VLN-Auftakt 2020: Warum Franz Konrad Nein zu Geisterrennen sagt

Norbert Ockenga
motorsport.com

Der Auftakt der Nürburgring-Langstrecken-Serie (VLN) wird am kommenden Samstag (27. Juni) ohne den Lamborghini aus dem Team von Franz Konrad stattfinden. Der Teamchef aus Verl in der Nähe von Gütersloh betont, dass Rennen ohne Zuschauer und erst recht ohne Sponsorengäste für sein Team keinen Sinn ergeben.

"Keine Zuschauer, keine Gäste in der Hospitality - wie soll ich das Rennen bezahlen?", fragt Konrad in einem Podcast der Zeitschrift 'PITWALK'. "Meine Sponsoren haben ihre Verträge alle auf Eis gelegt. Wenn ich fahren würde, müsste ich den ganzen Einsatz aus eigener Tasche bezahlen", so der Teamchef.

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Gerade die Renntaxifahrten, die bei den VLN-Läufen am Freitag möglich sind, leisten bei vielen Teams, so auch Konrad, einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung. "Bei uns fahren ja keine Paydriver. Ich decke den ganzen Einsatz über Sponsoren ab", sagt er.

Konrads Teamsitz in Westfalen liegt zudem mitten im neuen Corona-Sperrgebiet, in dem nach Massenausbrüchen bei Fleischfabrikant Tönnies ein regionaler Lockdown ausgerufen werden musste. "Es gibt hier auch noch eine Hähnchenschlächterei in den Gegend. Deswegen haben sie hier alles verriegelt. Man fühlt sich hier wie im Krieg", sagt Konrad.

"Einen Kilometer von unserer Firma weg stehen die ganzen Häuserblocks, in denen die Tönnies-Mitarbeiter wohnen. Die sind von der Bundeswehr und der Polizei komplett abgeriegelt und mit Gitterzäunen abgesperrt. Das heißt aber nicht, dass wir eingesperrt sind. Wir dürfen einkaufen und alles Mögliche machen", sagt Konrad.

Im zweiten Schritt verhängten viele Regionen ein Beherbergungsverbot für Einwohner der betroffenen Landkreise Gütersloh und Warendorf. Die rheinland-pfälzische Region rund um den Nürburgring ist von diesem De-Facto-Reiseverbot nicht betroffen. Konrad Motorsport könnte dort also anreisen.

"Eigentlich müsste der Truck am Donnerstag zum Nürburgring. Aber ich habe schon am Freitag vor dem neuen Lockdown zu meinen Jungs gesagt: 'Wir werden uns diesen Quatsch da oben nicht antun.' Wir kommen erst dann wieder, wenn sich die Verhältnisse normalisiert haben", so der Teamchef.

Mit Bildmaterial von VLN.

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