"Ein unfassbar geiler Keeper" - der "Hexer" wird 60

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Er war der "Hexer", einer der weltbesten Torhüter der Geschichte, und er ist nach wie vor eine Kultfigur des deutschen Handballs. Am 3. März wird Andreas Thiel 60 Jahre alt.

Von diesem verdammten 60. Geburtstag will Andreas Thiel am liebsten überhaupt nichts hören. "Ich werde den Tag in tiefer Melancholie verbringen", sagt einer der besten Torhüter der Handball-Geschichte und schickt ein dröhnendes Lachen hinterher.

Mit diesen runden Jubiläen hat er es nicht so: "An meinem 40. habe ich abends trainiert, meinen 50. habe ich in der Kanzlei verbracht, und an den 60. werde ich auch ganz pragmatisch rangehen."

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Andreas Thiel ist eine der wenigen Kultfiguren im deutschen Handball, und diese ganz spezielle Aura umgibt ihn bis heute.

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Er hat noch immer diesen schlaksigen Gang, er kann immer noch so finster gucken wie damals, als es oft so schien, als wolle er den Gegner samt Ball fressen, und er ist immer noch derselbe verlässliche, vertrauenswürdige, rundum ehrliche Typ, eben ein perfekter Mannschaftsspieler.

Vom Fußballtorwart zum Handball-"Hexer"

Ins Tor wollte er immer. Zuerst im Fußball, nach der WM 1970 begann er als Zehnjähriger beim TSV 1846 Mannheim, "das war halt bei uns zu Hause um die Ecke".

Nach dem Umzug der Familie nach Aachen kam er in der Schul-AG Handball 1973 erstmals mit dem Sport in Berührung, den er und der ihn jahrzehntelang prägen sollte: "Mir war gleich klar: Das ist es."

1979, Thiel war 19 Jahre alt, kam aus dem Oberbergischen der Ruf von Eugen Haas. Beim VfL Gummersbach reifte Thiel, stets gefördert vom damaligen Trainer Petre Ivanescu und dem zehn Jahre älteren Torhüter-Kollegen Rudi Rauer, zu einem Weltklasse-Torwart heran.


Schwarzer schwärmt von Thiel

"Andy war so ein unfassbar geiler Keeper", sagt Christian Schwarzer, Weltmeister von 2007: "Er konnte 55 Minuten richtig scheiße spielen und dann in den letzten fünf Minuten die entscheidenden Dinger halten. Er hat so viele Spiele alleine gewonnen."

Thiel sieht das in der Rückschau nicht ganz so verklärt. "Da ist auch richtig viel Legendenbildung bei", sagt er. Seine Voraussetzungen seien eben einfach "ganz gut" gewesen: "Ich hatte eine explosive Muskulatur und war vor allem ziemlich stressfest."

Vor wichtigen Spielen sei er zwar "richtig flatterig" gewesen, "aber sobald ich auf der Platte stand, war ich in der Zone. Da hab ich nix mehr wahrgenommen."

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Zwischen Kanzlei und Handball-Platte

Mit 40 beendete Andreas Thiel seine Karriere, dem Handball blieb er bis heute in vielen Funktionen treu. Der Rechtsanwalt mit Kanzlei in Köln ist Justiziar der Handball Bundesliga (HBL), Präsident der Handball Bundesliga Frauen (HBF) und Abteilungsleiter bei den Bundesliga-Handballerinnen von Bayer Leverkusen.

Auf der Platte steht Thiel natürlich auch noch, er war jahrelang Torwarttrainer der Nationalmannschaft und macht bis heute die Leverkusener Torhüterinnen fit.

Ach ja, diesen berühmten Spitznamen "Hexer" möchte Andreas Thiel auf gar keinen Fall ausschließlich für sich selbst beanspruchen.

Der eigentliche Hexer sei ja Manfred Hofmann gewesen, der in der Olympia-Qualifikation 1976 gegen die DDR in der Nachspielzeit einen Siebenmeter hielt und die bundesdeutsche Mannschaft damit zu Olympia nach Montreal führte: "Ich hab dann 1983 in Großwallstadt fünf Siebenmeter gehalten und damit das 17:16 für den VfL Gummersbach festgehalten. Danach war ich plötzlich der Hexer." Er ist es geblieben. Irgendwie bis heute.

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