Ist Reus' DFB-Karriere schon zu Ende?

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Ist Reus' DFB-Karriere schon zu Ende?
Ist Reus' DFB-Karriere schon zu Ende?

Als die deutschen Nationalspieler am 13. Juli 2014 den WM-Pokal in den Nachthimmel von Rio de Janeiro stießen, da sah Marco Reus von Zuhause aus zu. Eine Einladung des DFB, als Ehrengast zum Finale zu reisen, hatte er ausgeschlagen.

Eigentlich hätte der Mittelfeld-Star sowieso selbst auf dem Rasen des Maracana stehen sollen, das ließ eine Verletzung aber nicht zu. Ausgerechnet im letzten Test vor der WM gegen Argentinien war es passiert: Ein Teilriss der vorderen Syndesmose im linken Sprunggelenk zerschlug seine Hoffnungen auf das Turnier in Brasilien.

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Die häufigen Verletzungen holten Reus über die Jahre immer wieder ein. "Was für ein Spieler Reus ohne seine ganzen Verletzungen gewesen wäre", schwärmte der spanische Welt- und zweimalige Europameister Cesc Fabregas jüngst wehmütig bei Twitter.

Für die EM im Sommer 2021 wäre er nun fit. Umso überraschender, dass er trotzdem nicht für Deutschland auflaufen wird.

Reus zuletzt in überragender Form

Reus erklärte, er habe nach einer "komplizierten, kräftezehrenden und am Ende 'Gott sei Dank' erfolgreichen Saison", gemeinsam mit dem Bundestrainer entschieden, nicht zur EM mitzufahren. "Diese Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, da ich immer voller stolz bin, wenn ich für mein Land auflaufen darf", versicherte er.

Reus ist nun 31 Jahre alt. Wenn er fit bleibt, dann wird er noch die Chance auf große Turniere haben - wenn er denn auch dauerhaft abliefert. Beispielsweise die WM in Katar im Winter 2022. Aufgrund seiner Vergangenheit ist die Entscheidung trotzdem nicht für jeden Fußball-Fan und -Experten nachzuvollziehen.

Es ist auch möglich, dass Reus die Entscheidung nicht völlig freiwillig getroffen hat. "Zusammen mit dem Bundestrainer", habe er entschieden. Dieser Satz macht stutzig. Hatte Joachim Löw dem BVB-Kapitän erklärt, dass er ihn nicht nominieren wolle oder er zumindest wenig Spielzeit zu erwarten hat? Ungewiss. Seine Form war zuletzt eigentlich überragend.

"Marco Reus mit seiner Art, Fußball zu spielen, das ist schon ganz große Klasse", sagte der scheidende Bayern-Coach Hansi Flick jüngst über Reus: "Er war lange verletzt. Aktuell ist er einer, der den Unterschied macht. Ich kenne Marco von der Zeit bei der Nationalmannschaft. Es ist einer, der in der Box, im letzten Drittel, Sachen machen kann, die einfach eine gegnerische Abwehr vor Schwierigkeiten bringt. Er ist im Moment in einer ganz tollen Form."

Viele freuten sich darauf, Reus endlich topfit bei einem großen Turnier zu erleben. Daraus wird nun nichts.

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Reus spielte nur zwei große Turniere

Reus hat mittlerweile 44 Länderspiele absolviert. Das ist zwar eine stolze Zahl. Wenn man bedenkt, dass er bereits mit 22 Jahren sein Debüt unter Löw gab, dann wirkt es nicht mehr so viel. Noch erstaunlicher: Reus hat nur zwei große Turniere bestritten.

Bei der EM 2012 scheiterte er mit der DFB-Elf im Halbfinale an Italien. Bei der WM 2018 erlebte er mit Deutschland dann das Debakel in Russland - mit dem Aus in der Gruppenphase - bei seiner ersten Weltmeisterschaft.

Die EM 2016 hatte Reus zuvor ebenfalls wegen einer Verletzung verpasst. Mit Adduktorenbeschwerden reiste er zwar zunächst zum Trainingslager des DFB-Teams an, für eine Nominierung fehlten dann aber einige Prozent. "Für uns und für ihn eine bittere Entscheidung, er wäre eine Bereicherung gewesen. Aber er kann im Moment nur geradeaus laufen", klagte Löw damals.

Nach der Absage der diesjährigen EM steht er nun bei zwei Teilnahmen bei fünf möglichen Turnieren mit der Nationalmannschaft. Den größten Erfolg hat er bei der WM 2014 verpasst. Ob er noch einmal eine Chance auf einen großen Titel mit dem DFB-Team bekommen wird, ist ungewiss. Vielleicht bleibt es sogar bei den 44 Länderspielen.

Für den Moment bleibt er in jedem Fall der Unvollendete. Der Weg zurück zum DFB-Team könnte steinig werden.

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