Thailand: Hirsch stirbt mit sieben Kilo Müll im Magen

Johannes GieslerFreier Autor
In Thailand, wie hier im Reservat in Phu Khieo, leben viele Hirsche (Bild: Getty Images/Arun Roisri)
In Thailand, wie hier im Reservat in Phu Khieo, leben viele Hirsche (Bild: Getty Images/Arun Roisri)

Während einer Patrouille fanden Mitarbeiter eines thailänischen Nationalparks einen toten Hirsch. Bei einer Obduktion fanden sie den Grund: Das Tier hatte achtlos in die Natur geworfenen Müll mit Nahrung verwechselt.

Am Montag haben Mitarbeiter des Khun Sathan Nationalparks in der thailändischen Provinz Nan einen Hirsch tot aufgefunden. So vermeldete es laut „CNN“ das zuständige Amt für Nationalparks, Tierwelt und Pflanzenschutz („Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation“). Im Magen des zehnjährigen Tieres, das keine sichtbaren Verletzungen hatte, wurden sieben Kilogramm Müll gefunden. Darunter Plastiktüten, Instant-Nudel-Verpackungen und Kaffeetüten. Sogar Unterwäsche und Handtücher fanden sich in dem unverdauten Gemenge.

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Das süd-ost-asiatische Land ist einer der größten Plastik-Konsumenten der Welt. Laut dem „Guardian“ verbrauchen Thailänder und Thailänderinnen bis zu 3.000 Plastikverpackungen pro Jahr. Etwa für Mahlzeiten von Straßenhändlern und -händlerinnen, aber auch Coffee-to-go-Becher und Einkaufstüten treiben die Zahl in die Höhe.

Den einmaligen Gebrauch von Plastik reduzieren

Der Hirsch war den Park-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern zufolge rund zwei Tage früher gestorben, bevor er gefunden wurde. Eine Autopsie fand laut den veröffentlichten Bildern noch am Fundort statt. Dabei wurde der ganze Müll aus der Tierleiche entfernt und gewogen. Der Müll und das Alter waren wohl auch die Todesursache. Kriangsak Thanompun, Direktor des Nationalparks, sagte der Nachrichtenagentur „AFP“, dass der ganze Müll „einer der Gründe für den Tod“ sei. Er fügte hinzu: „Das zeigt, dass wir die Situation ernst nehmen und den einmaligen Gebrauch von Plastik reduzieren müssen.“ Eine Lösung wäre seiner Meinung nach der Gebrauch von „umweltfreundlicheren Materialien“.

Immer wieder sterben Tiere aufgrund von Müll

Regelmäßig geraten Tiere in Thailand in die Schlagzeilen, die in freier Wildbahn zu viel Müll fressen und deswegen sterben. Im August erst verendete ein junger Dugong-Waise mit Namen Marium an einer Infektion, die durch Plastikmüll im Verdauungstrakt hervorgerufen worden war. Laut „Guardian“ war das Tier ein bekanntes und beliebtes Internet-Phänomen im ganzen Land, nachdem es im April von Tierschützern gerettet und aufgezogen worden war.

Ungefähr sieben Kilo zeit die Waage an. Soviel Müll hatte ein Hirsch in Thailand in seinem Magen. (Bild: Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation)
Ungefähr sieben Kilo zeit die Waage an. Soviel Müll hatte ein Hirsch in Thailand in seinem Magen. (Bild: Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation)

Letztes Jahr im Juni wurde ein Kurzflossen-Grindwal in Südthailand angeschwemmt und starb daraufhin – ebenfalls den Magen voller Plastikmüll. Knapp zehn Kilogramm waren es.

Mehr als jedes zweite Plastikteil, das in den Weltmeeren herumschwimmt, stammt aus China, Indonesien, Thailand, Vietnam und von den Philippinen. Vermieden diese fünf Länder 65 Prozent ihres Plastikmülls, würde das die weltweite Verschmutzung um knapp die Hälfte reduzieren. Zu diesem Ergebnis kam laut „CNN“ eine Studie der britischen Regierung aus dem vergangenen Jahr.

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