Vetter: „Wäre verschwendete Lebensenergie“

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Vetter: „Wäre verschwendete Lebensenergie“
Vetter: „Wäre verschwendete Lebensenergie“

Er zählt vielleicht zu Deutschlands größten Gold-Hoffnungen bei Olympia!

Johannes Vetter ist im Speerwurf aktuell die unangefochtene Nummer eins und schleudert das Sportgerät regelmäßig über die 90-Meter-Marke - was in diesem Jahr noch keinem seiner Konkurrenten gelungen ist. (NEWS: Alles zur Leichtathletik)

Damit ist der 28-Jährige der legitime Anwärter auf die Nachfolge von Thomas Röhler, der 2016 in Rio de Janeiro mit 90,30 Metern Gold für den DLV geholt hatte.

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Neben seiner Rolle als Favorit im olympischen Speerwurf-Wettbewerb spricht der Dresdner im SPORT1-Interview über die Bedingungen in Tokio und wie er mit der Corona-Situation umgeht.

SPORT1: Herr Vetter, wie ist der Plan bis zu Ihrem Tokio-Start?

Johannes Vetter: Wir fliegen erst nach Miyazaki ins Trainingslager, bleiben dort sechs, sieben Tage – und von dort geht es dann nach Tokio. (NEWS: Alles zu Olympia 2021)

SPORT1: Das Speerwurf-Finale findet erst am vorletzten Olympia-Tag statt. Ist es nervig, wenn die Kollegen schon ihre Wettkämpfe bestreiten, man selbst aber bis zum Schluss warten muss?

Vetter: Eigentlich nicht. Es ist cool, wenn man vor dem Wettkampf ein bisschen beschäftigt ist und die Wettkämpfe der anderen verfolgen kann. Das lenkt gut ab und hoffentlich kann man sich dann gemeinsam über den ein oder anderen deutschen Erfolg freuen. Das kann einen natürlich pushen. Aber der Fokus wird dann automatisch kommen, so dass es mir egal ist, an welchem Tag ich dran bin.

Vetter: „Verschwendete Lebensenergie, sich jetzt verrückt zu machen“

SPORT1: Selten zuvor gab es im Speerwurf solch eine Dominanz, wie Sie sie in den vergangenen Wochen und Monaten an den Tag legten. Wie schwer ist es, mental mit der Rolle des Favoriten zurechtzukommen?

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Vetter: Eigentlich gar nicht. Ich weiß, was ich draufhabe und kenne mein Potenzial. Das Meeting in Gateshead war auch noch mal eine schöne Generalprobe. Trotz des eigentlich beschissenen Wettkampfes war es eine gute Gelegenheit zu sehen, dass ich es – egal wie die Bedingungen sind – im letzten Versuch hinbekomme, den Spieß noch einmal umzudrehen. Dafür habe ich noch weitere Beispiele aus diesem und dem letzten Jahr, wo ich es trotz schwieriger Bedingungen geschafft habe, weit zu werfen. Ich mache mir überhaupt keinen Druck, bin noch relativ entspannt und versuche, das beizubehalten. Ich glaube, es wäre verschwendete Lebensenergie, sich jetzt schon verrückt zu machen.

SPORT1: In Tokio werden die Wetterbedingungen vermutlich schwül-heiß sein. Spielt das im Wettkampf eine Rolle?

Vetter: Auch darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, das werde ich vor Ort sehen. Vielleicht kann man sich dadurch zehn Minuten vom Warum-Up sparen, weil man schnell ins Schwitzen gerät (lacht). Aber die Bedingungen sind ja für alle gleich…

Vetter: Olympia auch ohne Zuschauer besonders

SPORT1: Von Ihren Konkurrenten hat noch kein einziger in dieser Saison die 90 Meter geknackt, während Sie reihenweise über diese Marke kamen. Glauben Sie, dass es in Tokio trotzdem zu Überraschungen kommt – wie im Speerwurf schon öfter gesehen?

Vetter: Ich habe leider keine Glaskugel vor mir liegen (lacht). Überraschungen kann es immer geben, aber wir sind im Bereich von „hätte, hätte, Fahrradkette“. Ich ziehe meinen Stiefel durch und bin mir sicher, dass – wenn ich einen guten Wurf über 90 Meter erwische – die ganze Sache geritzt ist.

SPORT1: Die Rahmenbedingungen in Tokio werden coronabedingt komplett anders sein als bei den Spielen davor. Freuen Sie sich trotzdem auf die Spiele oder graut Ihnen eher davor?

Vetter: Ich glaube, dass wir alle sehr professionell und hoffentlich auch pragmatisch mit der Situation umgehen. Es ist jetzt so wie es ist – und ich glaube, dass man auch ein bisschen Dankbarkeit zeigen kann. Letztes Jahr wurden die Spiele verschoben, es stand die komplette Absage im Raum. Jetzt finden die Olympischen Spiele endlich statt, obwohl es so krass auf der Kippe stand. Ich glaube, dass bei den meisten Athleten erstmal die Freude überwiegt, überhaupt starten zu können. Es ist der Traum eines jeden Sportlers – und sie finden statt. Das ist doch schon mal was!

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