Von wegen "Made in Germany"! Auch deutsche Grillkohle kann Tropenholz enthalten

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo
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Sobald das Wetter es zulässt, wird es viele Menschen zum Grillen in die Gärten und Parks ziehen. Bei der Verwendung von Grillkohle ist allerdings Vorsicht geboten. Selbst Marken mit dem Label "Made in Germany" können Tropenholz enthalten.

Brennende Grillkohle (Bild: Getty Images)
Brennende Grillkohle (Bild: Getty Images)

Noch lässt der Sommer auf sich warten. Es ist draußen alles andere als mild, geschweige denn sommerlich warm. Die Sonne versteckt sich hartnäckig hinter den Wolken, die uns seit Tagen mit Regen überschütten. Was die Landwirte freut, ist anderen ein Ärgernis. Viele wollen endlich tun, was man an Sommertagen und -abenden gerne tut: schwimmen, sonnenbaden oder grillen. Bei letzterem Vergnügen gibt es eine weitere Spaßbremse. Es belastet mitunter unser ökologisches Gewissen. In der Grillkohle steckt nicht selten Tropenholz aus Südamerika und Afrika. Davon ausgenommen sind oft nicht einmal Produkte mit dem Label "Made in Germany".

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Importiert nach Germany

Nach einem Bericht von Watson stammen "weit mehr" als 90 Prozent der Grillkohle, die in Deutschland "verfeuert" wird, aus dem Ausland. Das Magazin stützt sich auch auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Die Behörde hatte schon vor zwei Jahren mitgeteilt, dass deutsche Unternehmen in 2017 rund 215.000 Tonnen Holzkohle im Wert von 100 Millionen Euro importierten. Das entsprach einem Anstieg um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wichtigste Lieferländer waren Polen (79.000 Tonnen), Paraguay (32.000 Tonnen) und die Ukraine (23.000 Tonnen).

Dass ein Teil unserer Grillkohle aus Nachbarländern stammt, sollte unser Gewissen nicht erleichtern. Polen zum Beispiel importiert Kohle unter anderem aus Nigeria, schreibt Watson, wo sie nicht selten als Nebenprodukt bei "illegalem Regenwald-Raubbau" abfalle. Und auch die Ukraine ist kein "Garant für eine saubere Herkunft" von Holz, meint im Mai 2019 die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest. Dort gebe es "viel Korruption und illegalen Holzeinschlag."

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Es ist also nicht immer "german" Grillkohle drin, wo "Made in Germany" draufsteht. Wie können Anbieter ihre Ware dann aber mit diesem Gütesiegel vermarkten? Ganz einfach, dazu berechtigt das kleinste Alibi. Es reicht schon, die Kohle in Deutschland zu sieben, mit Holzabfällen zu strecken und zu füllen. Fertig ist das deutsche Qualitätsprodukt.

Den Spaß am Grillen müssen wir uns nicht verderben lassen. Es gibt auf dem Markt auch Grillkohle mit echten Güte-Siegeln. (Bild: Getty Images)
Den Spaß am Grillen müssen wir uns nicht verderben lassen. Es gibt auf dem Markt auch Grillkohle mit echten Güte-Siegeln. (Bild: Getty Images)

Schwarze Holzkohle und schwarze Schafe

Vorsicht ist erst Recht geboten bei Grillkohle-Sorten ohne nähere Angaben etwa über Art und Herkunft des Holzes. Auch das belegen Zahlen. Vor einem Jahr analysierte die Stiftung Warentest 17 Holzkohlesäcke. Das Ergebnis war ernüchternd. Auf neun Säcken war weder die Holzart noch ihre Herkunft angegeben. In fünf davon steckte Kohle aus tropischen und subtropischen Räumen.

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Das Grillen brauchen wir trotz alledem nicht aufgeben. Denn es gibt noch Gütesiegel, denen man vertrauen kann. Zum Beispiel der Auszeichnung, die die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council (FSC) für ökologisch verträgliche Holzwirtschaft vergibt. Der Naturschutzbund Deutschland (nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nennen außerdem das Naturland-Label. Die Stiftung Warentest hält neben den genannten auch das PEFC-Siegel für vertrauenswürdig. Da müsste doch genug "saubere" Holzkohle zusammenkommen. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Grillen – sofern das Wetter es zulässt.

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