Coronavirus: Sieben Patienten in Bayern als geheilt entlassen

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 in China geht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wohl zurück. In Deutschland wurden inzwischen sieben Patienten als geheilt entlassen.

Ärzte versorgen eine Corona-Patientin in Wuhan (Bild: Costfoto/Barcroft Media via Getty Images)
Ärzte versorgen eine Corona-Patientin in Wuhan (Bild: Costfoto/Barcroft Media via Getty Images)

Das Wichtigste in Kürze:

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  • Bestätigte Fälle in China: 70.554 (Todesfälle: 1771, geheilt: 11.270)

  • Bestätigte Fälle außerhalb Chinas: 896 (Todesfälle: 5, geheilt: 159)

  • Bestätigte Fälle in Deutschland: 16 (Todesfälle: 0, geheilt: 7)

  • Neuansteckungen gehen offenbar zurück

  • Sieben Patienten in Bayern entlassen

  • Rückholung von deutschen Kreuzfahrt-Passagieren wird geprüft

WHO: Sars-CoV-2-Neuinfektionen gehen laut Daten aus China wohl zurück

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 in China geht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wohl zurück. Das deuteten Daten zu 44.000 Fällen an, die China der WHO zur Verfügung gestellt habe, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag in Genf. “Es ist zu früh, um zu sagen, dass dieser Rückgang andauern wird. Alle Szenarien sind weiterhin möglich.” Darüber hinaus zeigten die Daten, dass Covid-19 wohl nicht so tödlich sei wie vergleichbare Erkrankungen wie Sars oder Mers.

Die WHO betonte erneut, dass das neuartige Virus außerhalb von China nur einen sehr kleinen Anteil der Menschen betreffe. Forderungen nach drastischeren Maßnahmen wie allgemeinen Reiseverboten wies die UN-Behörde zurück. “Alle Maßnahmen müssen der Situation angemessen sein”, sagte Tedros. WHO-Experte Michael Ryan ergänzte: “Es gibt kein Nullrisiko auf der Welt - für gar nichts.”

7 von 14 Quarantäne-Patienten in Bayern daheim

In Bayern sind inzwischen sieben der insgesamt 14 Menschen, die sich seit Ende Januar mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert hatten, wieder zuhause. Unter ihnen ist eine Familie aus dem Landkreis Traunstein, wie die Leitung der Kliniken Südostbayern am Montag mitteilte. Die Eltern mit ihren Kindern hätten das Krankenhaus in Trostberg schon am Freitag verlassen, alle seien geheilt und nicht mehr ansteckend. Vor allem für die Kinder war die Quarantäne demnach psychisch stark belastend. Zu den Voraussetzungen für eine Entlassung zählen mehrere negative Tests auf das Virus.

Alle 14 Coronavirus-Fälle im Freistaat standen in Zusammenhang mit dem Unternehmen Webasto. Eine chinesische Kollegin hatte den Erreger bei einer Dienstreise unwissentlich eingeschleppt. Ein erster Mitarbeiter der Firma hatte am Mittwoch die Klinik in Schwabing verlassen können, zwei weitere folgten am Wochenende. “Wer von uns offiziell entlassen wird, kann ohne Kontaktsperre wieder in seinen Alltag zurückkehren”, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie in Schwabing. Die meisten seiner Patienten hatten demnach lediglich leichte Covid-19-Symptome entwickelt.

Mögliche Rückhol-Aktion für deutsche Kreuzfahrt-Passagiere

Am Montag befasste sich der Krisenstab der Bundesregierung mit der Lage der Deutschen auf den Kreuzfahrtschiffen “Diamond Princess” und “Westerdam”. Dabei ging es unter anderem darum, ob für eine Rückkehr der Passagiere Unterstützung der Bundesregierung nötig ist. Für mögliche Rückkehrer gibt es laut Bundesgesundheitsministerium Überlegungen für eine Quarantäne im häuslichen Umfeld - und keine zentrale Unterbringung wie bei den Deutschen, die aus China zurückgeholt wurden.

Auf der “Diamond Princess” sind inzwischen 454 Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert. Nach offiziellen Angaben zeigten rund 20 von ihnen schwerere Symptome. Hunderte US-Passagiere des in Japan unter Quarantäne gestellten Schiffes wurden inzwischen in ihre Heimat ausgeflogen, darunter nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums auch mindestens 14 Menschen, bei denen das Virus bereits nachgewiesen wurde. Sie wurden in Kliniken gebracht, die anderen Rückkehrer sollten für 14 Tage in Quarantäne kommen. Am Montag befanden sich noch rund 3000 Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff, darunter acht Bundesbürger. Bei zwei weiteren Deutschen wurde eine Infektion nachgewiesen, sie sind in einer Klinik in Japan.

Keine weiteren Ansteckungen gab es nach derzeitigem Stand bei Passagieren und Crewmitgliedern von der in einem Hafen in Kambodscha liegenden “Westerdam”. Zuvor war eine 83-jährige Amerikanerin bei der Weiterreise in Malaysia positiv getestet und ins Krankenhaus gebracht worden. Zu den Reisenden auf dem Kreuzfahrtschiff hatten nach Angaben der Reederei auch 57 Deutsche gehört. Ein Teil von ihnen war in den vergangenen Tagen bereits an Land gegangen und hatte die Heimreise angetreten. Die bereits nach Hause gereisten Gäste würden von ihren örtlichen Gesundheitsbehörden kontaktiert, teilte die Holland America Line mit.

Menschen in Hongkong warten in einer Schlange vor einem Laden auf eine Lieferung von chirurgischen Masken (Bild: Aidan Marzo/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa)
Menschen in Hongkong warten in einer Schlange vor einem Laden auf eine Lieferung von chirurgischen Masken (Bild: Aidan Marzo/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa)

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Diese Frage lässt sich zurzeit nur schwer beantworten. Klar ist, dass sich das Virus durch Tröpfcheninfektion - etwa beim Husten und Sprechen - verbreitet. “Der Erreger ist deutlich infektiöser als ursprünglich angenommen”, sagt der Infektionsepidemiologe Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI). Viele Details der Infektion seien noch ungeklärt, sagt der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. “Das lässt sich nicht genau rekonstruieren. Man bekommt das Virus vermutlich ähnlich, wie man sich eine Erkältung einfängt.” Dass auch symptomfreie Menschen infektiös sein können, wie vereinzelt berichtet, hält Drosten für eher unwahrscheinlich.

Nach Auskunft chinesischer Mediziner kann sich das Virus möglicherweise auch über das Verdauungssystem verbreiten. Sie hatten den Erreger in Stuhlproben gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen hatten. Nach RKI-Angaben ist jedoch noch nicht abschließend geklärt, ob man sich tatsächlich auf diese Weise anstecken kann. Auch von der Mutter auf das Neugeborene ist das Virus nach Erkenntnissen in China wahrscheinlich übertragbar.

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen der schnellen Ausbreitung in China und der Tatsache, dass sich in anderen Ländern bisher nur wenige Menschen angesteckt haben. Der Virologe Thomas Schulz von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erklärt das auch damit, dass der Erreger in China vermutlich schon Wochen zirkulierte, bevor die Behörden rigorose Maßnahmen ergriffen. “Hätte man das einen Monat früher gemacht, wäre die Situation vermutlich nicht so eskaliert”, sagt Schulz.

Welche Symptome verursacht das neue Coronavirus?

Der Erreger infiziert vor allem Zellen der unteren Atemwege. Dadurch scheinen manche Symptome einer Erkältung wie etwa Fließschnupfen nicht aufzutreten. Generell sind die Symptome der neuen Lungenkrankheit unspezifisch. Fieber, trockener Husten und Atemprobleme können auch bei einer Grippe auftreten. “Es reicht nicht aus, nur fieberhafte Personen zu testen”, sagt Drosten. “Manche Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen.” Mitunter können Patienten auch Kopfschmerzen oder Durchfall haben. Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt 2 bis 14 Tage. Deshalb werden Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert. Nachgewiesen wird eine Infektion meist durch den Nachweis von Erbgut des Coronavirus im Sputum, dem schleimigen Auswurf beim Husten.

Wie gefährlich ist der Erreger?

Das lässt sich momentan kaum beantworten. Der Anteil der Infizierten, der an der Lungenerkrankung stirbt, liegt nach derzeitigen Daten in China bei etwa 2 Prozent - höher als bei einer Grippe. Bei den Grippe-Pandemien 1957 und 1968 lag die Fallsterblichkeit nach Angaben von Drosten bei etwa 0,1 Prozent. Den hohen Wert in China erklärt der Experte mit dem Umstand, dass dort vor allem schwere Fälle bekannt werden. “Viele Menschen melden sich in China erst dann, wenn sie wirklich krank sind. Diese Fälle sind nicht repräsentativ.”

“Wir kennen die tatsächlichen Fallzahlen nicht”, sagt Schaade. Außerhalb Chinas ist die Fallsterblichkeit gegenwärtig geringer. Die geringe Todesrate sei zunächst ermutigend, “aber wir müssen das weiter beobachten”, sagt Schaade. Clemens Wendtner, der in der München Klinik Schwabing einige Infizierte betreut, geht davon aus, dass “die Sterblichkeit deutlich unter einem Prozent liegt, eher sogar im Promillebereich”. “Mit einer sehr, sehr gefährlichen Erkrankung hat das nicht viel zu tun”, sagt er.

Wie lässt sich die neue Lungenkrankheit behandeln?

Eine spezielle Therapie für die Erkrankung gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung.

Lässt sich die Epidemie mit den bestehenden Aktionen stoppen?

Die Coronavirus-Epidemie werde ihren Höhepunkt Mitte bis Ende nächster Woche erreichen, sagte der Chef des nationalen Expertenteams im Kampf gegen das Coronavirus, Zhong Nanshan, am Montag. Ob das realistisch ist, lässt sich deutschen Experten zufolge kaum abschätzen. “Ich kenne die Daten und Modelle der Chinesen nicht”, sagt Schulz, er tendiert aber zu Skepsis. “Im Augenblick geht die Kurve noch steil nach oben.” Der Infektionsepidemiologe Schaade stimmt zu: “Ich wäre mit Prognosen sehr vorsichtig.”

Drosten ergänzt: “Entscheidend ist, ob China es schafft, die Übertragungen zu stoppen. Das kann ich mir schon vorstellen.” Hinzu komme jedoch eine zweite Frage, betont er: Nistet sich das Virus in Ländern mit schlechtem Gesundheitssystem etwa in Afrika oder Asien ein, wo es kaum noch zu kontrollieren wäre? Dann drohe dauerhaft eine neue Lungenkrankheit auf der Welt. Schulz vermutet, dass die Krankheit in China mit Beginn der wärmeren Jahreszeit zurückgehen wird - ähnlich wie bei Grippe und Erkältungen. “Die Frage ist, ob sie nächstes Jahr wiederkommt.”

Kann das Virus durch Gegenstände übertragen werden?

Gesicherte Erkenntnisse gibt es für das neue Virus noch nicht. In einer Metastudie haben Virologen der Unis Greifswald und Bochum kürzlich ermittelt, dass frühere Coronavirus-Varianten wie Sars und Mers auf unbelebten Oberflächen im Schnitt zwischen vier und fünf Tagen überleben, bei Kälte und hoher Luftfeuchtigkeit bis zu neun Tage. Die Forscher nehmen an, dass sich die Ergebnisse auf das neue Virus Sars-CoV-2 übertragen lassen. Ansteckungen etwa durch Postsendungen sind bisher nicht bekannt geworden, es wurden auch keine entsprechenden Warnungen ausgesprochen.

Wie kann man sich dagegen schützen?

Zum Schutz vor diesem wie auch anderen Viren empfehlen Experten gewöhnliche Hygienemaßnahmen: regelmäßiges Händewaschen, Desinfektionsmittel und Abstand zu Erkrankten. Den Nutzen von normalen Atemmasken - wie derzeit in China überall auf den Straßen zu sehen - schätzen Schmidt-Chanasit und Drosten als eher gering ein.

Woher kommt das Virus?

Die Reservoire verschiedener Coronaviren liegen im Tierreich. Bei Mers sind Kamele der Ursprung, bei Sars und dem neuen Erreger liegen die Reservoire vermutlich bei Fledermäusen. Auf den Menschen sprang der Sars-Erreger vermutlich von Schleichkatzen über, die auf chinesischen Märkten angeboten werden. Auch 2019-nCoV geht vermutlich von einem Tiermarkt in China aus. Forscher gehen inzwischen davon aus, dass auch das neue Virus ursprünglich bei Fledermäusen auftrat, aber nicht von diesen direkt auf den Menschen übertragen wurde. Als Zwischenwirt wird in einer neuen Studie das Schuppentier vermutet, das in China eine beliebte Delikatesse ist.

(mit Material von dpa und AFP)

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