"Technologisches Doping": Zoff um die neuen Fabelrekorde

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"Technologisches Doping": Zoff um die neuen Fabelrekorde
"Technologisches Doping": Zoff um die neuen Fabelrekorde

Ein Mitglied der medizinischen und wissenschaftlichen Kommission beim IOC hat die zum Teil sensationellen Leistungen der Kurzstreckenläufer bei den Olympischen Spielen in Tokio kritisch hinterfragt.

Yannis Pitsiladis zielte dabei vor allem auf die neuen, technologisch extrem ausgefeilten Schuhe einiger Spitzenathleten ab. (Olympia 2021: Alle Entscheidungen im SPORT1-Liveticker)

“Die Athleten haben sich qualifiziert, weil sie Zugang zu einem Superschuh hatten. Und viele, die nicht in diesen Schuhen liefen, haben sich nicht qualifiziert”, wird der Professor von der britischen Zeitung Daily Mail zitiert und nahm im Zusammenhang damit auch den Begriff “technologisches Doping” in den Mund. Er plädiert für die Abschaffung der neuen Spikes.

Warholm mit Wunder-Schuh zum Weltrekord

Doch was meint Pitsiladis genau? Einige wenige Leichtathleten tragen bei den Spielen in Tokio hochwertige Schuhe, die ihnen offenbar eine höhere Leistungsfähigkeit gewähren.

Verschiedene technologische Details von unterschiedlichen Herstellern sorgen dafür, dass die Geschwindigkeit, die mit den Schuhen gelaufen werden kann, um bis zu zehn Prozent höher ist als bei gewöhnlichen Spikes, die für alle Athleten zugänglich sind.

Das Modell von Puma, mit dem der Norweger Karsten Warholm über 400 Meter Hürden den Weltrekord pulverisierte, ist durch die Verwendung von Kohlenstoff-Fasern und Dornen aus Titanium nur 135 Gramm leicht.

McLaughlin will Schuh-Argument nicht hervorheben

Rai Benjamin aus den USA, der Zweitplatzierte des Laufes, der ebenfalls unter der alten Weltrekordzeit blieb, war mit einem Schuhmodell von Nike ausgestattet, das durch ein eingebautes Luftpolster unter dem vorderen Teil des Fußes für mehr Elastizität und Abdruckkraft sorgt.

Diese Treter bezeichnete ausgerechnet Warholm als “Trampolinschuhe”, welche “die Glaubwürdigkeit unseres Sports” beschädigten.

Sydney McLaughlin nutzte bei ihrem Weltrekord über 400 Meter Hürden ein ebenfalls hochmodernes Modell des US-Herstellers New Balance, das die Energierückgewinnung durch Titanium-Spikes fördern soll. Die US-Amerikanerin nannte die Schuhe jedoch nicht als entscheidendes Erfolgsrezept. “Es geht alles nur um Training, Vertrauen in den Trainer”, erklärte McLaughlin.

Bolt behauptet: Wäre noch schneller gewesen

Bereits vor geraumer Zeit hatte Sprint-Legende Usain Bolt im Guardian behauptet, mit der neuen Generation von Laufschuhen wäre er wesentlich schneller unterwegs gewesen. “Unter 9,5 Sekunden ganz sicher - ohne jeden Zweifel!”, wären für den Jamaikaner über 100 m drin gewesen. Sein Weltrekord liegt bei 9,58 Sekunden.

Geht die Entwicklung in Sachen Schuhwerk so weiter, muss Bolt wohl bald um seine für unerreichbar gehaltenen Rekorde bangen - es sei denn, das IOC greift in Kooperation mit dem internationalen Leichtathletik-Verband ein und verbietet gewisse Schuhe oder verschärft die Regeln hinsichtlich der Beschaffenheit des Sportmaterials.

Das Thema dürfte die Laufwelt weiter beschäftigen.

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