Verlängert Boateng doch? Sein Berater lässt aufhorchen

Florian Plettenberg
·Lesedauer: 4 Min.

Er sollte weg und will nun sogar langfristig bleiben.

Jérôme Boateng hat sich beim 6:2-Auswärtserfolg beim FC Salzburg mit einem wuchtigen Kopfballtor zum 3:2 für seine starken Leistungen in den vergangenen Monaten belohnt.

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Dementsprechend groß war die Freude bei Boateng, seinen Mitspielern und auf der Trainerbank. Denn eben dort sitzt mit Hansi Flick ein Cheftrainer, der den 32-jährigen Weltmeister von 2014 vor einem Jahr zu alter Stärke zurückgeführt hat.

Boateng arbeitete an seinen körperlichen Defiziten, bestätigte das Vertrauen von Flick mit Top-Leistungen, wurde in der vergangenen Saison zum Triple-Faktor und knüpft auch in der noch jungen Saison an seine herausragende Vorsaison an.

Boateng immer noch bockstark, bleibt er sogar langfristig beim FC Bayern?

Sein Vertrag läuft am 30. Juni 2021 aus. Im kommenden Sommer wäre der Innenverteidiger somit ablösefrei. Ab dem 1. Januar darf der Spieler offiziell mit anderen Vereinen verhandeln.

Boateng denkt an Verlängerung bei den Bayern

Bislang machten die Bayern noch keine Anstalten, mit dem Routinier zu verlängern. Auch Boateng hielt sich in Zukunftsfragen bislang öffentlich zurück. Aber SPORT1 erfuhr: Ein Vertragsverlängerung beim FC Bayern kann sich Boateng absolut vorstellen!

Stellvertretend für seinen Schützling meldet sich nun sein Berater Damir Smoljan (Lian Sports) erstmals ausführlich zu Wort und lässt aufhorchen.

"Wir sind offen für Vertragsgespräche. Die Zukunft ist spannend. Wir freuen uns, wenn wir die Gespräche mit Bayern führen. Jérôme fühlt sich unglaublich wohl hier. Die Mannschaft ist unglaublich fokussiert und professionell. All das passt zu Jérôme", sagt Smoljan im Gespräch mit SPORT1.

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Den Bayern legt er eine Vertragsverlängerung mit dem formstarken Abwehr-Hünen sogar ans Herz: "Seine Erfahrung und Einstellung hilft jeder Top-Mannschaft. Jeder junge Spieler kann davon profitieren. Seine Leistung ist seit Monaten sensationell."

Unter Flick absolvierte Boateng 36 Pflichtspiele (2715 Einsatzminuten). Dabei gelangen ihm ein Tor und zwei Assists. In der laufenden Saison rotierte Flick auf der Position des halbrechten Innenverteidigers zwischen ihm und Niklas Süle, der aufgrund einer Corona-Erkrankung aktuell ausfällt.

Matchwinner in Salzburg

In Salzburg avancierte Boateng am Dienstagabend zu einem der stärksten Spieler auf dem Platz (SPORT1-Note 2). Viele brenzlige Situationen entschärfte er mit einem routinierten Stellungsspiel und Zweikampfverhalten.

Auf SPORT1-Nachfrage sagte Flick zu Boatengs Formhoch: "Das hat was mit dem Training und seiner professionellen Einstellung zu tun. Das ist schön zu sehen. Wir sind alle froh, dass er die letzten Monate an sich gearbeitet und viel aufgeholt hat. Er hat uns in Salzburg den Weg für den klaren Erfolg geebnet. Das Tor war ganz wichtig. Er hat seine Sache sehr gut gemacht."

Mitte August sagte Boateng: "Wichtig ist, dass man das Vertrauen vom Trainer bekommt, Spaß am Fußball hat und sich wohlfühlt. Das ist alles gegeben. Ich kann wieder zeigen, was ich kann. Ich genieße jede Sekunde und jede Reise mit dem FC Bayern. Es ist ein unheimlich tolles Gefühl. Es macht Spaß, ein Teil des FC Bayern zu sein."

Bleibt er es auch über die Saison hinaus? Ausgeschlossen ist das nicht, denn die Vorzeichen haben sich drastisch verändert. Top-Transfers in Millionenhöhe stehen aufgrund der Corona-Krise auch beim FC Bayern nicht mehr auf der Tagesordnung. David Alaba steht nach dem zurückgezogenen Vertragsangebot 2021 vor einem Abschied.

Niklas Süle muss sich nach seinem Kreuzbandriss erst wieder zur Topform zurückarbeiten. Lucas Hernández wurde als Innenverteidiger geholt, konnte innen aber noch nicht hundertprozentig überzeugen. Benjamin Pavard würde langfristig gerne im Zentrum der Defensive spielen, hat seine Bayerntauglichkeit dort aber noch nicht unter Beweis stellen können.

Aufschwung unter Flick

Tanguy Nianzou ist ein Versprechen für die Zukunft. Boateng hingegen ist derzeit eine der wenigen Konstanten in der Innenverteidigung.

Und all das, obwohl ihm Ex-Präsident Uli Hoeneß Ende Mai 2019 sogar einen Wechsel nahelegte ("Er wirkt wie ein Fremdkörper"). Ein Wechsel zu Juventus Turin scheiterte im vergangenen Sommer in letzter Sekunde. Seine Leistungen waren inkonstant.

Mit Flicks Übernahme im November 2019 folgte dann seine sprichwörtliche Auferstehung. Der Ex-Nationalspieler arbeitete in der Winterpause an seiner Fitness und nahm mehrere Kilo ab. Genauso, wie es Flick von ihm eingefordert hatte. Yoga und private Fitnesstrainer halfen ihm dabei. Seine Leistungen wurden immer besser. Die Rufe nach seinem Comeback in der deutschen Nationalmannschaft immer lauter.

"Wenn man hinfällt und so wieder zurückkommt, das ist der Unterschied zwischen einem Top-Spieler und einem Top-Top-Spieler. Nur wenige Spieler in seinem Alter können ihren Körper so quälen, um wieder auf dieses Level zu kommen. Chapeau, Jérôme", sagt Smoljan und fügt hinzu: "Ich bin sehr stolz, mit so einem Profi und Menschen zusammenzuarbeiten. Selten habe ich so einen höflichen Fußballer wie ihn getroffen. Er ist sehr inspirierend und ein toller Familienmensch."

Macht er so weiter, könnte er mit einem neuen Vertrag in seiner Bayern-Familie belohnt werden.