Trotz Corona-Schock: Das ist Deutschlands EM-Trumpf

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Trotz Corona-Schock: Das ist Deutschlands EM-Trumpf
Trotz Corona-Schock: Das ist Deutschlands EM-Trumpf

Der Kempa-Trick von Lukas Mertens beim 34:29-Sieg der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Österreich war sicher einer der Leckerbissen des zweiten EM-Spiels. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Handball-EM)

„Ich hätte auch selbst werfen können. Aber es war abgesprochen, dass wir das Ding machen und auch im Wettkampf üben“, sagte Mertens bei einer Medienrunde am Montag.

Auch mit Trainer Alfred Gislason sei das neckische Zuspiel abgestimmt gewesen.

Mertens bekommt Erlaubnis von Gislason

„Alfred ist vor dem Turnier zu mir gekommen und hat gesagt, dass ich es so machen kann wie ich es für richtig halte. Er lässt mich das selbst entscheiden“, erklärte Mertens. (DATEN Tabellen der Handball-EM)

Die Aussage zeigt: Der Bundestrainer schenkt seinen EM-Debütanten großes Vertrauen und gibt den Neulingen die nötigen Freiheiten. Und die jungen Wilden zahlten die Rückendeckung gegen Österreich mit einer guten Leistung zurück.

„Der Trainer entscheidet sich eher kurzfristig, wer spielt. Es geht darum, wer gut drauf und wer die bessere Wahl mit Blick auf den Gegner ist“, sagte Mertens und fügte hinzu: „Es ist gut, dass Alfred den ganzen Kader nutzt. Das ist wichtig, wenn man im Turnier weit kommen will.“

Auch Wiencek lobt die Debütanten

Die Vorteile liegen auf der Hand: Im Idealfall sorgen die jungen Wilden für neuen Esprit, steigern durch den verschärften internen Konkurrenzkampf die Qualität und verschaffen den Etablierten im DHB-Team Ruhepausen.

Gerade nach dem Corona-Ausbruch im deutschen Team kann die Breite des Kaders noch zu einem ganz wichtigen Pluspunkt werden - und muss es jetzt auch im letzten Gruppenspiel gegen Polen (ab 18 Uhr im LIVETICKER).

Am Montag war zunächst Nachzügler Hendrik Wagner nach seiner Ankunft beim obligatorischen Eingangs-PCR-Test positiv auf das Virus getestet worden und befindet sich nun ebenso in Isolation wie der coronainfizierte Julius Kühn.

Am Montagabend folgte das große Beben - mit Rückraumspieler Kai Häfner, Rechtsaußen Timo Kastening, Linksaußen Lukas Mertens, Spielmacher Luca Witzke und Torhüter Andreas Wolff wurden fünf weitere Spieler positiv getestet.

Handball-EM: Bitter, Drux und Wiede kommen

Mehr noch: Weniger als drei Stunden vor dem Polen-Spiel teilte der DHB mit, dass auch Torhüter Till Klimpke und Marcel Schiller positive Ergebnisse bei PCR-Tests aufwiesen.

Immerhin: Mit Torwart Johannes Bitter, Rune Dahmke, Sebastian Firnhaber sowie Paul Drux und Fabian Wiede fand der DHB schnellen und hochkarätigen Ersatz.

In der prekären Situation wird es in den nächsten Spielen umso mehr auf jeden Spieler ankommen. Eben diese Breite spielte Gislason bislang konsequent aus. Gegen Österreich setzte er schon vor der Pause bis auf Lukas Zerbe alle Spieler seines 16er-Kaders ein. Nach dem Seitenwechsel standen zeitweise fünf Turnierneulinge auf dem Feld.

„Wir haben viele junge und neue Spieler, die sehr gute Leistungen bringen“, zollte Gislason den EM-Debütanten ein Sonderlob. (NEWS: Alles Wichtige zum Handball)

Auch Patrick Wiencek ist angetan von dem frischen Wind, den die neuen Spieler entfachen. „Natürlich sind sie etwas angespannt, aber alle sind heiß“, sagte der Routinier.

DHB-Team muss zwei Probleme abstellen

Mertens, der nun zunächst außer Gefecht ist, zeigte sich aber auch selbstkritisch: „Wir haben noch deutliches Verbesserungspotenzial in der Abwehr und wollen im nächsten Spiel gegen Polen von Anfang an da sein.“

In den ersten beiden Spielen hatte die DHB-Auswahl den Beginn jeweils verschlafen. In der Abwehr wurde den Gegnern insbesondere das Anspiel an den Kreis viel zu einfach gemacht. Gegen Polen wird es zusätzlich aber auch darauf ankommen, die Corona-Ausfälle zu kompensieren. (Die Handball-EM im LIVETICKER)

Doch die jungen Spieler zeigen sich lernwillig, wollen die Fehler möglichst schnell abstellen - gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche EM.

Gensheimer sieht „schlagkräftige Truppe“

Der frühere Kapitän Uwe Gensheimer hatte schon im Vorfeld der EM bei SPORT1 orakelt: „Mit dem Spielerpotenzial ist es definitiv möglich, eine schlagkräftige Truppe aufzustellen. Mit einer konstant guten Arbeit werden wir es schaffen, über Jahre hinweg ein Wörtchen bei den Medaillen mitreden zu können.“

Vielleicht ja schon bei dieser EM. Bei der die Breite des Kaders wegen der Corona-Probleme ein ganz besonderer Trumpf sein könnte.

Alles zur Handball-EM 2022 auf SPORT1:


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