Toto Wolff deutet an: 2021 weiterhin Teamchef bei Mercedes

Christian Nimmervoll
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Toto Wolff hat angedeutet, dass er aller Voraussicht nach auch 2021 Teamchef von Mercedes in der Formel 1 bleiben wird: "Ich glaube, ein Jährchen oder so bleibe ich schon noch", so der 48-Jährige vor dem Rennen in Imola in einem Interview mit dem 'ORF'. Auf die explizite Nachfrage, ob das bedeutet, dass er 2021 noch Teamchef sein wird, entgegnet er: "Ja, genau."

Er habe an seiner Rolle nach wie vor Spaß, unterstreicht Wolff: "Ich glaube, die nächsten zwei Jahre sind wirklich gute Jahre, mit einer interessanten Situation. Solange es mir Spaß macht, mach ich's." Aber: "Es kann natürlich auch so kommen, wie es Niki gemacht hat in Montreal, vor 40 Jahren: Du wachst eines Tages auf und denkst dir, jetzt ist mir zu fad."

Am großen Masterplan, die operative Teamchef-Rolle früher oder später abzugeben, habe sich nichts geändert. Er müsse "langsam jemanden herantrainieren", weiß Wolff, und er müsse sich überlegen, "wer das sein könnte. Dann vielleicht ein Jahr parallel fahren. Dann schaue ich mir die Rennen vom Fernseher an zu Hause."

Wer sein Nachfolger werden könnte, darüber ist in der Öffentlichkeit noch kein konkreter Name gefallen. Viele gehen davon aus, dass der derzeitige Technische Direktor James Allison für eine solche Beförderung in Frage kommen könnte. Allison hat Wolff schon in Brasilien 2019 und bei einigen Meetings Anfang 2020 als Teamchef vertreten.

Mögliche Nachfolger: Noch keine Namen bekannt

Er habe schon jemanden dafür im Kopf, "aber das kann ich euch nicht sagen", so Wolff in einem anderen Interview mit 'Sky'. Auch im Hinblick auf den Zeithorizont eines möglichen Wechsels bleibt er vorerst vage: "Ich kann euch nicht sagen, ob das ein Jahr dauern wird, zwei oder drei."

In der FIA-PK in Imola war er davor bereits konkreter geworden: "Ich werde beim Team bleiben. Darauf haben wir uns mit Daimler geeinigt. Aber vielleicht in einer anderen Funktion. Ob das als CEO sein wird oder als Vorsitzender, das haben wir noch nicht ausgemacht. Aber Daimler lässt mir da ziemlich freie Wahl."

Auf Nachfrage von 'motorsport.com', ob er in Zukunft definitiv CEO oder Vorsitzender wird oder ob auch noch andere Konstellationen denkbar sind, wenn die Zeit für den Schritt reif ist, antwortet Wolff: "So wie du sagst. Wenn der Zeitpunkt dann da ist, müssen wir unter uns Gesellschaftern überlegen, wie diese Organisation bestmöglich aufgestellt ist."

"Dieser Zeitpunkt ist noch nicht da, weil ich eben noch nicht identifiziert habe, an wen ich den Stab am besten übergeben kann. Gleichzeitig bin ich natürlich als Miteigentümer dieses Teams interessiert, den bestmöglichen Mann oder die bestmögliche Frau zu finden. Aber das wird nicht einfach was sein, was von heute auf morgen passiert. Meine Rolle wird dann erst zu definieren sein."

Er müsse auch für sich noch überlegen, wie viele Rennen er weiterhin vor Ort machen möchte, "oder ob ich lieber vom Sofa aus dumme Ratschläge gebe", grinst Wolff. Einen Satz wiederholt er dabei seit Wochen gebetsmühlenartig: "Ich war immer der Meinung, dass man nie von sehr gut auf gut gehen sollte. Dann sollte lieber jemand anderer den Stab übernehmen."

"Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch einen Beitrag leisten kann", versichert er. Und besonders seit Beginn der Pandemie und der damit verbundenen Zwangspause genieße er auch die Rennen wieder mehr als vorher. "Jetzt muss ich mir überlegen, wie ich das Team für die Zukunft strukturieren möchte."

Verhandlungen mit Ineos: Noch kein Ergebnis

Inzwischen arbeitet Wolff unverändert an der Zukunft von Mercedes in der Formel 1. In den nächsten Wochen sind entscheidende Weichen zu stellen. Zum Beispiel läuft der Vertrag mit Lewis Hamilton aus. Und auch von den Verhandlungen mit dem möglichen Investor Ineos ist noch kein konkretes Ergebnis bekannt.

Am vergangenen Wochenende könnte, zumindest was Ineos betrifft, mehr Klarheit geschaffen worden sein. Wolff schaute sich das Fußballspiel OGC Nizza gegen AS Monaco an. "Hier ist unser Partner Ineos, der Sponsor und Besitzer des Fußballklubs in Nizza ist. Da kann man sich das Derby nicht entgehen lassen", so der Österreicher in einem Interview mit dem 'ORF'.

Gut möglich, dass solange nichts bekannt gegeben wird, bis Hamilton endgültig als siebenfacher Weltmeister feststeht. Dann könnte ein Steinchen nach dem anderen fallen: Hamiltons Vertrag, die mögliche Ausweitung der Zusammenarbeit mit dem Chemiekonzern Ineos, Wolffs zukünftige Rolle im Mercedes-Team.

Hamilton glaubt offenbar, schon eine gute Idee davon zu haben, wo die Reise hingehen könnte: "Toto und ich führen viele tiefgründige Gespräche. Mir ist sehr bewusst, wo ihm der Kopf steht. Wir reden viel darüber, und ich glaube, auf uns lastet ein ähnlicher Druck. Ich kann schon verstehen, dass man da einen Schritt zurück machen möchte, um mehr Zeit für die Familie zu haben."

"Ich weiß nicht, wer ihn ersetzen würde, aber er ist ein Leader und er wird niemanden aussuchen, der dem Job nicht gewachsen ist", zeigt sich Hamilton unbesorgt. "Er wird die richtigen Leute finden. Darum sind wir so erfolgreich: Weil wir immer die richtigen Leute gefunden und sie in die Positionen gebracht haben, in denen sie sich am besten entfalten konnten."

Selbst wenn Wolff Mercedes verlassen sollte, wäre das nicht zwangsläufig der Niedergang des Teams, glaubt der bald siebenmalige Weltmeister: "Das Team dreht sich nicht nur um eine Person, sondern es ist das Kollektiv an Menschen, das es ausmacht. Toto baut ja nicht das Auto. Aber ganz egal, wofür er sich entscheidet: Ich stehe hinter ihm."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.