Watzkes klare Ansagen bei der JHV - und was sie bedeuten

Martin Hoffmann, Lukas Rott
Sport1

Beinahe-Blamage gegen den SC Paderborn, anhaltende Debatten um Trainer Lucien Favre, Pfiffe bei der Jahreshauptversammlung: Borussia Dortmund hat ein ungemütliches Wochenende hinter sich - und wegweisende Wochen vor sich.

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des BVB, hat bei der Mitgliederversammlung klare Worte gewählt - und Favre deutlich vermittelt, dass er in den kommenden Partien den Befreiungsschlag schaffen muss. Aber auch einige andere Sätze des 60-Jährigen ließen aufhorchen, in Sachen Transfers zum Beispiel.

SPORT1 rekapituliert die Kernaussagen von Watzkes Ansprache an Favre, die Mannschaft um Kapitän Marco Reus sowie die Fans - und erklärt, was sie bedeuten.

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"Lucien, du hast auch weiterhin unser Vertrauen, aber es ist auch eins klar: Du bist schon so lange im Fußball dabei wie viele von uns auch. Fußball wird auch immer über Ergebnisse definiert."

Eine Vertrauenserklärung mit erheblichen Einschränkungen. Faktisch ist sie ein kaum kaschiertes Ultimatum. Der spätere Hinweis auf die Champions-League-Partie beim FC Barcelona am Mittwoch und das nächste Bundesliga-Begegnung bei Hertha BSC machte überdeutlich: Die beiden Spiele sind Favres Schicksalsspiele (Champions League: FC Barcelona - Borussia Dortmund 21 Uhr)

Sollten die Dortmunder wieder enttäuschen, wird die BVB-Führung die Konsequenzen ziehen.

Watzke stellte schon Bosz ein JHV-Ultimatum

Watzkes Worte erinnern an die Mitgliederversammlung 2017, kurz nach dem irrwitzigen 4:4 im Revierderby gegen Schalke 04. Damals übermittelte er dem angezählten Trainer Peter Bosz: "Ich habe die klare Erwartung an dich, Peter, dass ihr in dieser Woche alles auf den Prüfstand stellt, jeden Stein umdreht."

Zwei Wochen und drei sieglose Spiele später musste Bosz gehen.

"Reißt Euch zusammen, strafft Euch - und versucht da so aufzutreten, wie es von Borussen erwartet wird."

Nachdem Manager Michael Zorc vor dem Spiel beim FC Bayern München (0:4) "Männerfußball" gefordert hat und hinterher feststellen musste, dass "gar kein Fußball" dabei herausgekommen war, hielt Watzke den Profis nun die nächste Predigt in Sachen Einstellung und Mentalität. Dinge, die auch er zuletzt offensichtlich vermisst hat.

Die Ansage an die Spieler war zugleich ein Signal nach außen, dass die BVB-Bosse verstanden haben, dass nicht nur Favre, sondern auch seine Schützlinge in der Pflicht sind.

"Die Zielsetzung Meisterschaft haben wir uns erarbeitet. Wir werden unsere Ambitionen nicht an der Garderobe abgeben."

Diese Sätze sind Verteidigung in eigener Sache: Die BVB-Führung hatte vor der Saison bewusst entschieden, das Ziel Meisterschaft auch öffentlich auszurufen und die Mannschaft daran messen zu lassen.

Watzke und Manager Michael Zorc hatten diesen Entschluss (der auch ein Wunsch der Spieler war) mit spürbar größerer Überzeugung vertreten als Favre, der dieses Thema eher von sich fernhalten wollte.

Dass Watzke seine Haltung nun bekräftigt, erhöht den Druck auf Favre: Die BVB-Führung weicht die Zielsetzung nicht auf und formuliert kompromisslos höchste Ansprüche, Favre muss sich an ihnen messen lassen.

"Wir haben einen Fehler gemacht: Wir hätten definitiv eine zweite Nummer 9 verpflichten müssen."

Auch diese Aussage ist pikant, denn es gilt als offenes Geheimnis, wer keine zweite Nummer 9 als Backup für Paco Alcácer wollte: Lucien Favre.

BVB-Coach Lucien Favre lehnte Stürmer-Transfer ab

Erst vor einigen Wochen berichtete der kicker, dass Favre einen Stürmer-Transfer abgelehnt hatte. Watzke und Zorc hatten den Entschluss mitgetragen, es müsse "niemand so tun, als ob wir keine Stürmer hätten", hatte Watzke im Juli den Ruhr Nachrichten gesagt. Die Stürmer-Debatte sei "eine Diskussion, die überwiegend von den Medien geführt wird und nicht von uns".

Nun rückt Watzke von dieser Ansicht ab - womit auch klar ist: Im Winter wird der Stürmer-Transfer nachgeholt, ob Favre dann noch im Amt ist oder nicht. Mario Mandzukic von Juventus Turin und Olivier Giroud vom FC Chelsea sind im Gespräch.

"Wer Tore des Gegners bejubelt, sollte unsere Gemeinschaft verlassen."

Dass Fans eines Klubs die Tore des Gegners nicht bejubeln sollten, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Watzkes Worte haben dennoch ihren Sinn, auch viele BVB-Fans haben sich zuletzt über den sich breit machenden Zynismus mancher Anhänger-Kollegen beklagt.

Watzke signalisiert, dass er das registriert hat und nicht dulden will. Er versucht, die Reihen zu schließen, mit betont scharfen Worten, die einem patriotischen Appell gleichen: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

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