US-Rentner überlebt Covid-19 - und erhält Rechnung über eine Million Dollar

Jennifer CaprarellaFreie Autorin
Yahoo Nachrichten Deutschland

Ein 70-jähriger Mann aus Seattle hat seinen sehr schweren Verlauf von Covid-19 nur knapp überlebt, konnte jedoch Anfang Mai die Klinik entlassen. Als er nun die 181-seitige Rechnung des Krankenhauses erhielt, sei ihm das Herz beinahe zum zweiten Mal stehen geblieben.

Behandlungen auf der Intensivstation kosten immer viel Geld - das Coronavirus macht es mit Atemgeräten und besonderen Vorsichtsmaßnahmen noch teurer (Symbolbild: Getty Images)
Behandlungen auf der Intensivstation kosten immer viel Geld - das Coronavirus macht es mit Atemgeräten und besonderen Vorsichtsmaßnahmen noch teurer (Symbolbild: Getty Images)

Michael Flor hatte mit dem bisher längsten Coronavirus-bedingten Krankenhausaufenthalt Aufmerksamheit in den USA erregt. 62 Tage hatte er in der Klinik in der Nähe von Seattle verbringen müssen. Zeitweise war der Verlauf seiner Erkrankung so kritisch gewesen, dass das Pflegepersonal ihm eines Abends das Telefon ans Ohr hielten, damit er sich von seiner Frau und seinen Kindern verabschieden könnte.

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Doch Flor überlebte und wurde der “Seattle Times” zufolge von den Krankenschwestern, die ihn bei seiner Entlassung unter Jubelrufen verabschiedeten, “Miracle child” (deutsch: Wunderkind) getauft.

Nun kommt ein weiterer Spitzname dazu: Neuerdings nennt die Presse Flor “Million Dollar Baby” - denn der Rentner bekam nun die Krankenhausrechnung in Höhe von 1.122.501,04 Dollar (etwa 997.300 Euro).

Schwere Schuldgefühle trotz Versicherung

Als Flor den Betrag sah, sei ihm das Herz beinahe zum zweiten Mal stehengeblieben, wie er der “Seattle Times” erzählte. Aufgrund seiner Krankenversicherung - in den USA keine Selbstverständlichkeit - muss er den Großteil der Rechnung zwar nicht selbst begleichen, doch die schiere Summe habe ihn und seine Familie sehr schockiert.

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Von seinem Gefühl nach dem Anblick der Zahl sei Flor selbst überrascht gewesen: “Ich fühle mich schuldig, überlebt zu haben”, sagte er der Zeitung. “Dieser Gedanke ‘Wieso ich?’ drängt sich auf. Wieso habe ich all das verdient? Wenn ich mir diese unglaublichen Kosten ansehe, führt das definitiv zu Schuldgefühlen.”

Die Belege spiegeln Flors unglaublichen Kampf gegen die Krankheit wieder

Wie die Summe zustande kam, belegt die 181 Seiten lange Rechnung im Detail. Ein wenig spiegeln die einzelnen Posten Flors Kampf gegen die Krankheit wieder. Allein die zwei Tage, an denen Flors Herz, Nieren und Lungen zu versagen drohten, nehmen 20 Seiten und etwa 100.000 Dollar der Rechnung ein. In dieser Zeit hätten die Ärzte “mir alles entgegengeworfen, was in ihrer Macht stand”, wie Flor erklärt.

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29 Tage war er an ein Atemgerät angeschlossen, für das täglich 2.835 Dollar berechnet wird. Der Großteil der Summe geht jedoch auf den langen Aufenthalt auf der streng isolierten Intensivstation zurück, der mit 9.736 Dollar pro Tag zu Buche schlägt - Flor verbrachte 42 Tage dort, was sich auf 408.912 Dollar beläuft.

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