Totales Ergebnis-Chaos nach Schumacher-Kollision in der Formel 2

Heiko Stritzke
motorsport.com

Das Rennergebnis der Formel 2 dürfte noch etwas auf sich warten lassen: Nachdem Mick Schumacher im Hauptrennen der Nachwuchsserie der Formel 1 Tatiana Calderon in der Rascasse umgedreht hatte, beging die Rennleitung in der anschließenden Rotphase einen fatalen Fehler. Es war das erste chaotischere Rennen ohne Charlie Whiting.

Update 16:35 Uhr: Das Ergebnis des Rennens wurde nicht mehr verändert und ist damit offiziell. Es bleibt bei der verlorenen Runde für alle Fahrer ab Platz sieben.

Formel-2-Resultat aus Monaco

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Als die Strecke gesperrt war, hatten die ersten acht Fahrzeuge die Unfallstelle bereits passiert und sortierten sich mit knapp einer Runde Vorsprung am Ende des Staus ein. Doch die Rennleitung entschloss sich, diese Fahrzeuge in der Boxengasse einfach vor allen wieder einzusortieren, statt alle anderen eine Runde fahren zu lassen, wie es das FIA-Regelwerk eigentlich vorsieht.

Rechnung ohne automatische Zeitnahme gemacht

Das mag praktisch gewesen sein, jedoch wurde die Rechnung wohl ohne den Transponder gemacht: In der automatischen Zeitnahme hatten nun jene acht Fahrzeuge eine Runde Vorsprung auf alle anderen. Normalerweise dürften sich hinter einem Safety-Car jene Fahrzeuge zurückrunden, aber das geschah nicht. Scheinbar hatte niemand den Fehler bemerkt.

Als der Fehler auffiel, war das Rennen bereits neu gestartet und er ließ sich nicht mehr beheben. Zwei der acht bevorteilten Fahrzeuge schieden noch aus oder fielen weit zurück, so blieben sechs Privilegierte übrig.

Nun herrscht absolute Konfusion, auch über das Reverse Grid für das Sprintrennen. Nicht einmal ein FIA-Sprecher konnte auf Anfrage von 'Motorsport.com' sagen, wie man mit dem Ergebnis verfährt. Auch auf den Social-Media-Kanälen der Formel 2 wird das Problem derzeit totgeschwiegen. Es gab lediglich eine Message im Rennen, dass die Abläufe während des Abbruchs nach dem Rennen untersucht werden.

Informationen von 'Motorsport.com' zufolge wurden die Fahrer, die im Timing einen Rundenrückstand aufwiesen, nicht darüber informiert und kämpften daher mit den anderen Piloten wie gewohnt um ihre Position, selbst wenn sie laut Timing eine Runde Rückstand hatten.

Richtig gepokert, komplett bestraft

Hart ins Gericht mit der Handhabung dieser Sache geht Formel-1-Experte Anthony Davidson: "Warum sind die alle überrundet? Ich verstehe das nicht. Sie bestrafen alle, die gut gepokert haben, mit einer Runde. Das ist für mich ein Rätsel."

Am Sieg von Nyck de Vries gibt es nichts zu rütteln

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Am Sieg von Nyck de Vries gibt es nichts zu rütteln LAT

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Er vergleicht den Abbruch mit einer Safety-Car-Phase, bei der die Boxengasse geschlossen wird: "Wenn ein Safety-Car auf die Strecke kommt, dann ist das eben das Risiko, das du eingehst. Du pokerst mit dem frühen Boxenstopp, in der Hoffnung auf ein Safety-Car. Damit es das Feld wieder zusammenholt und den Nachteil deines Boxenstopps auslöscht. Das ist in Monaco halt so."

Er verstehe, dass Mick Schumacher eine Runde abgezogen werde, weil er den Unfall ausgelöst hat (zu diesem Zeitpunkt waren die Strafen gegen den Prema-Piloten noch nicht ausgesprochen). "Aber ich verstehe beim besten Willen nicht, warum auch die anderen Autos, die sich an die Regeln gehalten haben, plötzlich eine Runde hinten sein sollen."

Auch von den Fahrern kommt Kritik. "Wir wussten bis zum 5-Minuten-Signal nicht einmal, ob wir überhaupt neu starten würden", sagt Luca Ghiotto, der im Rennen Zweiter wurde. "Das war eine ziemlich seltsame Situation für alle von uns."

Fehlt Charlie Whiting?

Nach dem Tod von Charlie Whiting im Vorfeld des Großen Preises von Australien hatte auch die Formel 2 ihren Stamm-Rennleiter verloren. Wie in der Formel 1 auch wurde die Rolle von Michael Masi übernommen. Die Rennleitung machte keine gute Figur, darin sind sich alle Teamchefs einig. Der Abbruch wurde nicht nach dem normalen Prozedere gehandhabt.

Wir wussten bis zum 5-Minuten-Signal nicht einmal, ob wir überhaupt neu starten würden

Das Resultat ließe sich reparieren, indem man den ersten sechs Fahrern an der Spitze eine Runde abziehen würde. Allerdings ist derzeit unklar, auf Basis welcher Regel man diesen Schritt anwenden sollte. Das würde Guanyu Zhou (Virtuosi) hart treffen, der aktuell im Resultat Sechster ist, aber bis auf Platz 14 zurückfallen würde.

Profitieren würde Artjom Markelow, der bei MP Motorsport Jordan King ersetzt, der an diesem Wochenende das Indy 500 fährt. Er würde Rang fünf von Dorian Boccolacci (Campos) erben, der in der Schlussphase von Juan Manuel Correa abgeschossen wurde (der anschließend selber crashte). Die Pole-Position für das Sprintrennen (Samstag, 17:25 Uhr) würde Arden-Pilot Anthoine Hubert erben.

Mit Bildmaterial von LAT.

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