Triste Nullnummer: Nur Russ sendet eine besondere Botschaft

Marco Russ stand nach der trostlosen Nullnummer zwischen Eintracht Frankfurt und dem Hamburger SV im Blickpunkt. Erstmals nach seiner Krebserkrankung spielte er von Anfang an.

Rund um Marco Russ herrschte ein hektisches Treiben in den Stadion-Katakomben. Jeder wollte ein Stück abhaben vom gefragtesten Mann des Abends. Und Russ absolvierte den rund 40-minütigen Interview-Marathon nach der trostlosen Flutlicht-Nullnummer zwischen Eintracht Frankfurt und dem Hamburger SV völlig unaufgeregt.

Wohlwissend, dass allein sein Startelf-Comeback nach 330 Tagen und einer überstandenen Hodenkrebs-Erkrankung samt zweier Chemotherapien schon ein Statement der besonderen Art war. Eine Botschaft, die weit über die Grenzen der Bundesliga hinausging. "Meine Geschichte zeigt, dass man solche Krankheiten überstehen kann", sagte Eintracht-Kapitän Russ mit ruhigem Blick: "Ich sehe mich schon als Vorbild und genieße jeden Einsatz."

Frankfurts Trainer Niko Kovac wollte dem 31-Jährigen, der in den vergangenen Wochen zu zwei Kurzeinsätzen gekommen war, bei der Bewertung seiner Leistung "keine Zwei geben, sondern eine Eins." Sehr gut also. "Das war top. Marco hat das außerordentlich gut gemacht", lobte Kovac den zentralen Abwehrmann der Dreierkette.

Russ selbst machte keinen Hehl daraus, dass er zu Beginn der Partie noch ein wenig neben sich stand. Als der Familienvater in der zweiten Spielminute im Zweikampf gegen HSV-Profi Lewis Holtby patzte, ging ein Raunen durch das Stadion. "Ich musste am Anfang schon mein Navigationssystem einschalten. Aber bis auf die ersten fünf Minuten war das ganz okay von mir", meinte Russ über seine insgesamt gute Vorstellung: "Darauf habe ich hingearbeitet. Und darauf kann man aufbauen."

Genossen hat der gebürtige Großauheimer, der der Eintracht abgesehen von einem Abstecher zum VfL Wolfsburg immer treu geblieben war, besonders die Stimmung beim Warmmachen. "Im Spiel ist man dann zu fokussiert, um groß nachzudenken", berichtete Russ.

Startelf war nicht geplant

Möglich geworden war sein erster Einsatz von Beginn an seit dem 19. Mai 2016 erst durch die Verletzungen von Makoto Hasebe und Jesus Vallejo. "Über acht Ecken hatte ich erfahren, dass Makoto ausfällt. Ich konnte mich also darauf einstellen zu spielen", berichtete Russ, dessen Krebsdiagnose im vergangenen Mai zwischen dem Hin- und Rückspiel in der Relegation um den Klassenerhalt gegen den 1. FC Nürnberg gestellt worden war.

Geplant war das Startelf-Comeback des Defensiv-Allrounders zu diesem frühen Zeitpunkt eigentlich noch nicht. "Es hat gezeigt, dass wir personell auf dem Zahnfleisch gehen", sagte Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner.

Immerhin konnte der Pokal-Halbfinalist seine Bundesliga-Talfahrt nach zuvor fünf Niederlagen in Folge stoppen. Glück hatten die Gastgeber, als Schiedsrichter Benjamin Cortus nach einem Foul von David Abraham an Filip Kostic im Strafraum keinen Elfmeter gab. "Ich kann mit dem Unentschieden sehr gut leben", meinte Kovac auch deshalb. Angesichts der schwachen Leistung muss die Eintracht als Tabellensiebter allerdings mehr in Richtung Abstiegszone anstatt zu den Europa-League-Plätzen blicken. 

Der Tabellen-16. aus Hamburg indes holte aus den vergangenen drei Spielen sieben Punkte und fühlt sich im Kampf um den Klassenerhalt gestärkt. "Für uns ist es ein Erfolgserlebnis, einen Punkt mitzunehmen", sagte HSV-Coach Markus Gisdol.

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