu entschließt, noch einmal etwas Neues auszuprobieren.

Nach drei Jahren Pause reizte Michael Schumacher die Vorstellung, in einen neuen Rennwagen zu steigen, neue Ziele zu verfolgen, mit neuen Kollegen in einem völlig neuen Team.

Sieben WM-Titel, fünf davon mit Ferrari, waren Geschichte. Nun wollte er mit Mercedes noch einmal angreifen, die traditionsreichen Silberpfeile zu neuen Erfolgen führen.

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Hamilton überlegt: Mercedes oder Ferrari

Ferrari oder Mercedes? Diese Frage hat für die größten Champions nichts von ihrem Reiz verloren - auch zehn Jahre danach. Nun ist es Lewis Hamilton, sechsmaliger Weltmeister, der sich genau diese Frage stellt.


Der Brite kommt zwar nicht aus dem Ruhestand, ein Wechsel zum großen Rivalen dürfte dennoch ähnliche Schockwellen in der Formel 1 auslösen wie Schumachers damaliger Schritt zu Mercedes.

Den ersten Titel holte der 34-Jährige 2008, damals noch für McLaren-Mercedes. Die übrigen fünf gewann er mit den Silberpfeilen. Mit Mercedes hat er alles erreicht, sämtliche Gegner bezwungen, ob von anderen Teams oder aus dem eigenen Stall. Alonso, Vettel, Rosberg – die Liste ließe sich noch ein wenig fortsetzen.

Was treibt einen solchen Sportler noch an? Ist es tatsächlich die Chance, ausgerechnet den größten Rivalen der eigenen "Familie", wie Hamilton gerne von den Mercedes-Mitarbeitern spricht, aus der Krise auf den Olymp zu führen?

Die große Macht des Lewis Hamilton

Für den britischen Telegraph steht jedenfalls fest, dass sich das Aushängeschild der Sternenmarke diese Avancen durchaus leisten kann. "So groß ist die Macht des Lewis Hamilton, dass es ihm freisteht, nach seinen ganz eigenen Regeln zu handeln", kommentiert die Zeitung das Gesprächsthema dieser Tage in der Formel 1.


Hamilton sei auf einem Level angekommen, auf dem er jedes Recht habe, die letzten Kapitel seiner Geschichte ganz allein zu schreiben. Und wenn es eben Gespräche mit Ferrari-Boss John Elkann sind, bei denen es um eine mögliche Zusammenarbeit ab 2021 geht.

Die Macht des Lewis Hamilton ist mittlerweile sogar so groß geworden, dass er sich nicht einmal mehr Mühe geben muss, dieses Treffen zu dementieren. Er hat die entsprechende Meldung der Gazzetta dello Sport am Rande des GP von Abu Dhabi zwar auch nicht bestätigt, aber das musste er auch nicht mehr.

Die Nachricht war sowieso schon in der Welt, und der eigene Boss kommentierte sie gelassen. "Ich wünsche mir, dass unsere Beziehung weitergeht. Aber im Leben weißt du nie", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Er weiß schon lange, dass sich sein Schützling alle Optionen offen halten will, "nach den bestmöglichen Chancen für seine Karriere sucht", wie es der Österreicher bei Motorsport-Total.com ausdrückte.

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Bislang hat er die immer bei Mercedes gefunden. Dass sich daran etwas ändert, ist nicht absehbar. Zumindest nicht im kommenden Jahr, im letzten der aktuellen Hybrid-Ära, die von Mercedes von Beginn an dominiert wurde. Alles andere als die Einstellung des Titel-Rekords von Schumacher wäre eine große Überraschung.

Hamilton-Vertrag mit Mercedes läuft bis Ende 2020

Danach aber, ab 2021, wenn Hamiltons aktueller Vertrag bei Mercedes ausgelaufen sein wird, ändert sich sehr viel in der Formel 1.

Gerechter soll es zugehen, die Abstände zwischen den Teams sollen kleiner werden, die Piloten auf der Strecke wieder besser miteinander kämpfen können.

Hamilton hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich darauf freut, die neue Herausforderung annehmen will. Mit welchem Team er diese Aufgabe anpacken will, hat er noch nicht gesagt.

Binotto frohlockt bereits

Und da bringt sich Ferrari ins Spiel. "Zu wissen, dass er 2021 verfügbar ist, kann uns nur glücklich machen", frohlockte Teamchef Mattia Binotto und kündigte schon mal an, dass man sich über Hamilton im kommenden Jahr Gedanken machen werde.

Doch ob Ferrari tatsächlich die Qualität hat, dem Briten aus dem Stand ein Weltmeister-Auto in die Garage zu stellen, muss aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre bezweifelt werden.


Seit 2007 hat Ferrari keinen Fahrer-Titel mehr gewonnen, seit 2008 warten die Roten auf die Konstrukteurs-Trophäe. Fernando Alonso und - bislang - Sebastian Vettel haben vergeblich versucht, mit Ferrari Weltmeister zu werden.

Zu groß war der Rückstand auf die Branchenführer, erst auf Red Bull und danach auf Mercedes.

Schumacher als warnendes Beispiel?

Hamilton fühlt sich zwar noch längst nicht reif für die Rente. Doch 2021 wäre er schon 36 Jahre alt - selbst für einen so austrainierten Athleten wie ihn ein fortgeschrittenes Alter. Viel Zeit zu verlieren hat er nicht.

Doch sich in einem neuen Team zurechtzufinden, mit neuen Strukturen, neuen Kollegen, mit neuen Motoren, Chassis, Autos - das braucht Zeit. Insofern könnte ausgerechnet der Rekordweltmeister für Hamilton als warnendes Beispiel dienen.

Selbst Mercedes brauchte damals einige Jahre, um sich an die Formel 1 zu gewöhnen und Erfolge zu feiern. 2010 fuhr Schumacher erstmals ein Rennen für die Silberpfeile, ein GP-Sieg für sein neues Team, geschweige denn ein weiterer Titel sollten ihm nie vergönnt sein.

Weltmeister wurde die Marke mit dem Stern erst vier Jahre später - mit einem gewissen Lewis Hamilton.

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