Todesdrohung gegen Sanitäter: Die Mafia mag kein Blaulicht

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 2 Min.

In Neapel hat noch immer die Mafia das Sagen. Dabei schreckt sie selbst vor Todesdrohungen gegen Rettungssanitäter nicht zurück.

Müssen aufpassen, in welchen Vierteln sie die Sirenen einschalten: Rettungswagen in Neapel. (Bild: Paolo Manzo/NurPhoto via Getty Images)
Müssen aufpassen, in welchen Vierteln sie die Sirenen einschalten: Rettungswagen in Neapel. (Bild: Paolo Manzo/NurPhoto via Getty Images)

Auch wenn die Zustände in den Achtzigern und Neunzigern schlimmer waren, bleibt es doch dabei, dass in Neapel wenig ohne Zustimmung der Mafia läuft. Zwar sind Gewalt und Schießereien nicht mehr an der Tagesordnung, doch wer es sich mit den heimlichen Herrschern der süditalienischen Hafenstadt verscherzt, der muss Konsequenzen fürchten. Das bekommen oft sogar Sanitäter im Einsatz zu spüren.

“Mach das aus oder wir erschiessen dich!”

Bei einer Rettungsfahrt im berühmt-berüchtigten Quartieri Spagnoli waren die Sanitäter am vergangenen Samstag zu einem medizinischen Notfall gerufen worden. Um sich ihren Weg durch die engen Gassen des “spanischen Viertels” zu bahnen, nutzten sie wie üblich ihre Sirene. Doch kaum war das Blaulicht eingeschaltet, flankierten plötzlich zwei Männer auf einem Motorrad das Einsatzfahrzeug. Wie italienische Medien berichteten, schrie einer der Männer die Sanitäter mit den Worten an: “Weisst du nicht, dass du hier nicht mit Sirene und Blaulicht fahren darfst?” Er bekräftigte die Drohkulisse mit deutlichen Worten: “Mach das aus oder wir erschiessen dich!”

Lesen Sie auch: Kehrtwende: USA stellen Unterstützung für Kampfhandlungen im Jemen ein

Hintergrund der Drohung ist, dass in dem Viertel, das schon lange von der Mafia kontrolliert wird, weiter offen auf der Straße gedealt werden soll. Die Mafiosi empfinden den Einsatz von Blaulicht offensichtlich als schlecht fürs Geschäft. Die Rettungsfahrt am Samstag konnte nur unter Polizeischutz beendet werden.

Drohungen sind Alltag

Wie Manuel Ruggiero, Sanitäter und Sprecher der Gruppe “Nessuno Tocchi Ippocrate” (Niemand berührt Hippokrates), gegenüber der Times erklärte, ist diese Art von Attacke mittlerweile Alltag. “In vielen Gegenden schalten unsere Sanitäter absichtlich die Sirenen erst dann wieder ein, wenn sie das Viertel verlassen.” Dazu gehören zum Beispiel auch die Viertel Sanità und Traiano.

Manchmal nutzten die Clans die Sanitäter im Einsatz auch einfach für private Zwecke, berichtet Ruggiero. 2015 zwangen Verwandte eines Mafia-Bosses einen Rettungswagen zum Anhalten, zerrten den Patienten aus dem Wagen und verluden ihr eigenes angeschossenes Familien-Mitglied für den Transport in ein Krankenhaus. Den eigentlichen Patienten ließen sie noch auf der Liege fixiert einfach auf der Straße zurück.

Im Video: Brände in Australien: Löschflugzeuge im Einsatz