Die traurigen Zahlen des Mesut Özil

Patrick Hauser
Sport1

Was ist los mit Mesut Özil? Der Weltmeister von 2014 stand beim Re-Start der Premier League bei Manchester City (0:3) nicht einmal im Kader des FC Arsenal.

Trainer Mikel Arteta, unter dem der 31-Jährige bislang immer einen Platz in der Startelf erhielt, begründete die Nichtberücksichtigung nach dem Spiel vage mit "taktischen Gründen", eine Verletzung würde nicht vorliegen.

Am Tag darauf brachte der Spanier etwas Licht ins Dunkel - und ließ dabei tief blicken.

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"Ich war seit meinem ersten Tag sehr offen zu Mesut. Ich dachte, er wäre fit, bereit und wollte auf seinem Level Leistung bringen", erklärte Arteta. "In dem Moment, an dem ich sehe, dass er dafür wieder bereit ist, werde ich ihn wie jeden anderen auch behandeln."

Er wolle den besten Özil sehen "und ich werde ihn auf den Platz stellen, wenn ich denke, dass er mir das geben kann."

Indirekt wirft der Trainer Özil also mangelhafte Fitness vor. Und dass er in der aktuellen Verfassung dem Team nicht weiterhelfen könne.


Özil Topverdiener bei Arsenal

Özil hatte nach dem Spiel ein Bild gepostet, in dem er auf das Arsenal-Wappen zeigt und schrieb dazu: "No matter what" ("Egal, was passiert").


In den sozialen Medien wurde daraufhin über einen Streit mit Arteta spekuliert, diese Gerüchte dementierte der Trainer aber. "Er versteht sich gut mit mir. Es gibt keine Probleme. Unser Gespräch war komplett in Ordnung, ehrlich und klar."

Dennoch wird Özil mehr und mehr zum Problemfall der Gunners, seine Kosten stehen im krassen Gegensatz zu seiner Leistung auf dem Platz.

Özil ist mit einem geschätzten Wochenverdienst von 350.000 Pfund (ca. 387.000 Euro) Topverdiener der Londoner, sein Vertrag läuft noch bis 2021. Dennoch beteiligte sich der Offensivspieler als einer der wenigen Arsenal-Profis nicht am Gehaltsverzicht der Profis wegen der Coronakrise.


871.000 Euro für ein Tackling

Der Großteil des Kaders verzichtet seit April auf 12,5 Prozent Gehalt, was Arteta als "unglaubliche Geste der Einheit und des Engagements" lobte. "Darauf bin ich sehr stolz."

Die Daily Mail rechnete Özils Gehalt nun in die gebrachten Leistungen um und präsentierte dabei irritierende Zahlen. So soll Arsenal dem Superstar seit Saisonstart im August 17,4 Millionen Euro gezahlt haben, herausgekommen sind ein Tor und drei Assists.

Jeder seiner gespielten 1051 Pässe würde Arsenal 16.580 Euro kosten, jedes seiner 20 Tacklings rund 871.000 Euro. In dieser Saison stand Özil 1.812 Minuten auf dem Platz, das macht für jede Spielminute 9.620 Euro.


Noch bitterer ist allerdings die Zahl der Spielminuten, an denen Özil nicht auf dem Platz stand: Diese ist mit 1.968 sogar noch höher als die Zeit auf dem Feld und schlägt mit 8.854 Euro pro Minute zur Buche.

Vor allem zu Beginn der Saison saß Özil zumeist auf der Bank, in den ersten zehn Spielen unter Ex-Coach Unai Emery war er sieben Mal nur Ersatz. Özil eroberte sich zwar im Herbst einen Stammplatz, brachte für sein herausragendes Talent aber nur wenig Ertrag. Die Daily Mail wirft im Titel deshalb auch die Frage nach dem "schlechtesten Vertrag aller Zeiten" auf.

Arsenal will Gehalt einsparen

Özils Kontrakt läuft noch ein Jahr, ein Wechsel im Sommer mit deutlichen Gehaltseinbußen erscheint wenig realistisch.

In diesem Zusammenhang kommt die Coronakrise zur Unzeit. Besitzer Stan Kroenke meldete schon vor Beginn der Pandemie einen finanziellen Verlust für den Klub, die Auswirkungen von Corona dürften diesen nochmal deutlich erhöhen.

Nicht zuletzt deshalb haben Kroenke und sein Sohn Josh, ein Direktor des Klubs, angekündigt, die Gehaltskosten zu senken. Ob er dabei auch Özil im Sinn hat, ist fraglich.

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