Verstappen auf Schumachers Spuren

Zumindest einen Rekord hat Ferrari Max Verstappen in Spa schon versaut - wenn auch auf andere Art und Weise, als sich die Scuderia das gewünscht hätte. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Denn selbst wenn Red Bulls WM-Spitzenreiter den Großen Preis von Belgien am Sonntag (ab 15 Uhr im LIVETICKER) nach seiner Motorstrafe vom 14. Platz aus noch gewinnen sollte: Michael Schumacher gelang dieses Kunststück im Benetton 1995 auf der Ardennen-Achterbahn sogar von Platz 16.

Auf diesem steht am Sonntag aber Charles Leclerc. Weil der Ferrari-Pilot (muss wie sechs weitere Fahrer ebenfalls mit Motorstrafe zurück) Verstappen im Qualifying nicht das Wasser reichen kann, startet er noch hinter dem Niederländer in den ersten Grand Prix nach der Sommerpause. Schlimmer aber: 0,888 Sekunden fehlen Leclerc auf Verstappens Pole-Zeit.

Leclerc von Verstappen alarmiert

„Ich wäre nach dem Abstand heute ehrlich gesagt überrascht, wenn wir morgen auf einmal gleich schnell wie sie sind“, räumt Leclerc mit Blick auf die Rennpace ein. Der Monegasse ist vielmehr alarmiert: „Der Rückstand auf Max ist schon etwas besorgniserregend. Sie sind extrem schnell hier und wir können uns nicht ganz erklären warum. Scheinbar haben sie etwas gefunden für dieses Wochenende.“

Leclerc, dessen Rückstand in der WM auf Verstappen ohnehin schon 80 Punkte beträgt, muss einräumen: „Egal, was wir heute gemacht hätten, an unserer Startposition (im Vergleich zu Verstappen; Anm. d. Red.) hätte das nichts geändert. Unser Auto war heute einfach nicht auf ihrem Level.“ (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Nicht nur Ferrari, auch die übrige Konkurrenz staunt nicht schlecht über Red Bulls Speed in den Ardennen. Mercedes-Star Lewis Hamilton zeigte sich schon am Teamfunk völlig desillusioniert, als ihm sein Ingenieur den Rückstand auf Verstappen mitteilt: „1,8 Sekunden?“, fragte der Brite ungläubig.

Russell glaubt an Verstappen-Sieg

Silberpfeil-Teamkollege George Russell lehnt sich angesichts dieser Zahlen wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn er glaubt: „Ich denke, Max wird morgen durchs Feld pflügen und das Rennen wahrscheinlich ziemlich komfortabel gewinnen.“

Nico Hülkenberg sieht das ähnlich. Aston Martins Reserve-Pilot sagt in seiner Funktion als Experte bei ServusTV: „Max ist morgen noch fast alles zuzutrauen. Das Podium ist realistisch, bei einem Safety-Car später im Rennen kann sogar der Sieg für ihn drin sein.“ (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Auffällig: Auch die Verantwortlichen bei Red Bull kommen aus dem Strahlen nach dem Qualifying gar nicht heraus. „Max‘ Zeit (in Q3; Anm. d. Red.) war so gut, er musste nicht mal einen zweiten Run fahren“, frohlockt Teamchef Christian Horner und grinst: „Wir konnten damit etwas das Kilometer-Konto des Motors schonen. So früh auszusteigen und fertig zu sein, das ist psychologisch schon gut.“

Marko von Red Bull begeistert

Red-Bull-Chefberater Helmut Marko erklärt: „Wir sind überrascht, wie toll alles gelaufen ist. Mit diesem Speed-Überschuss sollte es unter normalen Verhältnissen auch nicht lange dauern, bis Max morgen nach vorne kommt.“ Für seinen Weltmeister hat der Österreicher nur Bewunderung übrig: „Er ist derartig in Form, hat so ein souveränes Auftreten und eine Selbstsicherheit, das wird schwer für die anderen.“

Zwar gilt Spa als ausgemachte Fahrerstrecke - doch allein damit ist Verstappens Deklassierung der Konkurrenz wohl kaum zu erklären. Wo also holt Red Bull auf einmal die Pace her?

„Es ist die Effizienz. Der Red Bull funktioniert hier einfach sehr gut, das Verhältnis zwischen Abtrieb, Luftwiderstand und der Balance mit den langgezogenen Kurven auf dieser Strecke, das passt einfach wie die Faust aufs Auge“, glaubt Hülkenberg. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

„Von Red Bull ist das schon ein Statement. Ein unglaublicher Job und ziemlicher Knaller, so aus der Sommerpause zu kommen - zumal sie kaum Updates mitgebracht, sondern einfach nur das Auto feingetunt haben“, sagt Ex-F1-Pilot Paul di Resta. Dem Schotten ist aufgefallen: „Erstmals dieses Jahr hat Red Bull mehr Downforce als Ferrari, daher kommen auch ihre guten Zeiten im Mittelsektor.“

Schumachers Aufholjagd bleibt einzigartig

Das Problem für die Roten aus Maranello ist aber: „Red Bull hat trotzdem immer noch einen starken Topspeed. Ferrari ist hier hingegen voll auf Höchstgeschwindigkeit gegangen, sie haben ein ähnliches Paket wie beispielsweise schon in Kanada, weil sie hier wegen der Strafe wieder viel überholen müssen“, so di Resta.

Auch in Montreal musste Leclerc nach Motorstrafe von hinten durchs Feld pflügen, wurde immerhin Fünfter.

Zumindest diese Aufholjagd, da sind sich die Experten einig, dürfte Verstappen am Sonntag wohl toppen - wenn es schon nicht die von Schumi vor 27 Jahren sein kann.

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