Die verhängnisvolle Hand des Tom Kunze

Die verhängnisvolle Hand des Tom Kunze
Die verhängnisvolle Hand des Tom Kunze

Die Hand, die für Tom Kunze das Ende aller Träume einläutete, ereignete sich mit noch 15 Spielern im Rennen um den Main Event Titel. Kunze war in diesem Moment der Chipleader, mit sicherem Kurs auf den Finaltisch. Der Norweger Espen Jorstad, mit einem soliden Chipstack ausgestattet, erhöht aus der frühen Position auf 1.6 Mio, den doppelten Big Blind. Kunze sitzt in mittlerer Position und schaut in eine Premiumhand: A♦️K♠️. Er hat viele Chips, er erhöht ein weiteres Mal auf 5.2 Mio. Alle weiteren Spieler passen, Jorstad wieder an der Reihe: Raise! Die sogenannte 4-bet auf 11.8 Mio. In den folgenden 60 Sekunden wird sich Kunze die unterschiedlichsten Gedanken gemacht haben. Ist das beim Norweger wirklich eine absolute Tophand? Ein Paar Könige? Ein Paar Asse? Da er selber Ass/König hält, ist die Wahrscheinlichkeit etwas geringer (aber natürlich nicht ausgeschlossen), dass der Gegner genau diese Tophände hält. Pokerspieler sprechen von sogenannten „Blockern“, die man hält und kalkulieren entsprechend. Würde Jorstad passen, wenn er ihn All-in stellt? Vermutlich würde er jedes Paar kleiner als Könige passen, denn es geht immerhin ums Turnierleben.

All-In und Call

Und tatsächlich stellt Kunze seinen Gegner All-In. Der Norweger bezahlt ohne zu zucken. Er hat A♥️A♣️, die beste Starthand. Die Asse halten, er verdoppelt, ist Chipleader und trägt die Führung bis zum Ende des Tages. Espen Jorstad ist hauptsächlich wegen dieser Hand der Chipleader am Finaltisch. Kunze hatte danach zwar noch über 24 Mio. Chips, doch nicht viel später endete sein Turnier. Ausgerechnet gegen Jorstad und obwohl er mit A♥️9♠️ die bessere Hand hielt gegenüber A♦️2♦️ des Norwegers. $410.000 für Platz 14, aber die große Frage in der Pokerwelt war: Muss man da mit Ass/König wirklich so viel riskieren?

Kann man gegen die 4-bet nicht einfach passen?

SPORT1-Kolumnist Martin Pott: „“Na klar tut es vom heimischen Sofa aus weh, wenn man live mit anschauen muss, wie Tom Kunze mit seinem 5-Bet All-In ungebremst in die Asse seines norwegischen Gegners läuft. Aber Tom blockt mit AK einerseits gegnerische Pocket Asse und Könige. Andererseits hat der Gegner ab und an auch mal Pocket Damen oder Buben, die er in dieser Phase des Turniers nach dem Move von Tom ablegen müsste.  AK in dieser Situation nach der 4-Bet des Norwegers zu passen...hm...denjenigen möchte ich erst einmal sehen. Es war ein maximal unglückliches Set-Up, dass bei konservativer Spielweise sicherlich vermeidbar gewesen wäre. Aber mit einer konservativen Spielweise landest du eben  definitiv nicht in Tag 7 beim prestigeträchtigsten Turnier des Jahres“.

SPORT1-Pokerexperte Jan Heitmann (Moderator der SPORT1-Akademie Poker) sieht es etwas anders:

„Kunze wird seinem Gegner ja in jedem Fall eine Range an Händen geben. Da ist die Frage, spielt der Norweger so mit Buben? Oder Damen? Oder Zehnern? Vermutlich nicht, da das Hände sind, mit denen man die 3-bet einfach bezahlen kann. Jetzt bleibt die Frage, hat der Norweger eine Bluffrange? Hat er da Hände wie Ass/Dame oder Ass irgendwas und spielt in der Situation einen Bluff? In der Theorie ist das möglich, Jorstad ist ein starker Spieler. Aber jetzt mit 15 Spielern im Main Event, knapp vor dem Finaltable? Es gibt noch andere Faktoren, aber im Kern geht es darum, hat der Norweger da eine Hand, die er gegen den 5-bet Push wegwirft. So weit man das aus der Ferne sagen kann, vermutlich eher nein. Ich glaube, Kunze wird da noch lange von träumen und sich in den Arsch beissen, dass er da nicht weggeworfen hat.“

Den Traum vom Finaltisch konnten sich dann am frühen Morgen Las Vegas Zeit 10 Spieler erfüllen. Den ursprünglichen Plan, auf neun Spieler runterzuspielen, mussten die Organisatoren um 6 Uhr in der Früh nach einer 17-Stunden-Schicht fallen lassen. In der kommenden Nacht wird dann auf vier Spieler runter gespielt. Am Tag darauf fällt die Entscheidung.

Chipleader ist der Norweger Espen Jorstad…..

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