Fahrer verärgert über Track-Limits in Imola: "Das killt den Motorsport!"

Stefan Ehlen
·Lesedauer: 3 Min.

Kaum hatte das Samstagstraining begonnen, schon wurden die ersten Zeiten gestrichen. Begründung: Track-Limits. Und so ging es weiter: Im Tagesverlauf am Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola bewegten sich etliche Fahrer über dem von Rennleiter Michael Masi vorgegebenen Limit. Das sorgt für Ärger im Fahrerlager.

Am deutlichsten äußerte sich AlphaTauri-Fahrer Daniil Kwjat, der sagte: "Herrgott nochmal! Wir brauchen keine weißen Linien, wir brauchen einfach ein Old-School-Kiesbett, und dann fliegst du eben ab. Dann ist es vorbei mit dem Überfahren der weißen Linie und dem Bullshit."

Das ständige Hin und Her, was erlaubt sei und was nicht, das "bringt mich wirklich auf die Palme", so der russische Rennfahrer, "weil es den Motorsport killt. Und es killt auch eine so großartige Strecke. Das ist das Problem."

Die strittige Situation vor Ort in Imola

Worüber sich Kwjat und seine Kollegen besonders ereifern: In Imola gelten nicht für alle Passagen die gleichen Regeln. Ausgangs Kurve 9 etwa ist die weiße Linie entscheidend. Wer sie komplett überfährt, verliert seine Rundenzeit.

Ausgangs Kurve 15 aber droht nur demjenigen eine Strafe, der sich mit seinem Fahrzeug komplett hinter dem Randstein in italienischen Nationalfarben bewegt.

Dieser Unterschied ist Gegenstand der Fahrerkritik. Alexander Albon von Red Bull etwa meint: "Ärgerlich ist, dass es für unterschiedliche Kurven unterschiedliche Regelungen gibt. Und nach dem Briefing [mit Rennleiter Masi] hast du irgendwie das Gefühl: Wirklich sinnvoll erscheint es mir noch immer nicht, aber egal."

Gasly: Track-Limits sind nichts Neues

Für Pierre Gasly von AlphaTauri ist es hingegen "immer das gleiche Thema". Er meint: Man drehe sich gewissermaßen im Kreis. "Wir führen jedes Mal die gleiche Diskussion."

"Am wichtigsten ist, was wir dürfen und was nicht. Das müssen wir wissen. Dann spielen wir mit den Limits, die uns auferlegt wurden. Manchmal hat man aber den Eindruck, es braucht ein Kiesbett, dann haben diejenigen, die zu weit rausfahren, [ganz automatisch] ein Problem und werden so bestraft."

Albon denkt ähnlich und verweist auf den Nürburgring als "gutes Beispiel für eine gute Strecke mit guten Randsteinen am Kurvenausgang, und direkt darauf folgt das Kiesbett".

Sind Kiesbetten das Allheilmittel?

"Natürlich verstehe ich, dass man [als Rennstrecke] auch MotoGP und Bikes bedenken muss. Daher sage ich nicht, macht es so oder so. Es ist aber frustrierend, wenn dann ständig Rundenzeiten gestrichen werden."

In Mugello, ergänzt Kwjat, hätte die Formel 1 dieses Thema nicht gehabt. "Denn dort gab es Kiesbetten, ganz einfach. Die meisten von uns würden darin übereinstimmen, dass das die beste Lösung ist, aber nicht jede Strecke kann das so machen. Wir müssen also vielleicht eine noch bessere Lösung finden."

"Ich halte es jedenfalls für nicht gut, wenn du im Motorsport zwischen zwei blöden weißen Linien fahren musst. Ich bin aber kein Streckendesigner, sondern Rennfahrer. Ich kann das Problem nur benennen. Lösen müssen es andere. Und nach dieser Saison wird es sicher weitere Diskussionen dazu geben."

Denn Rennfahrer gehen nun mal ans Limit, immer und jederzeit auf der Rennstrecke, sagt Albon. Nur: Die moderne Formel 1 bestrafe zu viel Risiko nicht mehr so sehr wie in früheren Zeiten. "Du profitierst aber halt bei der Rundenzeit", erklärt er. "Je näher du an die weiße Linie rankommst, umso schneller geht es."

Weitere Co-Autoren: L. Smith. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.