Trotz Job-Garantie: Kohfeldt "bitterlich enttäuscht"

SPORT1
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Trotz Job-Garantie: Kohfeldt "bitterlich enttäuscht"
Trotz Job-Garantie: Kohfeldt "bitterlich enttäuscht"

Was für ein Pokal-Krimi!

Nach einem erbitterten Fight setzte sich RB Leipzig mit 2:1 nach Verlängerung bei Werder Bremen durch. RB-Coach Julian Nagelsmann hat damit weiterhin die Chance, sich mit einem Titel aus Leipzig zu verabschieden - den Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff auch fordert. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

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In Bremen ist die Enttäuschung zu spüren, allerdings auch der Stolz auf eine starke Leistung. Werder-Coach Florian Kohfeldt darf weitermachen.

SPORT1 fasst die Stimmen von ARD und Sky zusammen:

Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig): "Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass Bremen eine große Chance hat. Sie haben mit einfachen aber geradlinigen Mitteln versucht, nach vorne zu kommen. Das hat uns Probleme bereitet. Wir haben gut begonnen und uns dann ein wenig den Schneid abkaufen lassen. Es war dann spannend und die Jungs haben unglaublich gefightet. Ich glaube, dass wir der verdiente Sieger sind, auch wenn es ein bisschen glücklich ist. Angst hatte ich nicht, aber Bremen hat es gut gemacht. Es kann immer was passieren, auch bei den Standard-Situationen. Bremen ist immer in der Lage, ein Tor zu erzielen."

Zum Finalgegner: "Ich habe schon oft gesagt, dass ich mir nur über Dinge Gedanken mache, die ich beeinflussen kann. Ich werde mir das Spiel morgen angucken und dann sollen wir gegen die bessere Mannschaft in Berlin spielen." (Service: Spielplan & Ergebnisse des DFB-Pokals)

Zu Kohfeldt: "Die Jungs haben heute extrem für ihn gekämpft. Man hat gesehen, dass es grundsätzlich stimmt, im Detail kann ich das aber nicht bewerten. Ich bin kein Fan von Ultimaten, weil es nicht besser ist. Entweder man beendet es oder man macht weiter. Ich finde, dass Bremen ein gutes Spiel gemacht hat, mehr kann ich nicht darüber sagen."

Zur Einwechslung des Siegtorschützen Emil Forsberg: "Wir wollten ihn nicht reizen und haben lange diskutiert, ob wir ihn bringen."

Florian Kohfeldt: "Die Reaktion und die Leistung der Mannschaft waren herausragend. Du trotzdem bin ich bitterlich enttäuscht, weil ich jetzt hier zum dritten Mal nach so einem Pokal-Halbfinale stehe. Ich hatte grade Theo Gebre Selassie im Arm, der hat das alles mitgemacht. Jetzt stehst du wieder hier, es ist einfach auch sehr viel Traurigkeit da, bin ich ganz ehrlich. Ich bin Wettkämpfer, diese Mannschaft hat heute ein riesen Spiel gezeigt, alles reingeworfen, was wir hatten. Heute wäre ein Tag gewesen, wo es auch mal in unsere Richtung hätte laufen können."

Zu seinem Job: "Frank Baumann hat mir gerade gesagt, dass ich Trainer bleibe."

Zu seiner Mission: "Ich kämpfe dafür, dass Werder in der klasse bleibt. Es freut mich, da ich das zu Ende bringen und mit der Mannschaft in der Liga bleiben will. Ich bin ehrlich zu mir und eine Mannschaft, die heute hier so gespielt hat, kann kein Problem mit dem Trainer haben."

Davie Selke (Werder Bremen): "Riesenrespekt an die Jungs, ans ganze Team drumherum. Wenn man sieht, aus was für einer Phase wir kommen, dann so eine Reaktion zu zeigen, gegen so einen starken Gegner, das ist nicht selbstverständlich! Fakt ist, dass wir heute unbedingt was zeigen wollten, ganz ganz nah dran waren am Finaleinzug. Jetzt sind wir erstmal mega enttäuscht."

Zur Elfmeter-Szene: "Ich schätze Gräfe über alle Maßen, aber für mich ist es ein Elfer. Weil er mich trifft. Ob ich meinen Fuß reinstelle oder er mich von sich aus trifft - Fakt ist, dass er mich trifft. Kontakt im Sechzehner, Strafstoß. Gräfe hat zu mir gesagt, dass das nicht reicht für einen Elfmeter. Ich bin kein Schiedsrichter, ich bin Sportler. Er hat so entschieden, das haben wir zu respektieren."

Zu Kohfeldt: "Auch Respekt an ihn. Das waren hier alles andere als leichte Tage für ihn. Wie er das angegangen ist, ist nicht selbstverständlich. Wenn wir so auftreten wie heute, gibt es keinen Grund, etwas zu verändern. Diese Energie müssen wir immer auf den Platz bringen. Wir haben in der Bundesliga jetzt noch drei Spiele und müssen so viele Punkte wie möglich holen. Man hat gesehen, dass er es hinbekommt, dass die Mannschaft so eine Leistung zeigen kann."

Leonardo Bittencourt (Werder Bremen): "Wenn du so kurz davor standest, dann bist du sehr enttäuscht. Das ist extrem bitter. Wir haben heute nicht den Kopf in den Sand gesteckt und haben gegen einen extrem starken Gegner extrem lange mitgehalten."

Zu Kohfeldt: "Wir Spieler können nur auf dem Platz Antworten geben. Wir haben in den letzten Wochen nicht das gezeigt, was wir können. Wir mussten zeigen, dass die Mannschaft lebt. Was mit dem Trainer passiert, können wir nicht entscheiden. Wir haben Interesse daran, mit dem Trainer weiterzumachen. Das hat man heute auch gesehen. Viele haben gesagt: Wenn die Jungs heute nicht Gas geben, dann ist er weg. Und wir haben etwas gezeigt."

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Frank Baumann (Geschäftsführer Werder Bremen): "Florian bleibt Trainer, das ist ganz klar. Wir haben nach sieben Niederlagen in Folge in der Bundesliga eine Analyse vornehmen müssen. Es gehört dazu, dass wir das Auftreten der Mannschaft verändern müssen. Wir haben heute ein anderes Gesicht der Mannschaft gesehen."

Zum bitteren Ausscheiden: "Es ist extrem bitter, weil wir einmal mehr unglücklich im Halbfinale ausgeschieden sind. Wir haben Leipzig einen großen Pokal-Fight geliefert. Die Jungs haben eine gute Reaktion gezeigt, etwas mutiger, deutlich zielstrebiger nach vorne gespielt. Wir hatten einen ganz anderes Auftreten gehabt, einen ganz anderen Spirit auf dem Platz. Die Enttäuschung nach dem Union-Spiel saß einfach so tief. Da haben wir nicht diese Geschlossenheit gezeigt, diesen unbändigen Kampfeswillen, den wir brauchen, um in der Klasse zu bleiben. Das ist unser großes Ziel."

Zu Kohfeldt: "Das hat gezeigt, dass die Mannschaft lebt und Florian die richtigen Ansätze gefunden hat. Uns war klar, dass es nach sieben Niederlagen in Folge nicht einfach so weitergehen kann, dass wir etwas verändern müssen, dass wir einen Reiz setzen müssen. Das haben wir durch einen gewissen Druck getan, aber auch Florian, indem er gewisse Abläufe verändert hat, die der Mannschaft klar gemacht haben, dass wir ein anderes Gesicht zeigen müssen, als gegen Union."

Oliver Mintzlaff (Geschäftsführer RB Leipzig): "Das ist fantastisch. Wir wollten unbedingt ins Finale, dass es so spannend und so ein Kampf wird, hätten wir nicht gedacht. Wir sind aber einen großen Schritt nähergekommen, eine großartige Saison zu spielen."

Zu den Titelchancen: "Wir standen schon einmal im Finale, wo wir ein gutes Spiel gemacht haben, aber nicht gewonnen haben. Wir fahren aber natürlich nach Berlin, um etwas mitzubringen."

Zu Nagelsmann: "Ich habe ihm gesagt, dass er die Freigabe bekommen hat, aber noch einen Titel abliefern muss. Die erste Prüfung hat er bestanden."

Zur Fahrradfahrt nach Berlin: "Wir fahren jetzt für einen guten Zweck mit unserem Specialized von Leipzig nach Berlin. Ich bin kein Rennradfahrer, daher ist das für mich eine Herausforderung. Die Kollegen haben aber jetzt auf dem Platz viele Nerven gelassen, da werde ich die 180 Kilometer schon schaffen."