Virales Foto von BLM-Demo: "Es geht nicht um Schwarz gegen Weiß"

Moritz PiehlerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland
Das symbolträchtige Foto: Patrick Hutchinson trägt einen verletzten rechten Gegendemonstranten auf den Schultern in Sicherheit. (Bild: Luke Dray/Getty Images)
Das symbolträchtige Foto: Patrick Hutchinson trägt einen verletzten rechten Gegendemonstranten auf den Schultern in Sicherheit. (Bild: Luke Dray/Getty Images)

Das Bild, das von den Antirassismus-Protesten in London um die Welt ging, war kein gewalttätiges. Und trotzdem hat das virale Foto eine immense Durchschlagskraft.

Auf dem Foto ist zu sehen, wie ein kräftiger Schwarzer einen offensichtlich verletzten glatzköpfigen weißen Mann auf seinen Schultern durch eine Masse von Demonstrierenden trägt. Er hat sich den leblos wirkenden Mann über die Schulter geworfen und wird von einem Halbkreis aus weiteren schwarzen Demonstranten geschützt, die ihm den Weg durch die Menschenmenge bahnen. Dahinter folgt ein weiterer maskierter Begleiter, der die Arme schützend über den Kopf des Verletzten hält. Was dieses Foto besonders macht, ist, dass der verletzte Mann Teil der rechten Gegendemonstration war, die sich in London versammelt hatte, angeblich um Denkmäler zu schützen.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Petition: Bürgerkriegs-Denkmäler sollen durch Statuen von Dolly Parton ersetzt werden

In der Folge der antirassistischen “Black Lives Matter”-Proteste nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd durch Polizeigewalt kam es auch in Großbritannien zu einer Diskussion über den Umgang mit dem rassistischen Erbe der Kolonialzeit. Dabei wurden unter anderem die zahlreichen Statuen aus dieser Zeit in Frage gestellt, die noch immer in vielen Städten an zentralen Orten stehen. In Bristol wurde ein Denkmal für den Sklavenhändler Edward Colston von Demonstranten im Hafenbecken versenkt.

Am Wochenende hatten sich rechte Demonstranten versammelt, um diese Statuen zu schützen. Am Rande dieser Demos kam es zu Zusammenstößen mit den “Black Lives Matter” Protesten. In London hatten die sogenannten “Statuenschützer” nach dem Ende beider Demonstrationen am Samstag Polizei und Anti-Rassismus-Demonstranten angegriffen, wie britische Medien berichteten. Beide Demonstrationen hatten gegen die geltenden Versammlungsregeln der britischen Regierung wegen der Corona-Pandemie verstoßen. Zu Verhaftungen kam es aber erst nach den von den Rechten provozierten Ausschreitungen.

“Wir haben ein Leben gerettet”

Der verletzte Mann gehörte zu den rechten “Statuenschützern”, der Personaltrainer Patrick Hutchinson trägt ihn auf seinen Schultern. Nachdem das Foto um die Welt ging, hat sich Hutchinson nun auch selbst zu Wort gemeldet. Auf seinem Instagram-Account teilte er eines der Bilder und schrieb dazu: “Wir haben heute ein Leben gerettet.” Der Mann habee zusammengekrümmt auf den Stufen einer Steintreppe gelegen. Die Gruppe hätte den verletzten Mann zunächst umringt und beschützt und ihn dann zur Polizei in Sicherheit gebracht. “Hier geht es nicht um Schwarz gegen Weiß, sondern um alle gegen die Rassisten”, schrieb Hutchinson. Sie hätten diejenigen geschützt, die es brauchten.

Bei einem Interview mit dem britischen Sender Channel 4 News erklärte der Personal Trainer sein Handeln: “Wenn die anderen drei Polizisten, die bei der Ermordung von George Floyd dabei standen, darüber nachgedacht hätten, einzuschreiten, wäre George Floyd heute noch am Leben.” Sein Fokus sei aber hauptsächlich gewesen, eine Katastrophe zu verhindern.

Atlanta: Von hinten erschossen

Dem US-amerikanischen TV-Sender CNN sagte Hutchison: “Sonst ändert sich das Narrativ plötzlich zu ‘Youngsters töten Demonstranten’. Das ist genau die Nachricht, die wir vermeiden wollen.” Diese Welt sei schon besser, als die Welt seiner Eltern und Großeltern, sagte Hutchinson in dem Interview. Aber er wolle wirkliche Gleichberechtigung für jeden Menschen: “Ich bin selbst Vater und Opa und ich würde liebend gerne sehen, dass meine Kinder und meine Enkel, meine Nichten und Neffen in einer besseren Welt leben, als die, in der ich gelebt habe.”

Video: Statue von Leopold II. erhitzt die Gemüter in Kinshasa

Lesen Sie auch