Darum warf ein Sportgigant mit 26 hin

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Darum warf ein Sportgigant mit 26 hin
Darum warf ein Sportgigant mit 26 hin

"Wir haben Tennis gespielt, er hat irgendwas anderes gespielt" - Ilie Nastase hat das mal gesagt, es war der Versuch, die schier grenzenlose Überlegenheit von Björn Borg irgendwie zu beschreiben.

Die schwedische Legende, die heute 65 Jahre alt wird, ist der Tennis-Welt in bleibender Erinnerung geblieben: Der Eis-Borg, die Maschine, der Mann ohne Mienenspiel, mit diesen stahlblauen, eng beisammen liegenden Augen, die immer irgendwie melancholisch ins Leere starrten.

Sieben Jahre lang fegte der Mythos Björn Borg wie eine Urgewalt durch die Szene. Er gewann sechsmal die French Open und fünfmal Wimbledon, er war insgesamt 109 Wochen die Nummer eins. In 27 Grand-Slam-Turnieren gewann er 141 Matches und verlor gerade mal 16, nur bei den US Open siegte er nie (NEWS: Alles zum Tennis).

Mit John McEnroe, dessen heißblütige Emotionalität den perfekten dramaturgischen Kontrast zu seiner Coolness, lieferte er sich eine mittlerweile auch in Hollywood verewigte Rivalität - legendär vor allem das Tiebreak im Wimbledon-Finale 1980, das als "Die Schlacht von 18-16" in den Tennis-Geschichtsbüchern steht.

Was heute allerdings eher vergessen ist, ist die Art und Weise, wie Borgs Fabelkarriere endete.

Björn Borg machte 1983 nach einem Burnout mit 26 Schluss

Tatsächlich war Borg trotz allem auch nur ein Mensch und keine Maschine, der Leistungsdruck hinterließ auch bei ihm Spuren: Bei großen Turnieren konnte er oft nächtelang nicht schlafen, 1980 in Wimbledon brach er mit einem Weinkrampf in der Kabine zusammen. Borg erlitt - bevor das Wort geläufig geworden war - Burnout-Erscheinungen.

Schon in jungen Jahren geriet Borg in eine Motivations- und Schaffenskrise, spielte 1982 kaum, hätte gern einen auf die großen Turniere maßgeschneiderten Zeitplan gehabt, was damals jedoch an Problemen mit den Regularien scheiterte.

Im Januar 1983 schockte Borg dann die Sportwelt, als er mit 26 Jahren seinen Rücktritt erklärte - in einem Alter, in dem gerade im Tennis viele große Karrieren erst richtig Fahrt aufnehmen. Rivale McEnroe versuchte Borg zum Bleiben zu überreden, vergeblich.

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Comeback von Borg endete unrühmlich

Der frühe Rücktritt war der Grund, dass Borg den damals gültigen Grand-Slam-Rekord des Australiers Roy Emerson (12 Siege) nicht knackte - und warum er heute im ewigen Ranking zusammen mit Rod Laver (je 11) "nur" Sechster hinter Roger Federer, Rafael Nadal (je 20), Novak Djokovic (18), Pete Sampras (14) und Emerson ist.

Borg überlegte es sich dann schließlich doch noch mehrmals anders, bei keinem seiner Comeback-Anläufe fand er jedoch zu alter Klasse zurück.

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Eine vielbeachtete Rückkehr in Monte Carlo 1991 endete mit einem 2:6, 3:6 gegen den Spanier Jordi Arrese, 1993 war nach einer Niederlage gegen den 2019 verstorbenen Russen Alexander Volkov 1993 in Moskau endgültig Schluss.

Björn Borg machte erfolgreich in Mode

Borg hatte aufgrund seiner Erfolge dennoch ausgesorgt, lebte ein Luxusleben mit Wohnsitzen in Monaco, New York und an der schwedischen Küste. Seinen großen Namen hielt er auch präsent durch den Vertrieb von Mode, das nach ihm benannte Label "Björn Borg" vermarktet bis heute erfolgreich Unterhosen, Sneaker-Schuhe und Accessoires.

Nicht jede geschäftliche Unternehmung Borgs war jedoch so erfolgreich, zwischenzeitlich kämpfte Borg aufgrund von Business-Fehlschlägen gegen die Privatinsolvenz.

Seit 2002 ist Borg in dritter Ehe mit Patricia Östfeld verheiratet, der gemeinsame Sohn Leo Borg feiert in seiner eigenen Tennis-Karriere gerade erste Erfolge.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)

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