Robbens Ankunft löst Hype in Groningen aus

Tobias Wiltschek, Martin van de Flierdt
Sport1

Ein ganzes Jahr hat sie gedauert, die fußballlose Zeit des Arjen Robben. 

Ein Jahr, in dem er das Leben mit seiner Familie genossen hat, in München und Umgebung.  

Er habe Dinge getan, die er während seiner langen und erfolgreichen Karriere beim FC Bayern nicht hätte tun können, "wie zum Beispiel Skifahren", berichtete der 36-Jährige bei seiner Vorstellung als Neuzugang des FC Groningen. 

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Doch es war offensichtlich auch ein Jahr, in dem er feststellte, dass ohne Fußball in seinem Leben doch zu viel fehlte. 

So viel, dass es ihn im hohen Fußballeralter noch einmal in seine Heimat nach Groningen zieht. Zu einem mittelmäßigen Klub in einer Liga, die nicht zu den Top 5 in Europa zählt. 

Dort, wo alles begann, will Robben also seine Karriere auch endgültig ausklingen lassen. "Wir wollten zurück nach Hause. Und das Jahr Pause hat meiner Fitness gut getan", sagte der Niederländer, der vorerst nur für eine Saison unterschrieben hat. 

Groningen leidet unter der Coronakrise

Groningen sei der einzige Klub, bei dem er sich ein Comeback vorstellen könne, betonte der Champions-League-Sieger von 2013 und Vize-Weltmeister von 2010. 

Doch was erwartet den Weltstar in seiner alten, neuen Heimat bei seiner Rückkehr?  

Zunächst einmal ein Klub, der wie viele andere in der niederländischen Eredivisie stark unter den finanziellen Folgen der Coronakrise leidet.  

Die Niederlande gehörten zu den ersten Nationen, die den Betrieb in den Profiligen aufgrund der Pandemie einstellten. Seit Anfang März steht die erste Liga still. 

Vier Heimspiele hätte Groningen im Hitachi Stadion noch austragen sollen. Vier Heimspiele, zu denen insgesamt noch etwa 80.000 Zuschauer gekommen wären. Der Ausfall dieser Spiele riss ein großes Loch in die Kasse des Vereins, der zum Zeitpunkt des Abbruchs auf Platz neun stand. 

Robben-Zusage befeuert Dauerkartenverkauf

Deshalb konfrontierten die Vereins-Bosse den großen Sohn der Stadt auch gleich mit ihren kühnen Ideen, als der beim Sushi-Essen in Grünwald fragte, wie er denn seinen Heimatklub am besten unterstützen könne. 

Die beste Art zu helfen wäre, wenn er wieder bei den Grün-Weißen spielen würde, offenbarten sie ihm. Sie sollten Recht behalten. 

Robbens Zusage habe einen wahren Run auf die Dauerkarten ausgelöst, jubelte John de Jonge, der Vorsitzende der Supportersvereniging FC Groningen: "Wir sollten seine großartigen Aktionen in vollen Zügen genießen." 

So wie es derzeit aussieht, könnten ab September tatsächlich wieder Zuschauer ins Stadion gehen. Regierungschef Mark Rutte erklärte vor einigen Tagen, dass dies wieder möglich sein werde - allerdings mit einem Sicherheitsabstand von anderthalb Metern. 

Für Groningen würde das bedeuten, dass in dem 22.000 Zuschauer fassenden Stadion zumindest etwa 7000 Fans die Spiele sehen und Robben bewundern könnten. 

Die Euphorie im Verein rührt aber auch daher, dass mit Robben endlich einmal auch ein Weltstar wieder zurückkehrt in die Stadt im Norden der Niederlande. 

Trainer Buijs freut sich auf Robben

"Das ist großartig, ich freue mich enorm auf die Zusammenarbeit mit ihm", schwärmte Trainer Danny Buijs noch am Montag. "Das ist der ultimative Traum."

Ausgebildet hat der FC Groningen schon viele spätere Superstars. Neben Ronald Koeman, Luis Suárez und Daley Blind hat auch Liverpools Virgil van Dijk, immerhin Europas Fußballer des Jahres 2019, das Fußballspielen in Groningen erlernt.  

Die sportlichen Erfolge des Klubs aus der 230.000 Einwohner zählenden Stadt sind aber bislang eher bescheiden gewesen. Den größten Triumph feierte er vor fünf Jahren mit dem Gewinn des niederländischen Pokals nach einem 2:0-Sieg im Finale gegen PEC Zwolle. 

Auf europäischer Ebene hat Groningen immerhin schon mal Atlético Madrid aus dem UEFA-Cup geworfen. Das war aber schon in der Saison 1983/84 und ist folglich lange her. 

2015 spielte Groningen zuletzt international, in der Europa League kam das Aus in der Gruppenphase. 

Mit Robben soll es möglichst schnell wieder nach Europa gehen. Das hat sich der prominente Neuzugang selbst als Ziel gesetzt. Platz drei, erklärte der rechte Flügelstürmer, sei in der kommenden Saison der Eredivisie durchaus möglich. 

Es wäre die Qualifikation für die Europa League - und die vorläufige Krönung seines Comebacks. 

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