Europas NBA-Helden profitieren von einem Systemfehler

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Europas NBA-Helden profitieren von einem Systemfehler
Europas NBA-Helden profitieren von einem Systemfehler

Als Giannis Antetokounmpo 2013 von den Milwaukee Bucks gedraftet wurde da gab es vereinzelte Buhrufe.

Noch extremer fiel die Reaktion der Fans der New York Knicks aus als Kristaps Porzingis 2015 als vierter Spieler ausgewählt wurde. Die Anhänger pfiffen aufgrund der Auswahl.

Der Grund für die Ablehnung: Das Duo kam aus Europa in die NBA und noch vor einigen Jahren wurden fast ausschließlich die US-Talente geschätzt. (NEWS: Alles zur NBA)

In den vergangenen Jahren hat sich aber viel verändert in der NBA - und die Fans, die damals die beiden Europäer ausgepfiffen haben, sind inzwischen ihre größten Fans.

Auch das allgemeine Ansehen europäischer Spieler hat sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert. Pfiffe bei der Auswahl eines Talents, weil die US-Fans sie nie spielen gesehen haben und Europäer generell für zu weich halten? Quasi undenkbar!

Kein Wunder: Immerhin wird die NBA so sehr wie nie zuvor dominiert von Europäern - aus vielfältigen Gründen, zu denen aus Sicht namhafter Experten auch ein Systemfehler im US-Basketball gehört.

Jokic klarer Favorit auf MVP-Award

Mit Nikola Jokic wird sehr wahrscheinlich ein Serbe zum wertvollsten Spieler der Liga (MVP) gekürt. Der Star der Denver Nuggets revolutioniert das Spiel des Centers mit seiner überragenden Übersicht, seinem Ballhandling und dem punktgenauen Wurf. (SERVICE: Die Tabellen der NBA)

Zudem gilt Rudy Gobert von den Utah Jazz als Favorit für die Auszeichnung des Defensivspieler des Jahres. Es wäre für den Hünen aus Frankreich bereits die dritte Auszeichnung in dieser Kategorie.

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Zudem dominiert ein weiteres Duo aus Europa die Liga. Antetokounmpo wurde zuletzt sogar zwei mal in Serie zum MVP gekürt.

Der Grieche könnte in diesem Jahr zu seiner ersten Meisterschaft kommen und demonstrierte kürzlich seine Übermacht, als er die Brooklyn Nets um deren US-Superstars Kyrie Irving und Kevin Durant mit 49 Punkten fast im Alleingang niederrang. Auch das zweite Duell ging an die Bucks um den "Greek Freak".

Doncic eilt von Rekord zu Rekord

Bei den Dallas Mavericks eilt Luka Doncic derweil von einem Rekord zum anderen. Die Schallmauer von 4.000 Punkten, 1.000 Assists und 1.000 Rebounds hat er mit 22 Jahren bereits durchbrochen. (SERVICE: Der Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Vor dem Slowenen schaffte das nur LeBron James zu einem so frühen Zeitpunkt. Außerdem hat Doncic bereits jetzt mehr Triple-Doubles auf seinem Konto als jeder andere Spieler in der Historie der Dallas Mavericks.

Viele weitere Stars wie Nikola Vucevic (Bulls), Domantas Sabonis (Pacers) oder sind ebenfalls Anführer ihrer Teams. Auch Dennis Schröder spielte in Abwesenheit von LeBron James und Anthony Davis eine zentrale Rolle beim NBA-Champion Los Angeles Lakers.

Was sie alle eint: Gutes Ballhandling und starkes Passspiel. Das zeichnet vor allem europäische Bigs im Vergleich zu vielen US-Amerikanern aus.

De Europäer haben sich über mehrere Jahrzehnte hinweg durch eine Nische zu unverzichtbaren Stützen ihrer Teams entwickelt. Sie sind Teamplayer in einer Liga, in der immer noch 1-gegen-1-Duelle die Spielweise dominieren.

Sind Europäer bessere Teamsportler?

Immer weniger Trainer wollen aber auf den Mannschaftsgedanken verzichten. Zudem wird in Europa ein viel größerer Fokus bei der Ausbildung auf die Verteidigung und schnelle Ballrotation gelegt als in den USA.

Die Gleichberechtigung der Spieler auf den europäischen Feldern sorgt dafür, dass Europäer allesamt gut mit dem Ball umgehen können.

"Wir haben dem Rest der Welt das Spiel irgendwie beigebracht", sagte Tony Ronzone, Direktor für Spielerpersonal bei den Dallas Mavericks und ehemaliger internationaler Scout: "Was sie getan haben, ist, dass sie mit uns gekontert haben und versucht haben, Wege zu finden, wo sie kreativ sein können, um mit uns zu konkurrieren, was sie auch getan haben."

Greg Popovich, Trainer-Legende der San Antonio Spurs, beschrieb einen weiteren Vorteil. Der Coach sieht in Europäern Spieler mit "Charakter", die "über sich selbst hinauswachsen, die Teamplay verstehen, die einen Teamkollegen anfeuern können" und "keine Ausreden suchen".

Haben US-Spieler weniger Charakter? Der Förderer des Franzosen Tony Parker sieht in jedem Fall einen Fehler im System, in dem sie hochgezogen werden - einem System, in dem heimische Talente "seit der achten, neunten, zehnten Klasse von verschiedenen Fraktionen oder Gruppen von Menschen verhätschelt" würden.

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Nowitzki und Co. öffneten die Türen

Die heutigen Stars, die den Sport in Europa erlernten, hatten zudem wichtige Vorbilder, die ihnen den heutigen einfacheren Weg geebnet haben.

Noch 1998 beim Draft von Dirk Nowitzki gab es die Meinung, dass Europäer zu weich seien und "weiße Männer sowieso nicht springen können". Zusammen mit Spielern wie den Gasol-Brüdern, Tony Parker und Peja Stojakovic änderte Nowitzki diesen Ruf aber über die Jahre.

Nun haben vor allem Doncic, Antetokounmpo und Jokic das Ansehen des europäischen Basketballs auf die nächste Stufe gehoben. Natürlich ist James immer noch das Gesicht der Liga - doch "King James" ist 10 Jahre oder im Vergleich zu Doncic sogar 14 Jahre älter als die europäischen Superstars, die die Zukunft der Liga sind.

Zukünftige europäische Talente werden ihren Vorreitern danken - denn bei künftigen Drafts dürften die Buhrufe durch hoffnungsvolle Blicke oder gar Jubel ersetzt werden.