WWE-Protest lenkt Blick auf drei Todesrätsel

Martin Hoffmann
Sport1

Ob US-Präsident Donald Trump sich das hätte vorstellen können?

Die vom ehemaligen NFL-Quarterback Colin Kaepernick geprägte Protestgeste "Take A Knee", die er bis heute als vermeintlich unpatriotischen Akt bekämpft, hat nun auch die Wrestling-Liga WWE erreicht - zu der er eigentlich beste Verbindungen hat.

Der ehemalige WWE-Champion Kofi Kingston und sein Partner Big E vom Team The New Day gingen vor einem Match bei der TV-Show Friday Night SmackDown symbolisch auf die Knie. Die amtierenden Tag-Team-Titelträger des SmackDown-Kaders zeigten damit Flagge gegen Rassismus und ihre Verbundenheit mit der nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch einen gewalttätigen Polizeieinsatz wieder in aller Munde befindlichen Black-Lives-Matter-Bewegung.

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Armbänder erinnern an ungeklärte Todesfälle

Kingston und Big E (bürgerlich: Ettore Ewen) trugen zudem schwarze Armbänder, die an drei andere Todesfälle erinnerten und Aufklärung einforderten: Shukri Abdi, Breonna Taylor und Tamla Horsford.


Shukri Abdi war ein aus Somalia nach England geflüchtetes Mädchen, das im vergangenen Jahr in einem Fluss bei Manchester ertrank. Die Polizei wertete es als Unfall, mittlerweile aber gibt es eine weltweite Kampagne, dass die Behörden dem von Abdis Familie geäußerten Verdacht nachgehen sollten, dass es womöglich Fremdeinwirkung gab.

Breonna Taylor war eine afroamerikanische Notfallsanitäterin, die im März in Louisville bei einem Schusswechsel zwischen ihrem Partner und der Polizei von Polizisten erschossen wurde. Ihr Partner gab an, die Polizisten für Einbrecher gehalten haben, weil sie sich nicht als Ordnungshüter zu erkennen gegeben hätten. Wegen der umstrittenen Umstände der Hausdurchsuchung ist mittlerweile unter anderem der Polizeichef von Louisville zurückgetreten.

Tamla Hosford war eine 40 Jahre alte afroamerikanische Mutter aus Georgia, die 2018 unter rätselhaften Umständen nach einer Party ums Leben kam. Der Todesfall wurde als Unfall gewertet, inzwischen jedoch steht wegen diverser Ungereimtheiten ein Tötungsverdacht im Raum. Auch in ihrem Fall wird eine Wiederaufnahme des Verfahrens gefordert.

The New Day zeigen nicht zum ersten Mal Haltung

Das "Take A Knee" der beiden hat nicht dieselbe Tragweite wie die Proteste in der NFL, weil bei WWE nicht die Nationalhymne lief. Dennoch ist es ein bemerkenswerter Akt der Haltung in einem Unternehmen, dessen Chefetage eine enge Beziehung zum konservativen US-Präsidenten pflegt, der oft als Gaststar bei WWE auftrat und sogar in die Hall of Fame der Liga einziehen durfte.


Linda McMahon, Ehefrau von Firmenboss Vince McMahon, war zwischenzeitlich in Trumps Kabinett berufen worden und kämpft nun als Chefin eines "Political Action Comittee" für dessen Wiederwahl.

New Day zeigen die nicht zum ersten Mal: Schon vor zwei Jahren etwa sorgten Kingston, Big E und ihr derzeit verletzter Partner Xavier Woods für Aufsehen, als sie sich öffentlich von der WWE-Begnadigung der Legende Hulk Hogan nach dessen Rassismus-Skandal distanzierten. Sie empfanden dessen Bitten um Entschuldigung als nicht aufrichtig und hatten den Eindruck, dass er vor allem bedauerte, bei seiner Tirade erwischt worden zu sein.

Nun nahmen sie ihren Arbeitgeber beim Wort, als der nach dem Tod von George Floyd in einem Statement versicherte, "jeden zu ermutigen, der seine Stimme gegen Rassismus einsetzt".

Das anschließende Match gegen den Schweizer Cesaro und den Japaner Shinsuke Nakamura verloren New Day dann. Ihre Titel standen nicht auf dem Spiel, der Sieg der Gegner dürfte ein kommendes Titelmatch aufbauen. Im Vergleich zu dem, was Kingston und Big E vor dem Match taten, verblassten die WWE-Inszenierungen an diesem Abend aber.


AJ Styles holt Intercontinental-Titel in sehenswertem Match

Das beste Match des Abends lieferten sich AJ Styles und Daniel Bryan im Finale um den vakanten Intercontinental-Titel der Liga. Die beiden Ausnahme-Wrestler bekamen von WWE ungewohnt viel Zeit, ein packendes und technisch erwartbar hochwertiges Duell auf die Beine zu stellen.

Nach rund 40 Minuten offizieller Kampfzeit (mit Werbeunterbrechungen) setzte sich der im Zuge des Turniers von der Montagsshow RAW zu SmackDown gewechselte Styles mit dem Phenomenal Forearm durch.


Die weiteren Highlights:

- Jeff Hardy und Sheamus unterschrieben zu Beginn der Show den Vertrag für ihr Match bei Backlash. Wegen Hardys vermeintlichem Alkohol-Rückfall (den Sheamus selbst ihm offensichtlich angehängt hat) verlangte Sheamus einen Urin-Test von Hardy - eine Forderung, die nach hinten losging: Nachdem Hardy die Probe abgab, schleuderte er sie seinem Erzfeind ins Gesicht.


- Alexa Bliss und Nikki Cross, vergangene Woche als Tag-Team-Champions der Frauendivision entthront, sprengten die Siegesfeier der neuen Titelträgerinnen Bayley und Sasha Banks mit einer Attacke. Bei Backlash stehen die Titel in einem Dreikampf mit den IIconics auf dem Spiel (die Bliss und Cross halfen, indem sie Bayley und Banks mit einer Videobotschaft ablenkten).


- Im Hauptkampf der Show taten sich Universal Champion Braun Strowman mit Money-in-the-Bank-Sieger Otis einmal mehr zusammen: Gemeinsam mit Otis' eigentlichem Tag-Team-Partner Tucker bezwangen sie Otis' Erzfeind Dolph Ziggler sowie John Morrison und The Miz, die Strowman am Sonntag in einem Handicap-Match um dessen Titel herausfordern. Otis - zwischenzeitlich abgelenkt von King Corbin, der sich an seine Freundin Mandy Rose heranmachte - pinnte Ziggler am Ende mit dem Caterpillar Elbow.


Die Ergebnisse von WWE Friday Night SmackDown am 12. Juni 2020:

Non Title Match: Cesaro & Shinsuke Nakamura besiegen The New Day
Intercontinental Championship Title Tournament Final Match: AJ Styles besiegt Daniel Bryan - TITELWECHSEL!
Braun Strowman & Heavy Machinery besiegen Dolph Ziggler, John Morrison & The Miz

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