Ungewöhnliche Symptome, die auf zu viel Stress hindeuten können

Ann-Catherin KargFreie Journalistin

Dass Stress die Psyche beeinträchtigt und Symptome wie Gereiztheit oder allgemeine Unruhe auslösen kann, ist den meisten Menschen bewusst. Daneben gibt es aber eine ganze Reihe von körperlichen Beschwerden, die ebenfalls durch Stress verursacht, aber von den meisten nicht als solche erkannt werden.

Stress kann sich körperlich durch viele Symptome wie beispielsweise Kopfschmerzen oder Schwindel bemerkbar machen. (Bild: Getty Images)
Stress kann sich körperlich durch viele Symptome wie beispielsweise Kopfschmerzen oder Schwindel bemerkbar machen. (Bild: Getty Images)

Probleme wie Konzentrationsschwierigkeiten, Ängste, Reizbarkeit, Nervosität, Wut und ein Gedankenkarussell, das nie zum Stillstand kommen will, erkennen viele Menschen als Symptome für zu viel Stress in ihrem Leben. Weit weniger ziehen dagegen in Betracht, dass auch hinter physischen Beschwerden Stress stehen kann.

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Gegenüber der britischen "Huffington Post" sagte die Therapeutin Beverley Hills: "Stress ist wie eine Qualle. Er hat viele Tentakel, die in viele Bereiche unseres Lebens eindringen." Sie frage neue Patienten immer zuerst, wie es ihnen körperlich gehe und wo sie Schmerzen hätten, wobei der Zusammenhang den wenigsten bewusst sei.

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Von Bauchschmerzen bis zu sexueller Unlust

Bauchschmerzen, Reizdarmsyndrom, Herzrasen oder Probleme mit dem Blutdruck könnten durchaus auch psychisch bedingt sein, genau wie der Klassiker, als den die Therapeutin Schlaflosigkeit bezeichnet. Aber auch, wer keine Lust mehr auf Sex, Erektionsprobleme hat oder plötzlich nicht mehr zum Orgasmus kommen kann, könnte unter zu viel psychischem Druck leiden.

Die körperlichen Symptome sind vielseitig

Weitere körperliche Symptome, die laut der Therapeutin stressbedingt sein können: Panikattacken, Ausschlag, ein aufgedunsenes Gesicht, dunkle Augenringe, Haarausfall, brüchige Nägel, muskuläre Verspannungen, brennende Augen, dauerhafte Müdigkeit, Zähneknirschen, Kopfschmerzen, Schmerzen in der Brust, Magenverstimmungen und Sodbrennen, Verstopfung oder Durchfall, allgemeines Unwohlsein, Schwindel und Ohnmacht.

Das Gefühl, immer über up to date sein zu müssen, ist heute ein zusätzlicher Stressfaktor. (Bild: Getty Images)
Das Gefühl, immer über up to date sein zu müssen, ist heute ein zusätzlicher Stressfaktor. (Bild: Getty Images)

Auch soziale Medien erhöhen den Druck

Gerade bei jungen Menschen unter 25 Jahren beobachtet die Therapeutin, wie auch soziale Medien wie Instagram und Snapchat Stress verursachen können. Dieser entsteht vor allem dadurch, dass sich die Nutzer ständig miteinander vergleichen und sich dadurch minderwertig fühlen. Zudem verstärkt auch die Sucht, sich ständig auf dem Laufenden halten zu müssen und immer online zu sein, das Stresslevel.

So gestresst sind die Menschen in Deutschland

Fast 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind der Meinung, dass ihr Leben in den letzten drei Jahren stressiger geworden ist. Das geht aus der großangelegten Stressstudie der TK hervor. Auffällig ist demnach, dass vor allem die junge Generation einen Anstieg ihres persönlichen Stresslevels beklagt. Drei Viertel der 18- bis 29-Jährigen sagen, ihr Leben sei stressiger geworden. Im Vergleich dazu sind es bei den 40- bis 59-Jährigen gut 60 Prozent sowie zwischen 60 und 70 Jahren nur 36 Prozent.

Die häufigsten Stress-Ursachen

Laut TK-Studie steht der Job, beziehungsweise die Ausbildung auf Platz eins der Stressursachen in Deutschland. 46 Prozent der Befragten fühlen sich durch Schule, Studium und Beruf belastet. Auf Platz zwei folgen mit 43 Prozent die eigenen hohen Ansprüche. Ein Drittel der Befragten nennt zu viele Termine und Verpflichtungen in der Freizeit als wichtigen Stressfaktor. Auf eine Belastungsprobe stellt auch das Thema Fortbewegung: Wege per Bus, Bahn, Auto oder Fahrrad durch den Verkehr zurückzulegen, stresst drei von zehn Befragten. Fast ebenso viele, 28 Prozent, setzt die ständige Erreichbarkeit durch Handy, Facebook und Co. unter Druck.

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Erster Schritt: Herausfinden, was den Stress verursacht

Gegen den Stress angehen kann man mit verschiedenen Methoden. Hilfreich kann zum Beispiel ein Stresstagebuch sein, indem man nach dem Auftreten von Symptomen notiert, was genau man unmittelbar davor gemacht hat und was, als es wieder besser wurde. Ziel ist es, herauszufinden, was den Stress verursacht und wie man besser mit ihm umgehen kann.

Atemübungen, Routinen und um Hilfe bitten

Gegenüber der "Huffington Post" sagte Neil Shah von der "The Stress Management Society", die Problemlösung müsse immer individuell auf das jeweilige Symptom zugeschnitten sein. Wer zum Beispiel Probleme beim Einschlafen hat, sollte eine Routine zum Herunterfahren entwickeln und zum Beispiel nach 16 Uhr keine Zucker- oder koffeinhaltigen Lebensmittel mehr konsumieren. Auch Atemübungen könnten helfen, den Stress schnell zu reduzieren. Zudem kann es hilfreich sein, Freunde, Familie oder auch Kollegen mit ins Boot zu holen, die einem im Bedarfsfall unter die Arme greifen können.

Auf Platz eins bei Deutschlands beliebtesten Entspannungsmethoden steht laut TK-Studie übrigens das Hobby. Gut 70 Prozent bauen dabei Stress ab. Ebenfalls beliebt: der hektischen Betriebsamkeit mit purem Nichtstun zu begegnen. 68 Prozent entscheiden sich für gemütliches Faulenzen. Wer das Gefühl hat, der Stress bestimme große Teile des Lebens, sollte eine Therapie in Erwägung ziehen.

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