Top-Clubs unter sich: Wie die "Super League" den Fußball verändert

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Es war die Meldung, die den europäischen Fußball erschütterte und seitdem die Gemüter erhitzt. Zwölf Spitzenklubs planen ihre eigene "Super League". Was bedeutet das für den Fußball?

Die Mannschaft von Leeds United hatte vor dem Spiel gegen Liverpool eine klare Botschaft an die "Super League"-Gründer: "Fußball gehört den Fans" war auf ihren Rücken zu lesen. Vorne stand: "Earn it" - Verdien es Dir. (Bild: REUTERS/Clive Brunskill)
Die Mannschaft von Leeds United hatte vor dem Spiel gegen Liverpool eine klare Botschaft an die "Super League"-Gründer: "Fußball gehört den Fans" war auf ihren Rücken zu lesen. Vorne stand: "Earn it" - Verdien es Dir. (Bild: REUTERS/Clive Brunskill)

Es sind die Top-Adressen des europäischen Fußballs, die sich in aller Stille zu dem Mega-Projekt zusammengeschlossen haben, das den Fußball nachhaltig verändern könnte. Angeleitet von Real Madrids Präsident Florentino Perez und Andrea Agnelli, dem Vorstandsvorsitzenden von Juventus Turin, wollen die Clubs ihr eigenes Süppchen kochen und den europäischen Fußball zu einer gemeinsamen Weltmarke aufbauen. Damit erhofft man sich vor allem, endlich auch den asiatischen und den US-amerikanischen Markt zu erobern, was auch erklärt, warum das Statement zur "Super League" mitten in der Nacht veröffentlicht wurde. Beste Medienzeit auf anderen Kontinenten, eher ungünstig in Europa. 

"Das ist reine Geldgier"

Der Widerstand regt sich längst heftig und lautstark. Von Fan-Seiten wird vom endgültigen Niedergang des Sports durch Überkommerzialisierung gesprochen. Doch auch prominente Spieler und Trainer sind nicht begeistert von den "Super League"-Plänen der Big 12. Jürgen Klopp stellte sich gegen die "Super League", obwohl der FC Liverpool zu den zwölf Gründern gehört. Sein Kapitän James Milner sagte nach dem Unentschieden gegen Leeds, er hoffe, dass es nicht zu der Ligagründung komme. "Ich mag es nicht", sagte Milner klar. Auch Weltmeister Mesut Özil hält wenig von den Plänen, wie er auf Twitter schrieb: "Kinder wachsen damit auf und träumen davon, die WM oder die Champions League zu gewinnen - nicht irgendeine Super League." Besonders wütend reagierte der ehemalige englische Nationalspieler Gary Neville. Er fand deutliche Worte: "Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans. Das ist eine Schande. Das ist reine Geldgier. Das sind Hochstapler. Wie kann man überhaupt denken, dass jemand in der Super League zum Zuschauen kommt?" Die Premier League wäre mit sechs teilnehmenden Teams besonders betroffen. Neville fordert: "Lasst sie gehen, aber dann müssen sie hart betraft werden. Hohe Geldstrafen, Punktabzug, nehmt ihnen die Titel."

Auch Fans des FC Liverpool äußerten ihre Meinung zu der neuen Liga deutlich, obwohl ihr Verein eines der Gründungsmitglieder ist. (Bild: Clive Brunskill/Getty Images)
Auch Fans des FC Liverpool äußerten ihre Meinung zu der neuen Liga deutlich, obwohl ihr Verein eines der Gründungsmitglieder ist. (Bild: Clive Brunskill/Getty Images)

Die Vorstände der größten deutschen Vereine zeigen sich noch sehr ablehnend, obwohl sie angeblich auch eingeladen waren, an der neuen Liga teilzunehmen. Sowohl Hans-Joachim Watzke als auch Karl-Heinz Rummenigge unterstrichen ihr Bekenntnis zur Champions League. Watzke sagte am Montag: "Der FC Bayern München und Borussia Dortmund haben in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten." Deshalb ist - bisher - kein deutscher Club in der zukünftigen "Super League" vertreten.

Finanzinteressen statt Fans

Doch was passiert wirklich, sollten ManU, Real, Barca, AC Milan, Inter, Chelsea, Arsenal und Co. zukünftig in einer eigenen Liga spielen? Oder ist das alles etwa nur Taktik, um bei der angekündigten Reform der Champions League besser verhandeln zu können und noch mehr für die großen Clubs herauszuholen? Fest steht, hinter der "Super League" steckt richtig Geld. Die US-Bank JP Morgan hat mehrere Milliarden an Investitionen versprochen. Das finanzielle Motiv dürfte für viele der hochverschuldeten Top-Clubs entscheidend sein. In einer Finanzeinschätzung gibt etwa Juventus Turin an, dass die neue Liga insgesamt etwa zehn Milliarden Euro ausschütten könnte.

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Als schalen Kompromiss boten die "Super League"-Gründer an, ihre Partien unter der Woche auszutragen. So könnten die Teams dann auch weiterhin am regulären Spielbetrieb der Ligen teilnehmen. Das allerdings will die Uefa nicht und droht mit drakonischen Strafen. Vereine würden von den nationalen Ligen ausgeschlossen werden, Spieler der Teams dürften nicht mehr an europäischen Wettbewerben wie der EM teilnehmen. Die Uefa bangt natürlich um ihr größtes Zugpferd, die ohnehin schon schwer aufgebauschte Champions League, die ohne diese Mannschaften extrem an Attraktivität verlieren würde. Aus Marketing-Sicht zumindest, denn wie sich die Fans gegenüber der neuen Liga verhalten würden, ist längst nicht ausgemacht. Die Fans aber scheinen in der "Super League"-Planung eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. 

Super-Gau oder Chance für den Traditionsfußball?

Denn hier geht es ganz klar um die Positionierung der Spitzenvereine am Finanzmarkt. Längst sind die meisten Clubs börsenorientierte Unternehmen. Die "Super League" soll den elitären Zirkel nun endgültig und vollkommen zu profitorientierten Aktiengesellschaften machen. Allein der Börsenkurs von Juve stieg seit der Ankündigung um sieben Prozent. Und damit droht auch die Abkehr vom europäischen Sportsystem, das immer noch auf gewachsenen Strukturen, Jugendarbeit und durchlässigen Ligen beruht. Stattdessen könnte, wie in der Premier League mit zahlreichen ausländischen Besitzern schon begonnen, endgültig ein Franchise-System wie in den US-Profiligen entstehen. Vereine werden dann von einer Stadt in die andere verkauft und umgesiedelt, Besitzer wechseln häufig und erhoffen sich Profit von ihrem Engagement.

Für die meisten Fußballfans ist die "Super League" der Super-Gau. Eine Horror-Version des durchkommerzialisierten Profisports ohne Rücksicht auf Fans und Traditionen. Nur einige wenige sehen darin vielleicht auch eine Chance zur Selbstreinigung und eine Rückkehr zu echtem Wettbewerb auf nationalem und europäischem Niveau, bei dem nicht nur die ewig gleichen Teams die Titel untereinander ausmachen.

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