"Das war sein Jahr": Wollte Rockenfeller Müller im Titelkampf helfen?

Sven Haidinger
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Phoenix-Audi-Pilot Mike Rockenfeller macht seit einigen Wochen kein Hehl daraus, dass Nico Müller sein persönlicher Favorit für den Titel gewesen wäre. Und auch nach dem Saisonfinale würdigte der DTM-Champion des Jahres 2013 den Schweizer. "Ich hätte mich sicher ein bisschen mehr für Nico gefreut, weil er jetzt vielleicht auch mal dran gewesen wäre", so Rockenfeller bei 'ran.de'.

"Das war sein Jahr. Aber am Ende hat eine Kleinigkeit gefehlt. Das Glück war nicht auf seiner Seite - und Rene hat wirklich die Wende geschafft. Er hat wieder einmal gezeigt, wie stark er ist, aber die beiden waren für mich ebenbürtig. Beide hätten es verdient. Gratulation!"

Aber spielten die Sympathien für Müller in der Anfangsphase des Rennens eine Rolle? Ein Eindruck, der leicht entstehen konnte, denn der nach seinem Blitzstart führende Phoenix-Audi-Pilot kämpfte zunächst hart gegen Rast - und es kam sogar zur Berührungen -, ehe sich der Rosberg-Audi-Pilot in Runde drei durchsetzte.

"Was soll ich tun, wenn mich Rene in die Wiese drückt?"

Bei Müllers Überholmanöver in Runde acht verzichtete Rockenfeller aber sogar auf DRS - und der Abt-Audi-Pilot konnte problemlos in der Parabolica vorbeiziehen. Machte er also Rast bewusst das Leben schwer?

"Ich habe das ein bisschen anders gesehen", sagt er auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. "Ich habe das Rennen angeführt. Und wenn man um die Führung kämpft, dann versucht man vorne zu bleiben, egal wer hinter einem ist. Und Rene hat mich einige Male in der Bremsphase berührt. Er hat mich fast von der Strecke gedrückt - vor Kurve 8", verweist er auf den Kampf vor dem Überholmanöver in der Mercedes-Arena.

Tatsächlich ging Rast beim Einbiegen in die Mercedes-Arena hart gegen den rechts von ihm fahrenden Rockenfeller vor - und es kam zur Berührung. "Am Anfang habe ich gar nicht gegen Rene gekämpft", verweist Rockenfeller auf die Anfangsphase. "Aber wenn er mich gleich in die Wiese drückt, wenn er das erste Mal neben mir ist, was soll ich dann tun? Er ist ein ziemliches Risiko eingegangen, was ich erwartet habe. Er wollte gewinnen und war sehr schnell."

Warum Rockenfeller gegen Müller kaum Gegenwehr zeigte

Rasts rüde Attacke sei auch der Grund dafür gewesen, warum Rockenfeller Rast nach dem Überholmanöver ebenfalls leicht berührte, wodurch dessen Heck zu rutschen begann. "Ich wollte am Kurvenausgang nur Hallo sagen und habe es ihm dann ein bisschen zurückgegeben", schmunzelt Rockenfeller. "Keine große Sache."

Dass er gegen Müller später weniger Gegenwehr leistete und sich auch nicht mit DRS verteidigte, habe damit zu tun gehabt, dass er bereits unter heftigem Reifenabbau litt. "Meine Reifen waren komplett tot", erklärt er. "Ich musste im ersten Stint so oft DRS nutzen - und ich war sicher, dass mir das insgesamt gar nichts bringt, wenn ich mich jetzt gegen Nico wehre."

Die intensive DRS-Nutzung nach Rasts Überholmanöver und das Graining der Reifen haben auch dafür gesorgt, dass Rockenfeller am Ende im Duell gegen Jamie Green um den dritten Platz chancenlos war: "Ich hatte kein DRS mehr und konnte mich nicht mehr gegen ihn verteidigen."

Was besprachen Müller und Rockenfeller vor dem Start?

Aber ist damit geklärt, dass Rockenfeller keine Rolle im Titelkampf spielen wollte? Nicht ganz, denn Ex-Champion Timo Scheider meinte nach dem Start auf 'Sat.1': "Wir haben die Info bekommen, dass Mike Rockenfeller tatsächlich lange mit Nico Müller über den Start geredet hat, was da wer zu welchem Zeitpunkt vielleicht machen kann. Haben die beiden da gemeinsam was gegen Rene Rast geplant? Kann ich mir fast nicht vorstellen."

Darauf angesprochen, spielt Rockenfeller, der neben Pole-Setter Rast in der ersten Reihe gestanden war, die Angelegenheit herunter. "Es war kein langes Gespräch, sondern es dauerte nur eine halbe Minute. Außerdem kam Rene auch, um mit mir zu sprechen." Worüber man gesprochen habe? "Nico und das gesamte Abt-Team kamen zu mir und wünschten mir alles Gute", meinte Rockenfeller zunächst.

Um dann zu ergänzen: "Sie haben natürlich auf ein Wunder gehofft, denn sie waren in einer schwierigen Lage. Nico wusste, dass er unbedingt dieses Rennen gewinnen muss. Und er wusste: Wenn ich hinter ihm bin, dann liegt zumindest einer dazwischen. Aber da war nichts Besonderes. Er hat einfach gesagt: Wir versuchen, dass wir nicht zu nett zu Rene sind. Das wollte er."

Das habe für ihn aber keine Rolle gespielt, denn er wollte das letzte Class-1-Rennen gewinnen: "Ich war auf mein Rennen konzentriert und wollte für mich heute das Beste herausholen. Wenn die beiden um den Titel kämpfen, dann will man nicht derjenige sein, der dazwischen liegt oder das Duell entscheidet. Das wäre gegenüber beiden nicht fair gewesen."

Mit Bildmaterial von ITR.