Wasserspringen: "Mr. Perfect" Greg Louganis schreibt 1988 auf dramatische und schmerzhafte Art Geschichte

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Greg Louganis vor einem seiner Sprünge in Seoul (Bild: Getty Images)
Greg Louganis vor einem seiner Sprünge in Seoul (Bild: Getty Images)

Der Wasserspring-Wettbewerb war lange Zeit eines der Highlights der Sommer-Olympiade. Den Springern dabei zuzusehen, wie sie furchtlos sich drehend und überschlagend in das Becken unter ihnen tauchen, verursacht beim Publikum und den TV-Zuschauern gleichermaßen Gänsehaut.

Im Jahr 1980 stach ein Name ganz besonders heraus – Greg Louganis. Der Amerikaner war der erste männliche Wasserspringer, der bei zwei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen – 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul – sowohl die Goldmedaille am Sprungbrett als auch beim Turmspringen gewann.

Aber die beiden Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 1988 waren mit Abstand die dramatischsten unter seinen vielen Triumphen in dem Sport. 

Vor den Spielen in Seoul wurde Louganis allgemein für einen der besten Wasserspringer aller Zeiten gehalten. Bei den Spielen 1984 hatte er das Feld dominiert und am Ende mehr als 100 Punkte Vorsprung zu seinem nächsten Kontrahenten in der Sprungbrett-Disziplin und mehr als 70 Punkte Vorsprung zu all seinen Gegnern beim Turmspringen, was ihm den Spitznamen "Mr. Perfect" einbrachte.

Ein heikles Geheimnis

Er trug jedoch ein Geheimnis mit sich, das er nur einigen wenigen Vertrauten mitgeteilt hatte: Wenige Monate vor den Spielen war er positiv auf HIV getestet worden. 

In den 1980er Jahren grassierte AIDS und es gab keine Heilung. Eine Diagnose mit HIV bedeutete Stigmatisierung und Ausgrenzung. Louganis wollte seine sportliche Karriere beenden, aber sein Trainer überredete ihn dazu weiterzumachen. Er ließ sich schließlich davon überzeugen, während er heimlich Medikamente nahm, die dann auch zu den Spielen geschmuggelt wurden.

Seine erste Veranstaltung in Seoul war sein Lieblings-Sprungbrett-Wettbewerb. In 18 Jahren des Trainings und Wettbewerbs war Louganis etwa 200.000 mal von einem Sprungbrett gesprungen, ohne sich jemals zu verletzen. 

Greg Louganis nach seinem Unfall (Bild: Pascal Rondeau/Getty Images)
Greg Louganis nach seinem Unfall (Bild: Pascal Rondeau/Getty Images)

Aber schockierenderweise, nach acht Runden Ausscheidungskampf an den Sprungbrettern, sprang Louganis zu gerade, als er einen umgekehrten zweieinhalbfachen Salto in Hechtposition versuchte und schlug mit seinem Kopf gegen das Brett, als er sich gerade durchstreckte. Blut floss aus einer Platzwunde an seinem Kopf.

"Ich sprang vom Brett und hörte dieses laute Klappern", sagte er später an dem Tag. "Das ist meine Wahrnehmung des Sprungs – ich denke, mein Stolz war mehr verletzt als alles andere."

Die Angst vor den Folgen

Louganis qualifizierte sich zwar aufgrund seiner vorherigen Sprünge für das Finale, aber er war vor Angst wie gelähmt. Würde sich jemand aufgrund seiner Verletzung mit HIV anstecken? Müsste er sein Geheimnis dem Mannschaftsarzt mitteilen? Würde er ausgeschlossen werden aufgrund seines Zustands?

Er entschloss sich, seine HIV-Erkrankung nicht zu erwähnen und machte das Geheimnis erst im Jahr 1995 öffentlich, als er sich aus dem Wasserspringsport zurückzogen hatte. Ärzte sagten später, dass der Vorfall keine Gefahr für andere dargestellt hätte, da sich das Blut mit dem Wasser im Schwimmbecken vermischt und das Chlor den Virus abgetötet hätte.

Greg Louganis im Spring (Bild: Dimitri Iundt/Corbis/VCG via Getty Images)
Greg Louganis im Spring (Bild: Dimitri Iundt/Corbis/VCG via Getty Images)

Aber trotzdem: War Louganis in guter Verfassung, um am nächsten Tag im Finale anzutreten? Könnte er denselben Sprung noch einmal durchführen? 

Ein nervöser Louganis kam extra früh am Veranstaltungsort an und versuchte, sich zu beruhigen. Was auch immer er zu sich selbst sagte, es funktionierte – er führte in allen bis auf einer von elf Runden und seine Anspannung wurde erst sichtbar, als er den Sprung wiederholte, der ihm am Vortag Probleme bereitet hatte. Er bekam dennoch 76,25 Punkte für diesen Sprung. 

Am Ende gewann er die Sprungbrett-Disziplin mit 25 Punkten Abstand und war nur noch einen Schritt von einer historischen Meisterleistung entfernt. 

Triumph durch den "Todessprung"

Das Turmspringen war ebenso denkwürdig, wenn auch eher in traditioneller Hinsicht – Louganis lieferte sich einen Zweikampf um die Goldmedaille mit dem 14-jährigen Nachwuchstalent Xiong Ni aus China.

Xiong – der später drei Goldmedaillen im Wasserspringen gewinnen würde, in den Jahren 1996 und 2000 – führte in der letzten Runde mit drei Punkten und legte einen erstaunlichen Sprung hin, der 82,56 Punkte brachte. Louganis musste buchstäblich einen perfekten Sprung ausführen, um noch die Goldmedaille erhalten zu können.

Greg Louganis bei der Verleihung der Goldmedaille (Bild: Pascal Ron/Getty Images)
Greg Louganis bei der Verleihung der Goldmedaille (Bild: Pascal Ron/Getty Images)

Er entschied sich für den Sprung 307C – einen dreieinhalbfachen Rückwärtssalto mit Absprung, der einer der schwierigsten Sprünge des Sports ist und den nur wenige Springer auf der ganzen Welt ausführen können. Louganis gehörte zu ihnen. Ihn verfolgten jedoch die Erinnerungen an den Tod seines Rivalen aus der Sowjetunion, Sergei Chalibashvili, der einen Schädelbruch am Beckenrand erlitt, als er den Sprung 1983 bei der Universiade durchführte. 

Er wurde der Todessprung genannt, aber Louganis zeigte sich furchtlos und bekam 86,70 Punkte für einen nahezu perfekten Sprung. Er gewann die Goldmedaille mit einem Vorsprung von nur 1,14 Punkten.

Rückzug aus dem Sport

Direkt nach den Spielen in Seoul zog er sich aus dem Sport zurück und besiegelte damit seinen Platz unter den Legenden des Sports. Er hatte sein Coming-out in einem Interview mit Oprah Winfrey im Jahr 1995 und ist seitdem ein Aktivist für die Rechte Homosexueller. Er fand außerdem ein neues Hobby mit der Ausbildung von Hunden für Gehorsamkeits- und Geschicklichkeitswettbewerbe.

Greg Louganis mit einem seiner Hunde 2012 (Bild: REUTERS/Mario Anzuoni)
Greg Louganis mit einem seiner Hunde 2012 (Bild: REUTERS/Mario Anzuoni)

Heute ist er 61 und lebt in einem Haus in Malibu, mit Swimmingpool aber ohne Sprungbrett. Er verspürt nicht das Bedürfnis, je wieder springen zu müssen – nicht nachdem er seine Sportkarriere auf so dramatische und brillante Art und Weise beendete.

Chia Han Keong

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