Webber warnt Alonso

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Fernando Alonso trifft auf der Langstrecke auf ganz neue Herausforderungen
Fernando Alonso trifft auf der Langstrecke auf ganz neue Herausforderungen


Mit seinem Start beim bevorstehenden 24-Stunden-Rennen von Daytona 2018 wagt Fernando Alonso erstmals den Schritt in einen Wettbewerb auf der Langstrecke. Beim IMSA-Saisonauftakt in Florida am kommenden Wochenende teilt sich der McLaren-Formel-1-Star ein Ligier-Gibson-LMP2-Auto von United Autosports mit seinen jungen Kollegen Phil Hanson und Lando Norris. Alonso will lernen für einen Start bei den 24 Stunden von Le Mans.

Bei einem kurzen Testeinsatz im TS050 von Toyota im November 2017 konnte Alonso erste Erfahrungen in einem LMP1-Hybridauto mit rund 1.000 PS Systemleistung sammeln. Allerdings gaben die Runden in Bahrain nur einen kleinen Einblick in das Verhalten eines Le-Mans-Prototypen, nicht jedoch in den wilden Wettbewerb mit Fahrzeugen unterschiedlicher Klassen bei wechselnden Bedingungen. Diese Eindrücke sammelte der Spanier erst beim "Roar before the 24" vor rund zwei Wochen in Daytona.

"Die größten Probleme habe ich mit den Sicherheitsgurten", so Alonso nach seinen ersten Fahrten auf dem Kurs in Florida. Dieses für einen Formel-1-Piloten banal anmutende Problem ist ein Klassiker auf der Langstrecke, wo sich gleich mehrere Piloten ein Auto teilen - somit bei Sitzposition, Ergonomie und Set-up immer wieder Kompromisse eingegangen werden müssen. So etwas ist aus der Königsklasse, wo jeder Fahrer sein "eigenes" Auto hat, nicht bekannt.

Es ist nicht nur ein anderes Auto

"Wenn man denkt, man müsste sich nur an ein anderes Auto gewöhnen, dann ist man auf dem Holzweg", sagt Mark Webber gegenüber 'automoto.it'. Der ehemalige Red-Bull-Teamkollege von Sebastian Vettel weiß genau, wovon er spricht: Webber wechselte nach seiner Formel-1-Zeit ins Porsche-LMP1-Team und machte sich dort gemeinsam mit Brendon Hartley und Timo Bernhard 2015 zum Weltmeister. "Einen Prototypen zu fahren, ist das geringste Problem, selbst wenn ein solches Auto 200 Kilogramm schwerer ist als ein Formel-1-Bolide."

"So etwas hat man ganz schnell im Griff. Man findet schnell heraus, wie ein solches Auto reagiert - und dann geht es ans Limit. Aber: Im Langstreckensport ist nicht das Limit immer das Ziel. Es gibt ganz andere Hürden zu meistern", erklärt Webber. "Wer aus der Formel 1 kommt, ist nicht daran gewöhnt, sich ein Auto mit anderen teilen zu müssen. Da wird es für Fernando am schwierigsten sein, die entsprechenden Kompromisse zu finden. Man muss sich halt darauf einstellen und damit umgehen lernen."

"Aber auch dabei wird Fernando schnell den passenden Weg finden. Die wahren Probleme liegen woanders: schlechte Sicht, geschlossenes Cockpit, Schutzkissen neben dem Helm und vor allem die Fahrt im Verkehr", sagt Webber vor dem Langstreckendebüt seines langjährigen Formel-1-Kumpels. "Da sind die verschiedenen Klasse. Langsamere Autos, durch die man sich seinen Weg bahnen muss, ohne zu viel Zeit zu verlieren. Das wird Alonsos größtes Problem werden."

Wenn die Amateure in langsamen Autos auftauchen

"Im Verkehr tauchen Autos plötzlich auf, die fahren 120 km/h langsamer als dein eigener Wagen. Meistens sind die mitten auf der Ideallinie, oft befinden sie sich in Zweikämpfen. Da muss man vollstes Vertrauen in die anderen Fahrer haben. Wenn man dort reinsticht, gibt es kein Zurück mehr. Bei so etwas haben wir schon viele, teil sehr gefährliche Unfälle gesehen", erklärt Webber. "In diesen langsamsten Autos sitzen einige Amateure, die nicht wissen, wohin sie fahren sollen. Kurzum: Es ist ein Chaos - vor allem in der Nacht."

"In der Formel 1 kennt man so etwas nicht. Die Unterschiede in der Formel 1 sind im Vergleich zur Langstrecke minimal. Es sind viel weniger Fahrer auf der Strecke. Und die, die dort fahren, kennen sich ziemlich gut. Sie wissen sich einzuschätzen und vertrauen sich gegenseitig", sagt der Australier. Und genau diese Unterschiede müsse Alonso schnell begreifen und verinnerlichen. "Wenn du im Verkehr schnell sein willst, dann musst du Risiken eingehen. Aber jederzeit muss man abwägen, wann sich welches Risiko wirklich lohnt."

"Und dann hast du gleichzeitig in der LMP1 noch das Management des Autos. Im Verkehr lege ich die Grundlage für die wichtige Rekuperation, die mir wiederum Vorteile im Wettbewerb verschaffen kann. Es ist kompliziert", so Webber. "Bei Red Bull hatte ich 18 Monitore für meine Fahrzeugdaten, bei Porsche waren es dann 24. Das zeigt, wie kompliziert und schwierig es ist. Mein erstes Le Mans war ein Desaster. Ich dachte, ich würde fahren wie eine Rakete. Ich bin hohes Risiko eingegangen und habe trotzdem zwölf Sekunden über einen Stint verloren. Das macht deutlich, wie schwierig es eigentlich ist, dort zu gewinnen."

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