Verhindert Bierhoff einen starken Bundestrainer?

Maximilian Schwoch
·Lesedauer: 3 Min.
Verhindert Bierhoff einen starken Bundestrainer?
Verhindert Bierhoff einen starken Bundestrainer?

Wer wird Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw?

Seit der Ankündigung Löws, nach der EM als Bundestrainer aufzuhören, wird in Fußball-Deutschland kein Thema so kontrovers diskutiert wie die Frage nach Löws Nachfolger. Hansi Flick, Ralf Rangnick, Stefan Kuntz, Lothar Matthäus – sogar Christian Streich wurde schon für eine Löw-Nachfolge ins Gespräch gebracht.

Doch für Fans und Fußballexperten geht es um mehr als nur um die Besetzung eines neuen Bundestrainers. Es geht auch darum, das zuletzt arg gebeutelte Image der Nationalmannschaft wieder aufzupolieren, bei den Fans die Leidenschaft und Sympathie neu zu entfachen. Da sind solche Aktionen wie die inszeniert wirkende T-Shirt-Aktion vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island nur bedingt hilfreich. 

Daum: "Kuntz ist ein Sympathieträger"

Kuntz wäre mit Sicherheit ein geeigneter Kandidat für den Bundestrainerposten. Das findet auch Christoph Daum: "Stefan hat schon als Spieler wie ein Trainer gedacht. Wir haben uns viel über Trainingsinhalte und Spielstrategien ausgetauscht. Er verfügt über alle Kriterien, die ich einem guten Trainer zuschreibe", beschrieb der langjährige Bundesliga-Trainer im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 die fachlichen Qualitäten des U21-Nationaltrainers.

Doch auch abseits des Platzes hält Daum Kuntz für passend. "Sein ganz großes Plus ist: Er ist ein absoluter Sympathieträger. Die Nationalmannschaft hat unglaublich an Ansehen verloren. Da könnte er sehr gute Arbeit leisten."

Kuntz selbst dementierte ein mögliches Engagement nicht. "Ich glaube, dass der DFB gesagt hat, dass er niemanden kontaktieren will, der bei einem anderen Verein einen Vertrag hat. Die Schlussfolgerung könnt ihr jetzt ziehen", sagte der 58-Jährige in einer Liveschalte in den Doppelpass.

Basler: "Bierhoff wird keinen Rangnick oder Matthäus holen"

Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig wäre die einfache, weil naheliegende Lösung. Auch SPORT1-Experte Mario Basler glaubt an Kuntz als Löw-Nachfolger. Das habe allerdings auch mit den Strukturen im DFB zu tun. "Ich glaube, dass Bierhoff sich keinen starken Mann an die Seite setzt. Er wird sich keinen Rangnick oder Matthäus holen, dann hat er nichts mehr zu sagen. Dann sitzt er nicht einmal bei der Pressekonferenz", erklärte Basler.

Verhindert Bierhoff also einen starken Bundestrainer? "Ich habe nicht gesagt, dass Kuntz ein schwacher Mann ist. Alle Wunschkandidaten haben abgesagt. Die logische Konsequenz ist für mich, dass ein U21-Trainer die Chance bekommt. Für mich wird Kuntz Nationaltrainer", ist sich Basler sicher.

Auch der Name Rangnick wurde auch in der Doppelpass-Runde intensiv diskutiert. Der ehemalige Trainer und Sportdirektor von RB Leipzig würde die Dinge beim DFB ordentlich umkrempeln und dringend benötigte Reformen vorantreiben. Und da genau liegt das Problem. "Es ist nicht nur Oliver Bierhoff. Die Strukturen im DFB werden Rangnick nicht zulassen", urteilt SPORT1-Experte Marcel Reif.

Installiert Bierhoff interne Lösung?

Er brach allerdings auch eine Lanze für Kuntz. "Es ist unfair zu sagen, Kuntz sei die billigste Lösung. Er hat seine Kompetenz und ich glaube, dass es so kommen wird. Aber die andere Sache hätte einen anderen Charme."

Doch diesem Charme dürfte Bierhoff im Weg stehen. Bierhoff und Rangnick zusammen dürften nicht funktionieren, da war sich auch die Dopa-Runde einig. Rangnick selbst hatte in dem möglichen Zusammenspiel der beiden kein Hindernis gesehen. "Eine Zusammenarbeit mit Oliver Bierhoff würde ich durchaus fruchtbar sehen."

Bei den Fans herrscht Sehnsucht nach einer Figur wie Rangnick oder Jürgen Klopp, die eine Aufbruchstimmung erzeugen kann. Auch Lothar Matthäus trauen viele Fans die Nachfolge Löws zu.

Bierhoff aber verspürt eigenen Angaben zufolge auch nicht den unbedingten Druck, eine externe Lösung installieren zu müssen. "Wir haben auch DFB-intern gute Lösungen. Das lässt einen ein bisschen ruhiger sein. Das ist auch unser Ziel. Ziel sollte es immer sein, gute Trainer aufzubauen und sie auch für die Bundesliga zur Verfügung zu stellen", sagte Bierhoff bei einer Pressekonferenz vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island auf SPORT1-Nachfrage.

Kuntz wäre so eine interne Lösung. Bierhoffs Vorteil: Beide kennen sich gut, wurden 1996 gemeinsam Europameister. Zudem ist Kuntz bestens in die bisherigen DFB-Strukturen integriert, auch in Sachen Nachwuchsstrukturen.

Grundlegende Veränderungen in der sportlichen Struktur des DFB dürften dann allerdings eher nicht zu erwarten sein.