Nach Tod von Paulo Goncalves: 8. Dakar-Etappe für Motorräder abgesagt

Gerald Dirnbeck

Nach dem tödlichen Unfall von Paulo Goncalves im Laufe der siebten Etappe der Rallye Dakar wird die achte Etappe am Montag abgesagt. Das betrifft aber nur die beiden Kategorien Motorräder und Quads. Die restlichen Klassen werden wie geplant die Schleife rund um Wadi Al-Dawasir in Saudi-Arabien in Angriff nehmen.

Goncalves ist der erste Motorradprofi seit Fabrizio Meoni, der im Laufe der Rallye Dakar tödlich verunglückt ist. Meoni, der 2001 und 2002 in Afrika gewonnen hat, verlor im Jahr 2005 im Laufe der elften Etappe sein Leben. Der letzte Amateur, der in Südamerika ums Leben gekommen ist, war 2015 Michal Hernik. Der Pole war an Dehydrierung verstorben.

Nun steht die Dakar-Gemeinde nach dem Unfall von Goncalves unter Schock. "Das sind schwierige Zeiten", sagt Rallye-Direktor David Castera. "Wir sind hier, um etwas anderes zu erleben: Träume, Freude und glückliche Menschen. Und nun erleben wir die schlimmsten Momente." Castera fuhr selbst die Dakar mit dem Motorrad sowie als Co-Pilot mit dem Auto.

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"Wir wissen alle, das Motorräder gefährlich sind. Ich bin selbst fünfmal mit dem Motorrad gefahren. Manchmal hat man am Morgen ein mulmiges Gefühl im Bauch, weil es keinen Schutz gibt, nichts. Jeder weiß das", sagt Castera. "Paulo war ein Profi, der das Risiko gekannt hat. Dieser Sport ist gefährlich, das wissen wir alle."

Gemeinsam mit den Motorradfahrern und Quadfahrern wurde deshalb die Entscheidung getroffen, die achte Etappe für diese beiden Kategorien abzusagen. Damit haben die Fahrer und Teams Zeit, die Situation zu verarbeiten und sich von ihrem gefallenen Kollegen zu verabschieden. Goncalves war im Biwak sehr geschätzt und galt wegen seiner offenen Art als Aushängeschild für den Rallye-Raid-Sport.

Marc Coma ist viele Jahre gegen Goncalves bei den Motorrädern angetreten. Der fünfmalige Gesamtsieger hat den schwierigen Tag im Toyota als Beifahrer von Fernando Alonso erlebt. "Ich habe gesehen, wie dort zwei Helikopter und viele Fahrer gestanden sind", berichtet Coma. "Aus Erfahrung wusste ich, dass etwas Ernsthaftes passiert war."

Nach seiner aktiven Motorradkarriere war Coma Rallye-Direktor und hatte die Funktion, die jetzt Castera ausübt. "Es ist traurig. Der Preis ist zu hoch, den jemand für seine Leidenschaft für diesen Sport bezahlen muss", sagt Coma. "Es ist ein schwieriger Moment. Wir sind viele Jahre gegeneinander angetreten. Es gab nie Unsportlichkeiten, es war immer kameradschaftlich. Er war ein Gentleman."

Laut derzeitigem Plan wird die Rallye für die Motorräder und Quads am Dienstag fortgesetzt. Auf dem Programm stehen dann rund 900 Kilometer, davon 474 gezeitete, auf dem Weg von Al-Dawasir nach Haradh.

Mit Bildmaterial von HRC.

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