Was bringen Händedesinfektion und Mundschutz wirklich?

Carolin KlarFreie Autorin für Yahoo Style
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Desinfektionsmittel im kleinen Fläschchen sind praktisch für unterwegs. Aber braucht man sie wirklich? (Bild: Getty Images / Tetra Images)
Desinfektionsmittel im kleinen Fläschchen sind praktisch für unterwegs. Aber braucht man sie wirklich? (Bild: Getty Images / Tetra Images)

Desinfektionsmittel, Maske, Händewaschen: Was schützt tatsächlich vor Krankheitserregern und womit schadet man sich eher?

Die Nachfrage nach Desinfektionssprays, Hygienetüchern und antibakteriellen Gels ist im Winter und in der Hauptreisezeit, im Sommer, besonders hoch. Viele Produkte versprechen, 99,9 Prozent der Bakterien abzutöten. Aber ist das gut?

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Desinfektionsmittel können mehr schaden als nutzen

Die unbegründete Anwendung von Desinfektionsmitteln birgt ein Gesundheitsrisiko. Die Inhaltsstoffe können die Haut stark reizen und Allergien oder Ekzeme auslösen. Empfindliche Menschen, zum Beispiel mit Neurodermitis, sowie Personen mit einer Neigung zu Allergien sollten deshalb darauf verzichten. Die Desinfektionsmittel können nämlich zu Rötungen, Ekzemen oder Rissen in der Haut führen.

Außerdem zerstören die Mittel, deren Hauptinhaltsstoff Alkohole sind, das natürliche und empfindliche Gleichgewicht an Pilz- und Bakterienstämmen, die in unser Umfeld und in den menschlichen Organismus gehören.

Was noch gegen Desinfektionsmittel spricht: Mikroorganismen können Toleranzen gegen Wirkstoffe bilden, wenn sie diesen in nicht tödlichen Konzentrationen ausgesetzt werden, warnen Experten. Die Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika könnte auf diesem Wege gefördert werden. Übertriebene Hygiene und zu häufiges Händewaschen stören also die Immunabwehr.

Laut Ernst Tabori, dem ärztlichen Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg, sind für den Heimbedarf eines gesunden Menschen Desinfektionsmittel weitestgehend überflüssig. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält sie nur in Ausnahmefällen im Privathaushalt für sinnvoll und notwendig, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden. Mit anderen Worten: Wasser und Seife reichen für den Alltagsgebrauch.

Wann Desinfektionsmittel sinnvoll sind

Wer gesund ist und sich in einem gesunden Umfeld aufhält, schützt sich genügend durch Händewaschen. Hat ein Haushaltsmitglied eine ansteckende Krankheit, ist es ratsam ein Desinfektionsmittel für Hände und Gegenstände zu verwenden. Am besten erkundigt man sich in der Apotheke, welches das Richtige ist, da nicht jedes Mittel bei jeder Krankheit hilft. Auch vor dem Urlaub ist eine Beratung sinnvoll, um das richtige Desinfektionsmittel für die Keime am Reiseziel im Gepäck zu haben.

Richtiges Händewaschen und Abtrocknen

Konsequentes und korrektes Waschen ist das A & O: etwa 30 Sekunden mit Wasser und Seife die Handflächen, Fingerspitzen und Zwischenräume reinigen. Ebenfalls wichtig: die Hände nach dem Waschen abtrocknen. Denn trockene Haut überträgt Bakterien schlechter als nasse. Unterwegs sind Papierhandtücher einem Luftgebläse vorzuziehen – Papierhandtücher nehmen nämlich die Keime auf, während ein Trockner sie im Raum verteilt. Zuhause sollten die Handtücher sauber sein, regelmäßig ausgetauscht und stets bei 60 Grad gewaschen werden.

Halskratzen und Husten? Eine Maske minimiert das Risiko für andere sich anzustecken. (Bild: Getty Images / Runstudio)
Halskratzen und Husten? Eine Maske minimiert das Risiko für andere sich anzustecken. (Bild: Getty Images / Runstudio)

Was bringt ein Mundschutz?

Kann man in der Öffentlichkeit mit einer chirurgischen Maske verhindern, Krankheitskeime aufzuschnappen? Laut Hygieneexperten ist dies nicht erwiesen. Wer aber selbst krank ist und andere vor seinen Keimen schützen möchte, kann mit einem Mundschutz einen Teil der Krankheitserreger, die beispielsweise beim Sprechen oder Niesen in die Luft gelangen, abfangen. Der Mundschutz sollte regelmäßig ausgetauscht werden, damit sich dort nicht zu viele Keime sammeln. Regelmäßiges und richtiges Händewaschen ist Studien zufolge jedoch effektiver als ein Mundschutz.

Da wir uns täglich durchschnittlich 300 Mal an der Nase oder am Mund berühren, wird ein Mundschutz für eine bestimmte Gruppe von Menschen empfohlen: nämlich Patienten, die ein schwaches Immunsystem haben, zum Beispiel nach einer Organtransplantation oder während einer Chemotherapie.

Gegen Influenza-Viren, die schwere Grippewellen auslösen können, hilft zudem eine Grippeschutzimpfung. Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) bestimmten Personengruppen empfohlen – dazu zählen unter anderem Personen ab 60 Jahre, Menschen mit Grundleiden und medizinisches Personal.

Hygiene auf Reisen

Es ist nicht verkehrt, auch auf einer Reise die Hände regelmäßig zu reinigen, vor allem vor dem Essen und nach dem Besuch einer öffentlichen Toilette. Es gibt neben Desinfektionsmitteln auch Feuchttücher und Waschlappen für unterwegs. Außerdem ist es zum Schutz vor Krankheitserregern besser, die Hände möglichst aus seinem Gesicht fernzuhalten und zu anderen Reisenden etwas Abstand zu halten, zum Beispiel beim Schlangestehen.

Das Mittelmaß finden

Das große Angebot an Desinfektionsmitteln und die Angst vor Keimen, können bei so manchem einen Hygiene-Tick auslösen. Das Model Naomi Campbell etwa steigt nicht ohne Mundschutz, Desinfektionsmittel und Latex-Handschuhe in ein Flugzeug. Sie wischt an ihrem Platz immer als Erstes den Sitz, die Armaturen, die Decke und den Bord-Bildschirm ab und kommentiert ihre Reise-Routine, die sie auf ihrem Youtube-Kanal vorstellt so: „Es ist meine Gesundheit und ich fühle mich dadurch besser“.

Ob man das machen möchte und wie offensichtlich oder ausführlich, bleibt jedem selbst überlassen. Man sollte aber bedenken: Scharfe Mittel können die Oberflächen angreifen und bewirken, dass sich Mikroben dort besonders gut vermehren.

Kurzum: Übertriebene Hygiene lieber meiden.


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