Vor Valencia-Doppel: Kein WM-Anwärter hat noch frischen Motor im Kontingent

Gerald Dirnbeck
·Lesedauer: 3 Min.

Für die 14 geplanten Rennen in der "Corona-Saison" 2020 wurde das Motorkontingent pro Fahrer auf fünf eingeschränkt. Nur KTM und Aprilia dürfen sieben Motoren verwenden. Vor dem letzten "Triple-Header" in Valencia und Portimao haben nur noch wenige Fahrer frische Motoren im Kontingent.

Klammert man KTM und Aprilia aus und blickt auf die Fahrer mit fünf Motoren, dann können nur noch die beiden Honda-Teamkollegen Alex Marquez und Stefan Bradl einen neuen Motor einsetzen. Bradl fährt mit dem Motorkontingent von Marc Marquez.

Sollte ein Fahrer von Honda, Yamaha, Suzuki und Ducati einen sechsten Motor einsetzen müssen, muss er bei diesem Rennen aus der Boxengasse starten. Das könnte in der entscheidenden Phase der WM eine zusätzliche Rolle spielen.

Suzuki in besserer Situation als Yamaha

Joan Mir (Suzuki) hat in Aragon 1 zum ersten Mal seinen fünften Motor verwendet. Das zweite Aragon-Rennen fuhr er allerdings wieder mit seinem ersten Motor, mit dem er die Saison in Jerez begonnen hat. Mir musste erst einen Motor aus seinem Kontingent zurückziehen.

Den Motor vom Spielberg-Crash verwendet Maverick Vinales immer noch

Den Motor vom Spielberg-Crash verwendet Maverick Vinales immer noch<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Den Motor vom Spielberg-Crash verwendet Maverick Vinales immer nochMotorsport Images

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Fabio Quartararo (Yamaha) hat offiziell noch keinen Motor zurückgezogen, wobei die beiden Motoren von Jerez 1 anschließend nie wieder zum Einsatz kamen. Sie waren für Analysen nach Japan geschickt worden.

Das traf auch auf den ersten Motor von Maverick Vinales zu. Sein erster Motor befindet sich zwar noch im Kontingent, kam nach dem dritten Freien Training in Jerez 1 nie wieder zum Einsatz. Sein zweiter Motor musste bereits nach dem ersten Jerez-Rennen aus dem Kontingent gestrichen werden.

Vinales musste bereits am ersten Jerez-Wochenende seinen dritten Motor verwenden. Seit Jerez 2 jongliert Yamaha bei Vinales und bei Quartararo mit den jeweils verbliebenen drei Motoren. Franco Morbdelli verlor einen Motor beim zweiten Jerez-Rennen durch einen technischen Defekt.

Ansonsten hat Morbidelli noch vier Motoren im offiziellen Kontingent, wobei er seit Misano die beiden gleichen Motoren in seinen beiden Motorrädern verwendet. Alle fünf Motoren hat noch Ducati-Werksfahrer Andrea Dovizioso im Kontingent.

Das ist die Situation bei den ersten fünf Fahrern in der Weltmeisterschaft. Wann welcher Motor eingesetzt wird, hängt auch von der Strecke, dem Wetter und natürlich der bisherigen Laufleistung eines Triebwerks ab.

Heißes Jerez war hart für alle Motoren

So erklärt Ducati-Fahrer Jack Miller: "Strategisch gesehen wollten wir für Aragon neue Motoren verwenden, weil es lange Gerade gibt. In Valencia und Portimao ist das nicht zwingend notwendig." Die härtesten Belastungen haben die Motoren schon hinter sich.

Speziell der Saisonbeginn hatte Auswirkungen auf die weiteren Motorplanungen. Im Juli war es im andalusischen Jerez viel heißer als zum normalen Renntermin im Mai. "Die heißen Rennen in Jerez waren für alle Hersteller und Motoren hart", sagt Miller.

Jerez war im Juli ein Härtetest für alle Motoren

Jerez war im Juli ein Härtetest für alle Motoren<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Jerez war im Juli ein Härtetest für alle MotorenMotorsport Images

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"Die Saison hat dann gleich sehr schwierig begonnen. Man hat den Motor bei beiden Rennen verwendet und beide Male betrug die Wassertemperatur mehr als 140 Grad Celsius. Das ist nicht ideal, die Motoren haben dadurch gelitten. Sie verlieren dadurch Performance."

Und das zog natürlich Auswirkungen nach sich. "Wenn man dann zur nächsten Strecke nach Brünn kommt, muss man sofort einen neuen Motor verwenden. Das Problem in Jerez war, dass die Strecke sehr eng und technisch ist."

"Dazu hat man viele Motorräder um sich. Man bekommt zusätzliche Temperatur von den anderen Motorrädern ab. Ich denke nicht, dass wir wieder im Juli nach Jerez gehen. Ich hoffe, das war nur eine einmalige Sache."

Jener Motor von Jack Miller, der in Misano 2 das Abreißvisier von Quartararo angesaugt hat, konnte übrigens weiterverwendet werden. Miller fuhr damit die Rennen in Barcelona und Le Mans. Erst danach wurde dieses Triebwerk aus dem Kontingent genommen, weil es im Le-Mans-Rennen einen Schaden gab.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.