Vertrag unterschrieben: Daniel Ricciardo wechselt von Renault zu McLaren!

Christian Nimmervoll
motorsport.com

Trotz der rennfreien Corona-Krisenzeit geht es in der Formel 1 derzeit Schlag auf Schlag. Nachdem 'Motorsport-Total.com' am Montagabend Sebastian Vettels Abschied von Ferrari und am Mittwochmorgen den Wechsel von Carlos Sainz zur Scuderia exklusiv vermeldet hat, steht nun der nächste prominente Fahrertransfer fest: Daniel Ricciardo wechselt 2021 von seinem derzeitigen Arbeitgeber Renault zu McLaren.

Am Mittwoch hatten mehrere deutschsprachige Internetportale übereinstimmend vermeldet, dass Sebastian Vettel das McLaren-Cockpit von Sainz übernehmen wird. Nicht zuletzt aufgrund seiner Verbindung zu Teamchef Andreas Seidl, den er aus gemeinsamen BMW-Zeiten in der Formel 1 gut kennt und schätzt. Doch die Vettel-McLaren-Storys haben sich jetzt als falsch entpuppt.

Bereits am späten Montagabend verdichteten sich Indizien, dass Ricciardo neuer Teamkollege von Lando Norris bei McLaren werden könnte. Am Mittwoch berichtete dann der italienische Journalist Leo Turrini in einem Radiointerview davon. Später sprang auch die 'BBC' auf den Zug auf. Die berichtete aber, dass es noch "keine finale Einigung" gebe. Das war zu dem Zeitpunkt nicht mehr korrekt.

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Laut Informationen von 'motorsport.com' hat Ricciardo Renault am Mittwochmorgen offiziell darüber informiert, dass er seinen Ende 2020 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Die Unterschrift unter dem McLaren-Vertrag ist bereits trocken. Mit einer offiziellen Bestätigung des Transfers wird im Laufe des Donnerstags gerechnet.

Ricciardo, McLaren und Mercedes: Eine Siegerkombination?

Vorerst gibt man sich bei McLaren, von 'motorsport.com' mit den Recherchen konfrontiert, bedeckt. Man äußere sich generell nicht zu Vertragsangelegenheiten, heißt es auf Anfrage. Auch den laut Story vom Mittwoch unmittelbar bevorstehenden Abschied von Sainz in Richtung Ferrari kommentiert das britische Team nicht.

Ricciardos Wechsel zu McLaren stand bereits fest, bevor klar war, dass Sainz zu Ferrari gehen würde. Zwar endet Sainz' McLaren-Vertrag grundsätzlich Ende 2020; allerdings hätte ihn das Team mittels Option auch 2021 behalten können. Das spießt sich mit inakkuraten Berichten in spanischen Medien, wonach McLaren bis zuletzt eine Gehaltserhöhung geboten haben soll, um Sainz zu halten.

Erst als McLaren Klarheit darüber hatte, dass Wunschkandidat Ricciardo den Vertrag wirklich unterschreiben würde, erteilte der britische Rennstall die Freigabe für den Sainz-Wechsel zu Ferrari. Dass zwischendurch von manchen berichtet wurde, Vettel sei McLarens erste Wahl, kam den Entscheidern in Woking als mediales Ablenkungsmanöver gelegen.

Für Ricciardo ist McLaren nach der sportlich enttäuschend verlaufenen Saison 2019 (WM-Neunter, ein vierter Platz in Monza als bestes Einzelergebnis) und wenig verheißungsvollen Wintertests 2020 mit dem neuen R.S.20 eine offensichtliche Wahl. Nicht nur, weil das einstige Erfolgsteam von Größen wie Alain Prost, Ayrton Senna oder Mika Häkkinen 2021 wieder mit Mercedes-Motoren fahren wird.

Seit Teamchef Seidl und Technikdirektor James Key Anfang 2019 das Ruder in Woking übernommen und Superstar Fernando Alonso und Motorenpartner Honda das Weite gesucht haben, geht es bei McLaren aufwärts. 2017 noch mit 30 Punkten Neunter in der Konstrukteurs-WM, 2018 (62 Punkte) immerhin schon Sechster, gelang 2019 mit 145 Zählern ein starker Turnaround.

Ricciardo und McLaren: Schon 2018 verhandelt

Dazu kommt, dass Renault zwar 2018 alle Hebel in Bewegung gesetzt, in eine generalsanierte Fabrik in Enstone und umgerechnet 50 Millionen Euro für zwei Jahre in Ricciardo investiert hat; aber das Formel-1-Programm aufgrund eines Sparprogramms im Konzern auf dem Prüfstand steht. Und das nicht erst seit Beginn der Coronakrise.

Ricciardo gilt als Wunschkandidat von Teamchef Seidl und McLaren-CEO Zak Brown, der mit dem Australier schon 2018 Vertragsverhandlungen geführt hat. Ricciardo wollte vor zwei Jahren eigentlich zu Ferrari wechseln, wurde dort aber von Charles Leclerc ausgebremst. Auch seine Hoffnung auf eine Chance bei Mercedes erfüllte sich nicht.

Was medial weniger präsent war, war, dass er schon damals in Kontakt mit Brown und McLaren stand, letztendlich aber zu Renault wechselte. McLaren war zu dem Zeitpunkt noch Renault-Kundenteam. Die Formkurve der vergangenen beiden Jahre führte bei Ricciardo offenbar zur Erkenntnis, dass er im Sommer 2018 auf das falsche Pferd gesetzt hat.

Der 30-Jährige debütierte 2011 im HRT-Team von Colin Kolles als Red-Bull-Junior in der Formel 1 und wurde 2012 und 2013 bei Toro Rosso für das A-Team von Red Bull aufgebaut. Dort besiegte er 2014 auf Anhieb den viermaligen Weltmeister Vettel mit 3:0 Siegen und 238:167 Punkten. Gegen Max Verstappen zog er von 2016 bis 2018 nur knapp den Kürzeren (4:5 Siege und 578:608 Punkte).

Für Vettel bedeutet die Ricciardo-McLaren-News, dass die Optionen auf eine Fortsetzung der Formel-1-Karriere immer überschaubarer werden. Im Podcast 'Starting Grid' am Dienstagabend war die Zukunft des scheidenden Ferrari-Piloten und ein möglicher Rücktritt nach Ende der Saison 2020 zentrales Thema. Mehr dazu im Audioplayer auf unserem Schwesterportal 'Motorsport-Total.com'.

Mit Bildmaterial von LAT.

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