Virologen warnen: F1-Fahrer müssen vor jedem Rennen fünf Tage in Quarantäne

Juliane Ziegengeist
motorsport.com

Nachdem im Zuge der Corona-Pandemie zehn Formel-1-Rennen verschoben und abgesagt werden mussten, setzt Liberty Media alles daran, die Saison Anfang Juli in Spielberg neu zu starten. Ein striktes Sicherheitskonzept mit regelmäßigen Tests soll dafür sorgen, dass Fahrer und Teams zum Renntrieb zurückkehren können.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn erklärte dazu jüngst, dass "jeder getestet wird und eine Freigabe erhält, bevor er ins Fahrerlager gehen kann". Experten gehen laut 'The Independent' sogar noch einen Schritt weiter: Das gesamte Personal müsse bis zu fünf Tage lang in Isolation gehalten und in dieser Zeit dreimal getestet werden.

Erst dann könne wirklich Entwarnung gegeben werden. Dr. Jeremy Rossman, Virologe an der Universität von Kent, erklärt den Grund dafür: "Die derzeitigen Tests sind nicht empfindlich genug, um Infektionen innerhalb der ersten Tage nach der Infektion nachzuweisen." Erst nach drei bis fünf Tagen sei das der Fall.

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Top-Virologen weisen auf längere Inkubationszeiten hin

Aus Sicht des Virologen könnte nur ein dreimaliger Test über einen Zeitraum von fünf Tagen hinreichende Gewissheit darüber geben, dass die meisten Menschen nicht infiziert sind. Anschließend müssten alle während der gesamten Veranstaltung isoliert werden. Das entspricht der Idee einer "Biosphäre", wie sie Brawn beschreibt.

Ein Restrisiko bleibt. So warnt Marc van Ranst, der als Virologe die Uefa berät, im Gespräch mit 'ITV News', dass "selbst bei diesem strengen Testverfahren wahrscheinlich eine Person mit einer verlängerten Inkubationszeit übersehen würde". Denn es gebe auch Berichte über Inkubationszeiten von bis zu zwei Wochen.

"Nur eine infizierte Person, die durch die Isolierung schlüpft, könnte das Virus dann auf mehrere Personen übertragen, insbesondere über ein mehrtägiges Ereignis... Ich glaube nicht, dass es möglich ist, die mit dem Ereignis verbundenen Risiken auszuschalten, obwohl es möglich ist, sie zu minimieren", sagt van Ranst.

Kürzere Quarantäne? Studien erforschen Früherkennung

Jeder Einzelne könne durch bekannte Maßnahmen - wie Hände waschen, Abstand halten und Mundschutz tragen - dazu beitragen. "Schließlich könnte auch die Forderung an das gesamte Personal, sich bei der Rückkehr nach Hause zwei Wochen lang selbst zu isolieren, dazu beitragen, die Virusübertragung zu minimieren."

Allerdings würde das den Plan der Formel 1, innerhalb von sechs Monaten bis zu 18 Rennen auszurichten, durchkreuzen. Die einzige Hoffnung, die Tage der Quarantäne zu verkürzen, besteht laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Studien, die erforschen, ob das Virus durch andere Testverfahren früher entdeckt werden kann.

Zwar gebe es keine Garantie, dass diese Studien fruchtbar sein werden, aber wenn sie es sein sollten, könnte das "einen Teil der Wartezeit ausgleichen - zum Zeitpunkt der Formel 1 könnten sich einige dieser neuen Verfahren als wirksam erwiesen haben", zeigt sich Professor David Heymann von der WHO leise optimistisch.

Mit Bildmaterial von LAT.

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