Auch bei Verkauf des Teams: Marke Williams soll nicht verschwinden

Christian Nimmervoll
motorsport.com

Selbst wenn das Williams-Team verkauft werden sollte, könnte der traditionsreiche Name des Rennstalls erhalten bleiben. Das ist zumindest der Wunsch von Teamchefin Claire Williams. Sie wisse zwar nicht, was zukünftige Investoren vorhaben. "Aber ich weiß, dass die Marke Williams enorm wertvoll ist", sagt die Britin.

"Sportfans auf der ganzen Welt, weit über die Formel 1 hinaus, lieben die Marke Williams. Williams steht für etwas, und ich bin mir sicher, dass etwaige Investoren das anerkennen würden", so die Teamchefin. Konkrete Aussagen zur zukünftigen Namensgebung könne sie aber nicht treffen, solange die Zukunft in der Schwebe hängt: "Es ist viel zu früh für solche Spekulationen."

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Ende Mai hatte Williams, wirtschaftlich schwer gebeutelt, angekündigt, dass man das Unternehmen einer strategischen Neuausrichtung unterziehen muss. Drei mögliche Szenarien wurden dabei präsentiert. Erstens: Bestehende Shareholder pumpen frisches Geld ins Team. Zweitens: ein Teilverkauf von Williams-Aktien. Drittens: ein Totalverkauf.

Dass die Williams-Familie dazu bereit ist, die Kontrolle abzugeben, wird von Beobachtern als verzweifelter Schritt gewertet. Claire Williams widerspricht: "Wir, die Williams-Familie, haben das Formel-1-Team immer an erste Stelle gestellt. Und dieser Schritt ist richtig und vernünftig, um die Zukunft des Teams zu sichern und die Menschen, die für uns arbeiten, zu schützen."

Anders als McLaren hat Williams unter dem Druck der Coronakrise bisher keine Mitarbeiter entlassen. "Frank war immer wichtig, dass das Team, sein Business und seine Leute an erster Stelle stehen", unterstreicht Claire Williams. "Genau danach handeln wir jetzt. Und Frank war immer wichtig, konkurrenzfähig zu sein." Dafür benötige man ein Investment von außen.

Auf dem Markt tummeln sich mehrere Parteien, die an einem Formel-1-Team interessiert sein könnten. Der russische Geschäftsmann Dmitri Masepin ist so jemand. Adrian Campos ebenfalls. Und sogar US-Motorsportmogul Roger Penske wurde in jüngerer Vergangenheit gerüchteweise mit der Formel 1 in Verbindung gebracht (wenn auch nicht mit Williams).

Wie dem auch sei: Williams möchte die Neuausrichtung innerhalb der nächsten drei Monate abschließen. Das sei ambitioniert, aber möglich. Gleichzeitig beruhigt die Teamchefin: "Wir sind ausreichend finanziert, um diese Saison zu bestreiten." Und zwar vom ersten bis zum (noch nicht feststehenden) letzten Rennen.

Übrigens: Frank Williams ist zwar aufgrund seines Gesundheitszustands längst nicht mehr operativer Teamchef. Aber er ist über die Situation voll informiert: "Er weiß genauso Bescheid wie alle anderen", sagt seine Tochter. "Frank weiß, was los ist, und erfährt von jeder Entscheidung, die der Vorstand trifft. Und er unterstützt diese Entscheidung."

Mit Bildmaterial von LAT.

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