Was ist ein iFixit-Score und warum sollten wir ihm mehr Beachtung schenken?

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo
Yahoo Nachrichten Deutschland

iFixit untersucht regelmäßig elektronische Geräte auf ihre Reparierbarkeit. Der so genannte Reparierbarkeitsindex des Unternehmens gibt an, wie leicht oder schwer sich ein Smartphone oder ein Tablett reparieren lässt. Wir erklären, warum man dem Index mehr Beachtung schenken sollte.

Langlebigkeit ist bei technischen Geräten wichtig - aber oft nicht erwünscht (Bild: Getty Images)
Langlebigkeit ist bei technischen Geräten wichtig - aber oft nicht erwünscht (Bild: Getty Images)

Das US-amerikanische Reparaturunternehmen iFixit hat mal wieder so manches Smartphone demontiert und auf seine Reparierbarkeit untersucht. Die Ergebnisse sind niederschmetternd für so manchen großen Hersteller. Die neuen, faltbaren Handys von Samsung zum Beispiel kamen nicht über zwei Punkte hinaus. Sie sind also schwer zu reparieren. Am besten schnitten die Geräte von Shift und Fairphone ab, deren Reparierbarkeit iFixit mit neun bzw. zehn Punkten belohnt hat. Aber auch das eine oder andere Motorola- Smartphone erzielte eine hohe Punktzahl.

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Doch unabhängig von dem aktuellen Index: Wozu macht sich iFixit überhaupt die Mühe, Handys und andere elektronische Gerätetypen auf ihre Reparierbarkeit zu analysieren? Anders gefragt: Welche Relevanz haben die Testergebnisse des Unternehmens? Sollten wir dem iFixit-Score mehr Beachtung schenken?

Langlebigkeit ist nachhaltig

Ja, das sollten wir. Denn Indizes wie der von iFixit sind mehr als bloß Dienstleistungen. Sie sind darüber hinaus Indikatoren für die Art, wie Unternehmen mit der Umwelt und dem Menschen als Arbeitskraft umgehen. Computer, Handys und Tablets im Allgemeinen und überhaupt industriell gefertigte Nutzgegenstände sollten möglichst lange im Gebrauch sein. Je langlebiger sie sind, desto umweltfreundlicher und sozialverträglicher sind sie. Umgekehrt sind sie umso weniger nachhaltig, je schneller sie ausgetauscht werden.

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Der Grund liegt auf der Hand: Langlebige Gegenstände sparen wertvolle Ressourcen, sie werden seltener unter fragwürdigen Produktionsbedingungen hergestellt und verursachen weniger klimaschädliche Emissionen. Und umgekehrt. Daher sind langlebige Gegenstände im Hinblick auf Umweltschutz und Sozialverträglichkeit gut. Daher sollten sie leicht reparierbar sein, damit nicht immer wieder neue produziert werden. Je höher also der iFixit-Score, desto besser – und umgekehrt.

Wie wichtig Indizien wie der Reparierbarkeitsindex von iFixit sind, zeigt die Entwicklung unseres Umgangs vor allem mit IT-Geräten wie PC, Smartphone und Tablet. Ihre Nutzungsdauer wird immer kürzer. Vor allem junge Menschen neigen dazu, sich schnell von einem alten Gerät zugunsten eines neuen zu trennen.

Ein Smartphone zum Beispiel behalten Jugendliche im Schnitt ein oder zwei Jahre, bevor sie sich ein neues Modell zulegen, schreibt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit in einer Publikation zum Thema Handyproduktion und ihre Folgen für Umwelt und Arbeitsbedingungen. Die Gründe können sein: Die Verbraucher wollen mit der technologischen Entwicklung schritthalten. Zugleich werden sie von den Herstellern zu einem Neukauf geradezu genötigt, indem sie die Reparierbarkeit der Geräte erschweren.

Verbraucher trennen sich viel zu schnell von technischen Geräten wie einem Smartphone. Das hat negative Auswirkungen auf die Umwelt. (Bild: Getty Images)
Verbraucher trennen sich viel zu schnell von technischen Geräten wie einem Smartphone. Das hat negative Auswirkungen auf die Umwelt. (Bild: Getty Images)

Die ökologische - und soziale Seite eines Smartphones

Die Folgen dieser Entwicklung sind negativ für Umwelt und Mensch. In Smartphones beispielsweise werden wertvolle Rohstoffe verarbeitet wie Eisen, Kupfer, Zink, Nickel, Tantal und Gold. Zu ihrer Förderung wird in der Regel viel Energie benötigt, was CO2 freisetzt und damit das Klima schädigt. Nicht selten kommen giftige Stoffe zum Einsatz, die in die Natur gelangen. Auch die Bedingungen, unter denen die Stoffe gefördert werden, sind problematisch. In den Abbauregionen werden oft ganze Lebensräume zerstört, etwa durch Rodung von Urwäldern oder Bergsprengungen.

Hinzu kommt der soziale Aspekt. Abgebaut werden die Rohstoffe und zusammengebaut werden Smartphones und Co. für gewöhnlich in Regionen und Ländern, in denen oft arbeitsrechtliche Standards fehlen. In der Demokratischen Republik Kongo zum Beispiel finde die Förderung unter "zum Teil unmenschlichen und gefährlichen Bedingungen" statt, schreibt das Bundesumweltministerium. Alles andere als demokratisch geht es auch in China zu, wo Fabrikarbeiter die technischen Geräte zu Niedriglöhnen und ohne Arbeitsvertrag zusammenbauen, so das Ergebnis einer Studie der Nichtregierungsorganisation China Labor Watch.

Geplante Odoleszenz und Profitgier

Das sind weder die einzigen schwarzen Schafe in der IT-Branche, noch finden sie sich ausschließlich auf den Feldern nicht-demokratischer Staaten. Umso wichtiger ist es, auf Zustände wie den genannten aufmerksam zu machen. Das tut iFixit mit seinem Reparierbarkeitsindex, mit dem das Unternehmen Anzeichen für ökologisches und sozial nachhaltiges oder eben ignorantes Wirtschaften liefert. Deutlicher wird die Dienstleistungsfirma in der Ausformulierung ihrer Motivation für ihre Analysen. Manche Hersteller seien "profitgierig" und nötigten uns durch "geplante Odoleszenz", also durch Planung der Nutzungsdauer, immer wieder neue Produkte zu kaufen, erklärt iFixit. Das Unternehmen wolle die Menschen "informieren ", damit sie "echte Qualität kaufen".

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Die Strategie "profitgieriger" Konzerne zu durchkreuzen liegt also auch in der Verantwortung der Verbraucher. Dazu gehört nicht nur, dass wir uns über die Produktionsbedingungen informieren und diese hinterfragen. Dazu gehört auch, dass wir entscheiden und handeln – indem wir zum Beispiel Geräte kaufen, die bestimmten Anforderungen genügen. Orientierung dafür liefern neben Unternehmen wie iFixit mit ihren Produktanalysen und Bewertungssystemen auch Gütesiegel wie "Der blaue Engel", die umweltschonende Produktionsprozesse kennzeichnen.

Dafür sind Indizes und Scores, Labels und Umweltzeichen gut, sie können helfen, die Spreu vom Weizen, die schwarzen Schafe von den Unschuldslämmern zu trennen.

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